17. Mai 2012

Anlage-Strategie

Welche Anlagechancen der demografische Wandel bietet

28. Oktober 2011 In wenigen Tagen überspringt laut einem Bericht der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung die Marke von sieben Milliarden. Und bis zum Ende des Jahrhunderts sollen nach UN-Prognosen sogar zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben.
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Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn in einigen führenden Industriestaaten schrumpft die Bevölkerung und die Bewohner werden im Schnitt immer älter. An diese demographische Entwicklung knüpfen sich Sorgen um das künftige Wachstum und da laut Theorie ältere Menschen auch eine geringere Aktienquote aufweisen sollten auch Bedenken hinsichtlich möglicher negativer Kurswirkungen auf die Aktienmärkte der betroffenen Länder.
Laut Berechnungen von Allianz Global Investors dürfte als Folge der demografischen Belastungen die Pro-Kopf-Einkommen in Japans und in Europa um 0,6 Prozent und 0,4 Prozent p. a. sinken. Weil sich das Pro-Kopf-Einkommen einer Volkswirtschaft bei gleichbleibendem Kapitalstock und technologischem Fortschritt aus dem Produkt der Arbeitsproduktivität und dem Anteil der beschäftigten Arbeitskräfte an der Gesamtpopulation zusammensetzt, dürften sich viele Schwellenländer aufgrund des dort vorherrschenden Bevölkerungswachstums dagegen als Wachstumsländer entpuppen.

Demografie wird die Anlageentscheidungen künftig stärker beeinflussen

Vor diesem Hintergrund ist es keine gewagte These aufgrund der demografischen Veränderungen auch langfristige Auswirkungen auf die Kapitalmärkte zu erwarten. Schließlich dürften Entwicklungen wie das Bevölkerungswachstum, die veränderte Bevölkerungsstruktur und die steigenden Lebenserwartungen das Wachstum, das Sparverhalten sowie Risikoneigung bei der Kapitalnachfrage in einer Volkswirtschaft beeinflussen. Und damit sehr wahrscheinlich auch auf die Preisentwicklungen von Vermögensklassen an den Kapitalmärkten, wie die Experten von Allianz Global Investors in einer neuen Studie schreiben. Ganz besonders gelte dies sogar für die aktuelle Zeitperiode, geht in den nächsten Jahren doch die so genannte Baby-Boomer-Generation in den Ruhestand und veräußert zur Finanzierung des Ruhestandes einen Großteil des Ersparten. Historische Erfahrungen legen dabei nahe, dass sich das rückläufige Arbeitskräftepotenzial auf die Bewertungen am Aktienmarkt drücken könnte (siehe Grafiken).
Die Autoren der Allianz-Studie, Dennis Nacken und Hans-Jörg Naumer, rechnen jedoch nicht mit dem Horrorszenario eines zukünftigen Asset-Meltdown, bei dem Millionen verkaufswilliger Babyboomer nicht genügend Abnehmer für ihre Finanzanlagen finden werden. Denn aus ihrer Sicht spricht dafür einfach zu viel dagegen. Demnach dürften sich die Auswirkungen der demografischen Zeitenwende auf die Kapitalrendite zwar bemerkbar machen, aber sie dürften sich in Größenordnungen bewegen, die das dramatisierende Schlagwort vom „Asset Meltdown“ als weit überzogen erscheinen lassen sollten. Eine alternde Gesellschaft benötige zudem mehr, nicht weniger Kapital, denn sie müsse in zunehmendem Maße Arbeit durch Kapital substituieren.
Zu bedenken sei auch, dass die Kapitalrendite in einer globalisierten Welt nicht von einzelnen Ländern dominiert werde. Die globalen Kapitalmärkte würden immer verzahnter, so dass Kapitalimporte und -exporte im größeren Volumen stattfinden würden. Die von der Demografie bedingten Verschiebungen auf den Kapitalmärkten stellten weder ein plötzliches noch ein unerwartetes Ereignis dar. Die Kapitalmarktteilnehmer sollten in einem effizienten Markt diese Entwicklung weitestgehend antizipieren. Insgesamt erscheine das Szenario eines demografie-bedingten Zusammenbruchs an den Kapitalmärkten somit als übertrieben.
Allerdings dürften die Löhne graduell stärker steigen als der Preis für Kapital, wenn Arbeitskräfte tendenziell knapper werden und Kapital in Form von Ersparnissen reichlicher wird. Die Renditen dürften sich demnach vor allem in den etablierten Industrienationen etwas schwächer entwickeln als in der Vergangenheit. Eine weitere Investmentüberlegung, die Nacken und Naumer daraus ableiten, lautet globaler zu investieren. Teile des Geldes sollten da angelegt werden, wo das Wachstum (heute und) morgen entsteht. Das könne im einfachsten Fall mittels eines global anlegenden Portfolios, etwa eines weltweit investierenden Fonds, geschehen, und / oder durch Investitionen in Regionen mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial, in denen sich die demografische Entwicklung am vorteilhaftesten auswirken dürfte, und / oder in Firmen, die ihren Sitz noch in den alternden Ländern haben, deren Absatzmärkte sich aber zu großen Teilen in den aufstrebenden Ländern befinden.
Die globalen demografischen Trends dürften außerdem sowohl zu einer Veränderung der Nachfragestruktur als auch zu globalen Nachfrageverschiebungen führen. Damit rückten auch Biotechnologie- und Pharmawerte, die vor allem von einer älter werdenden Bevölkerung gewinnen, ins Blickfeld, sowie Energie- und Rohstoffwerte, die bei steigender Nachfrage immer knapper werden. Da die aufstrebenden Staaten typischerweise von Verstädterung und starkem Wirtschaftswachstum geprägt seien, könnten auch Investitionen in Infrastruktur und Transport eine Investmentchance darstellen.

Gesundheitsmarkt, Schwellenländer, Energie und Umwelt dürften profitieren

Zu den Demografie-Gewinnern könnten vor diesem Hintergrund die Sektoren Pharma und Biotechnologie gehören. Denn der globale demografische Wandel dürfte in den nächsten Jahren zu einer veränderten und höheren Nachfrage nach Gesundheitsleistungen führen. Zumal der Bedarf an Gesundheitsvorsorge nicht nur durch die quantitativ steigende Weltbevölkerung zunehmen dürfte, sondern auch durch qualitatives Wachstum, da mit höherem Wohlstand der Konsum von qualitativ höherwertigen Gesundheitsleistungen zunehme.
Als Profiteure dürften sich auch die Schwellenländer erweisen. Diese Annahme gelte auch für die so genannten BRIC.Staaten. Dahinter stecken Brasilien, Russland, Indien und China und deren Bevölkerungszahl betrug 2010 knapp drei Milliarden Menschen, wobei diese bis 2030 noch einmal rund 500 Millionen steigen soll. Bis 2030 dürften die Bric-Länder mit einer Wirtschaftsleistung von 84 Billionen Dollar die sieben Industriestaaten mit voraussichtlich 64 Billionen Dollar deutlich überholt haben (siehe Grafiken)
Ebenfalls begünstigt werden von den demografischen Veränderungen dürften laut Allianz-Studie auch die am Ende der von der Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum geprägten Nachfragekette stehenden Rohstoffproduzenten. Zumal der Rohstoffbedarf nicht nur durch die quantitativ steigende Weltbevölkerung zunehme, sondern es auch zu einem qualitativen Wachstum kommen dürfte. Mit höherem Wohlstand werde jedenfalls normalerweise auch der Konsum rohstoffintensiver. Und bis jetzt ist das Verhältnis von Pro-Kopf-Verbrauch von Rohstoffen zum Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den Schwellenländern im Vergleich zu den Industriestaaten und deren Entwicklungszyklus nach dem zweiten Weltkrieg noch immer niedrig (siehe Grafiken).
Gleichzeitig rückt laut Nacken und Naumer aber auch der Faktor Umwelt, als Quelle erneuerbarer Energien und als Ressource, über die nur begrenzt verfügt werden kann, immer stärker ins Bewusstsein. Ressourcen- und Energieproduktivität dürften bei der Erstellung von Wirtschaftsgütern daher in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Infolgedessen hätten neue Energieformen bereits mehr und mehr an Einfluss gewonnen. Gemäß einer Prognose des World Energy Council soll bis Mitte dieses Jahrhunderts die globale Energienachfrage um 45 Prozent steigen und gleichzeitig der Anteil regenerativer Energiequellen von derzeit rund 7 Prozent auf rund 30 Prozent wachsen. Gleichzeitig sollen wertvolle Rohstoffe aus Abfällen zurück gewonnen werden und die Wasserinfrastruktur müsse dringend verbessert werden.


Text: @JüB, Demografie, Anlage-Strategie
Bildmaterial: F.A.Z.

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