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Apple-Aktie
Warten auf die Wende
Von Martin Hock
28. Januar 2013 Was zum Teufel ist bloß mit der Apple-Aktie los? Das werden sich in den vergangenen Monaten doch einige Investoren gefragt haben. Die jüngsten Quartalszahlen lieferten dann nachträglich so manche Rechtfertigung.
Die Verkaufszahlen für das iPhone fielen geringer aus, als von Analysten vorher geschätzt. Statt 50 Millionen iPhones hat das Unternehmen im Weihnachtsquartal 2012 nur 47,8 Millionen verkauft. Auch das Umsatzwachstum lag unter den Erwartungen, der Gewinn stagnierte auf dem Vorjahresniveau. Für das kommende Quartal rechnet Apple nur noch mit einem einstelligen Umsatzwachstum. Der Ausblick sei eine Enttäuschung, hieß es.
Permanente Revolution ist unrealistisch
Na und? Apple verzeichnete einen Rekordumsatz mit iPhones. Das iPad geht weiter weg wie warme Semmeln. Und was haben wir eigentlich erwartet? Dass die Vereinigten Staaten ihre Flagge durch das Apple-Symbol ersetzen? Dass Apple nach dem Markt für Desktop-PCs (die gab es schon vor dem iMac), für MP3-Player (die gab es vor dem iPod), dem Geschäft mit Musik-Downloads (gab es schon vor iTunes), mit Mobiltelefonen (gab es schon vor dem iPhone) und Tablet-PCs (gab es auch vor dem iPad, wollte nur keiner) jetzt auch noch den Markt für Fahrräder, Wohnzimmertische und Handtaschen revolutioniert?
Wachstum und Innovation sind wichtig und haben Apple in den vergangenen Jahren groß gemacht. Aber Wachstum und Innovation müssen gemanagt werden. Kleine und mittlere Marktteilnehmer müssen wachsen, um eine kritische Größe zu erreichen, dann ist es aber höchste Zeit auszuruhen, zu konsolidieren und den Fuß etwas vom Gas zu nehmen. Nicht zu viel, denn dann könne die anderen überholen. Die Wettbewerber haben tatsächlich aufgeholt. Bestes Beispiel ist Samsung. Das geht natürlich zu Lasten der Glorie.
Keine neue Microsoft
Aber ist etwas weniger Glanz ein Problem? Warum sollte es eines sein? Die Fundamentaldaten von Apple sind gut. Die Aktie wird mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von weniger als 10 gehandelt. Das ist billig. Und der Dreh bei liegt nicht beim Umsatz mit Geräten. Apple lieferte mit den Geräten eine Dienstleistungswelt aus, heißt sie nun iTunes oder AppStore. In den vergangenen neun Monaten zahlte Apple an App-Entwickler 3 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass der Konzern mehr als 1 Milliarde Dollar damit einnahm, ohne viel dazu zu tun.
Sorgen machen sich Anleger vor allem mit Blick auf vergleichbare Karrieren. Paulo Santos vom Online-Broker XTB hat den Vergleich mit Microsoft und Cisco aufgemacht, den Herrschern der PC-Betriebssysteme und des Internet-Datenverkehrs. In den ersten Jahren des vergangenen Jahrzehnts stiegen deren Aktienkurse um 1029 bzw. 1827 Prozent. In den folgenden 12 Jahren fielen diese um 40 bzw. mehr als 72 Prozent – obwohl die gewinne der Unternehmen stiegen.
Die Krux aber, rechnet Santos vor, ist dass beide Aktien auf dem Höhepunkt ihrer Kursentwicklung mit KGVs von 84 bzw. 222 gehandelt wurden. Bei Apple waren es 16. Rechnet man diese Kursverluste analog auf Apple um, so hätte der Aktienkurs nur um etwa 5 bis 10 Prozent nachgeben dürfen – statt um 37 Prozent.
Margendruck wäre möglich
Doch ganz so läuft es an der Börse nicht. Erfüllen Aktien nicht mehr die in sie gesetzten – gleich wie unrealistischen – Hoffnungen, werden erst einmal Gewinne mitgenommen. Das ist mitunter auch ganz vernünftig, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
Tatsächlich ist auch ein langsam wachsenderes Apple immer noch attraktiv. Der Kursrutsch vom Donnerstag um mehr als 10 Prozent war übertrieben. Werden iPhone-Besitzer sich in Massen andere Smartphones kaufen? Warum sollten sie? Wird es keine neuen Apps mehr geben? Wohl kaum.
Was tatsächlich möglich ist, dass andere Hersteller Apple den Rang ablaufen. Dass Apple ohne Steve Jobs die Innovationsführerschaft abgibt. Andererseits ist von der Konkurrenz nicht viel zu sehen, was Apple gefährlich zu werden droht.
Ungemach kann auch durch Preisdruck entstehen. Die Welt muss nicht immer mit einem Knall enden. In der Zange von Preisdruck auf der Absatzseite durch gesättigte Märkte im Westen und größerem Preisbewusstsein in den Schwellenländern könnten die Margen unter Druck geraten.
Die Wende sollte bald kommen
Doch mit sinkenden Bruttomargen rechnen Analysten schon heute und dennoch ist die Apple-Aktie fundamental so günstig wie selten. Das honoriert der Markt am Montag mit Kursgewinnen von immerhin 3 Prozent. Ob das aber schon die Wende ist, ist angesichts der charttechnischen Lage eher fraglich.
Wer nichts verpassen will, kann jetzt mit Blick auf eine längerfristige Entwicklung möglicherweise schon zugreifen. Zwischen 400 und 425 Dollar aber sollte die Wende spätestens eintreten. Denn für einen Bruch dieser Unterstützung fehlt einfach die fundamentale Basis.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, FAZFinance
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