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03. September 2010

Anlageverhalten

Viele Anleger laufen dem Markt hinterher

25. September 2003 Prozyklisches Anlageverhalten führt zumeist zu einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung: Man kauft zu hohen Kursen und verkauft zu niedrigen. Dennoch zeigt eine Analyse der Mittelzuflüsse in Fonds, daß viele Anleger ihre Anlageentscheidung offenbar weniger an einer langfristigen Vermögensplanung als vielmehr an kurzfristigen Kapitalmarktmoden ausrichten.

So zeigt ein Blick auf die Fondskäufe deutscher Anleger anhand der Daten des Branchenverbandes BVI in diesem Jahr ein prozyklisches Investitionsmuster bei Aktienfonds: Vergleicht man die Veränderung des MSCI World-Aktienindex mit den Nettomittelzuflüssen in Aktienfonds, so zeigt sich, daß mit einer positiven Entwicklung des Index auch die Mittelzuflüsse steigen.

Auch auf europäischer Ebene läßt sich prozyklisches Anlegerverhalten beobachten. „Im ersten Halbjahr 2000, als die Aktienindizes weltweit Höchststände erreicht hatten, verzeichnete die europäische Fondsindustrie Zuflüsse von sagenhaften 123 Milliarden Euro. Geldmarktfonds wollte damals kaum jemand haben. Als die Aktienkurse fielen, verhielt es sich genau umgekehrt", erinnert sich Axel Schwarzer, DWS-Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb. „Ein Großteil der Anleger läuft dem Markt hinterher", sagt auch Tobias Grieß von der Citibank.

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Abgeschwächtes Herdenverhalten bei Rentenfonds

Dieses prozyklische Wechselspiel, wie es sich zwischen Aktien- und Geldmarktfonds abspielt, läßt sich bei den Rentenfonds nur in abgeschwächter Form beobachten. Die Mittelzuflüsse in deutsche Rentenfonds legen zwar die Vermutung eines prozyklischen Verhaltens nahe: Einem Anstieg des Rex-Rentenindex folgt mit leichter Verzögerung auch ein Anstieg der Mittelzuflüsse. Weniger eindeutig ist dieses Bild allerdings bei international investierenden Rentenfonds. Hier läßt sich anhand der BVI-Daten kein unmittelbarer Zusammenhang feststellen.

„Rentenfonds, die international investieren, werden nicht nur wegen des Zinsarguments, sondern auch wegen des Währungsarguments als Anlagekategorie in Betracht gezogen - deswegen ist der Zusammenhang zwischen den Kursbewegungen am Rentenmarkt und den Mittelzuflüssen in Rentenfonds nicht so eng", sagt Martin Hochstein von der SEB Invest. Hinzu kommt wohl auch der Umstand, daß viele Fondskäufer nicht exakt über den Zusammenhang zwischen einem Anstieg der Zinsen und dem Wert ihres Fondsanteils informiert sind und Rentenfonds mit einer eher langfristigen Perspektive kaufen.

Auch amerikanische Anleger verhalten sich prozyklisch

Auch amerikanische Anleger haben mit den jüngsten Kursgewinnen wieder Geld in Aktienfonds gesteckt: Nach Angaben des Fondsdatenanbieters Lipper haben sie im August 26 Milliarden Dollar netto in Aktienfonds gesteckt - laut Lipper der drittgrößte Wert innerhalb eines Monats seit dem Beginn der Baisse im Jahr 2000. Gleichzeitig wurde soviel Geld aus Rentenfonds abgezogen wie seit 20 Jahren nicht mehr: Insgesamt flossen 15,3 Milliarden Dollar netto aus Anleihefonds ab. Doch zu spät, meint Hochstein: „Bis Juni haben wir noch Rekordzuflüsse in diese Fonds beobachtet, seither fließt das Geld mit einer Verzögerung gegenüber der Marktentwicklung wieder ab", sagt er.

„Natürlich investieren die meisten Leute prozyklisch, doch das kann man ihnen kaum verdenken: Wer hat schon den Mut zu kaufen, wenn alles schreit, man müsse verkaufen", sagt Thomas Portig von HCM. Zudem wird die Prozyklik im Anlegerverhalten von den Fondsgesellschaften bedient: In den vergangenen 24 Monaten ist eine Flut von Garantieprodukten auf die deutschen Kunden niedergegangen - Produkte, die noch in den Zeiten der Aktienhausse niemanden interessierten und deren Nutzen umstritten ist, wenn sich die Kurse bereits mehr als halbiert haben.

Aber auch Mischfonds, die flexibler auf eine Zinswende oder eine Umkehr an den Aktienmärkten reagieren könnten, sind zumindest laut Portig nicht der Stein der Weisen: „Entweder dem Fondsmanager gelingt es, an den Wendepunkten umzuschichten oder aber er ist innerhalb der jeweiligen Anlageklasse bei der Auswahl der Einzeltitel erfolgreich - doch beides zusammen ist fast nie zu beobachten."



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2003, Nr. 224 / Seite 23

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