17. Mai 2012

Vor dem Börsengang

Wall Street rangelt um Gunst von Facebook

Von Norbert Kuls, New York
03. Februar 2012 Der anstehende Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook wird an der Wall Street eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres. Entsprechend groß war das Gerangel unter den Banken um die prestigeträchtige Rolle des Konsortialführers bei der Aktienplazierung. Den Zuschlag hat nun Morgan Stanley erhalten und damit den Erzrivalen Goldman Sachs, die üblicherweise führende Wall-Street-Bank, klar ausgestochen.
Der Kampf der größten amerikanischen Aktienbörsen, der New York Stock Exchange und der Nasdaq, um das Listing von Facebook hält dagegen an. Bei der Vorstellung des ersten Börsenprospektes hat Facebook noch keine Angaben zum Börsenplatz gemacht, an dem die Gesellschaft notiert werden wird.
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„Facebook-Börsengang wird Kultsymbolcharakter haben“

Mit einem angestrebten Emissionsvolumen von 5 Milliarden Dollar wird Facebook der größte Börsengang eines Internetunternehmens werden. "Der Facebook-Börsengang wird Kultsymbolcharakter haben", sagte James Montgomery, der Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Montgomery & Co., die auf Technologiewerte spezialisiert ist. Die Konsortialbanken werden sich aber wahrscheinlich mit einer Gebühr von nur 1 Prozent bis 1,5 Prozent des Emissionsvolumens zufrieden geben müssen, heißt es. Bei kleineren Börsengängen sind 7 Prozent üblich.
Für Morgan Stanley gilt die Führungsrolle beim Börsendebüt von Facebook als Coup, auch wenn die Bank bei Internetunternehmen generell einen starken Stand hat. Unter der Führung des erfahrenen Investmentbankers Michael Grimes, dessen Technologieteam im kalifornischen Menlo Park praktisch vor der Haustür von Facebook sitzt, hatte Morgan Stanley im vergangenen Jahr den größten Anteil an Börsengängen von Internetunternehmen und verwies Goldman auf den zweiten Platz.
Morgan Stanley brachte unter anderem das soziale Karriere-Netzwerk Linkedin und gemeinsam mit Goldman Sachs den Online-Spieleanbieter Zynga an die Börse. Nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg katapultierte das Morgan Stanley auch insgesamt an die Spitze der Rangliste für Börsengänge in den Vereinigten Staaten.
Goldman Sachs ist zwar neben der Bank of America, der britischen Bank Barclays und der mittelgroßen auf Technologieaktien spezialisierten Privatbank Allen & Co. auch im Konsortium für Facebook vertreten. Aber Goldman Sachs wird noch nicht mal an zweiter Stelle hinter Morgan Stanley genannt. Dort steht der Name der größten amerikanischen Bank JP Morgan Chase, deren Vorstandschef Jamie Dimon seit langem gute Beziehungen mit der Facebook-Managerin Sheryl Sandberg pflegt und sich mehrfach persönlich für den Auftrag stark gemacht hat. Noch Anfang vergangenen Jahres hatte es so ausgesehen, als ob Goldman trotz einer wegen Auseinandersetzungen mit der Börsenaufsicht angeschlagenen Reputation, die Nase bei Facebook vorne haben würde.

Amerikanische Kunden blieben überraschend außen vor

Goldman hatte zusammen mit einer russischen Gesellschaft 500 Millionen Dollar in Facebook investiert und dazu weitere 1,5 Milliarden Dollar von seinen Kunden eingesammelt. Aber Goldman machte dabei ungewöhnliche Fehler, was den Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg und seine Nummer zwei Sandberg verärgert haben dürfte. Goldman Sachs ließ amerikanische Kunden bei dem außerbörslichen Verkauf von Facebook-Anteilen überraschend außen vor.
Das Interesse an Facebook hatte zu einem großen Wirbel in den Medien geführt, was Goldman offenbar unterschätzte. Die Regularien der Börsenaufsicht untersagen bei einer Privatplazierung Werbung für die Aktien. Die Veröffentlichung praktisch aller relevanten Details der Transaktion in den Medien hatte die Emission aber in Frage gestellt. Zudem ließen die vielen Rollen von Investor über Vermögensverwalter bis zur Emissionsbank, die Goldman bei Facebook spielte, den Vorwurf von Interessenkonflikten aufleben, dem die Wall-Street-Bank häufig ausgesetzt ist. "Ich glaube, Facebook ist nicht sonderlich glücklich mit Goldman Sachs", sagte Jeff Sica, der Vorstandsvorsitzende des Vermögensverwalters Sica Wealth Management.
Die Vorstandschefs der beiden Börsen Nyse und Nasdaq, Duncan Niederauer und Robert Greifeld, machen sich auch persönlich für das Listing von Internetunternehmen stark. Die Nyse erhielt im vergangenen Jahr den Zuschlag für Linkedin, das Internetradio Pandora und das chinesische Online-Netzwerk Renren. Die Nasdaq landete das Schnäppchen-Portal Groupon und Zynga.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa, NYBZ127

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