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Börsengänge
Verhaltene Zuversicht in Hongkong
Von Christian Geinitz
22. November 2012 Der HSCEI, der die rein chinesischen Unternehmen misst, ließ sich vom Dow Jones abhängen. Die neu ausgegebenen Aktien haben im Durchschnitt sogar 9 Prozent an Wert verloren. Bei so vielen gemischten Nachrichten freut sich der Standort auf den Börsengang von PICC, einem der größten Versicherungskonzerne in China. Dieses Staatsunternehmen, das mit vollem Namen People’s Insurance Company (Group) of China heißt, will im Dezember bis zu 27,8 Milliarden Hongkong-Dollar einsammeln (3,6 Milliarden Dollar). Das wäre der größte Börsengang in Hongkong seit Oktober 2010. Wichtiger noch: Er würde das in diesem Jahr mobilisierte Neuemissionsvolumen aus dem Stand um mehr als die Hälfte erhöhen.
Ein Lichtblick in trüben Zeiten
Die Details will das Unternehmen aus Peking in einer Woche festlegen, am 30. November. Bekannt ist schon, dass es eine Kapitalerhöhung geben soll. Ausgereicht würden 6,9 Milliarden neue Aktien in einer Preisspanne von 3,42 bis 4,03 Hongkong-Dollar je Stück. Die Erstnotiz ist für den 7. Dezember geplant. Fast 17 Prozent des Gesamtkapitals wären dann plaziert. Einschließlich einer Mehrzuteilungsoption könnten bei der Emission sogar 32 Milliarden Hongkong-Dollar (4,1 Milliarden Dollar) erlöst werden, hieß es.
Das wäre für Hongkong ein Lichtblick in trüber gewordenen Zeiten. Jahrelang führte die chinesische Sonderverwaltungszone die Liste der Börsengänge in aller Welt an. Das lag an zweierlei: Zum einen suchten hier die großen chinesischen Konzerne den Anschluss an die internationalen Märkte und deren Kapital; zum anderen nutzten Unternehmen aus den Industrieländern das westlich orientierte Hongkong als Sprungbrett für Rotchina. Doch dieser doppelte Antrieb ist ins Stottern geraten, seit auch in China die Wirtschaft schwächer wächst als gewohnt. In diesem Jahr könnte die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts so niedrig ausfallen wie seit dem Jahr 1999 nicht. Hongkongs Wirtschaft ist schon froh, wenn sie im Jahr 2012 überhaupt zulegt.
PICC-IPO mit Signalwirkung?
Diese relative Schwäche spiegelt sich auf dem Börsenparkett. Nach Angaben der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) hat es in Hongkong bis Ende Oktober 53 Börsengänge (IPO) im Volumen von rund 49 Milliarden Hongkong-Dollar gegeben (6,3 Milliarden Dollar). Zur gleichen Zeit des Vorjahres waren es schon 76 Fälle mit 221 Milliarden Hongkong-Dollar gewesen. Sogar die chinesischen Festlandbörsen haben Hongkong hinter sich gelassen. Allein in Shenzhen fanden in diesem Jahr schon 128 Börsengänge im Volumen von 70 Milliarden Yuan (11 Milliarden Dollar) statt. Ursprünglich hatte PWC für das Gesamtjahr ein Neuemissionsvolumen von bis zu 150 Milliarden Hongkong-Dollar vorausgesagt. Jetzt rechnet man nur noch mit 80 bis 100 Milliarden.
“Alle schauen deshalb auf den IPO von PICC und erwarten davon eine Wende zum Besseren“, sagt Edmond Chan, der für die Kapitalmärkte zuständige PwC-Partner in Hongkong: „Aber wir brauchen noch mehr Börsengänge ähnlicher Größenordnung, bevor der Markt wieder Gas gibt.“ Hongkong habe im laufenden Jahr sowohl unter der Abkühlung in China gelitten als auch unter der schwierigen Lage in der EU und den Vereinigten Staaten. Durch die niedrigen Zinsen in den Industrieländen - die Hongkong nachvollziehen muss, da seine Währung an den Dollar gekoppelt ist - besorgten sich viele Unternehmen Kapital nicht über die Börse, sondern zum Beispiel über Bankkredite oder Anleihen, argumentiert Chan. Die Anleger wiederum seien sehr vorsichtig. Sie sorgten für niedrige Kurse und erwarteten geringe Ausgabepreise bei Neuemissionen. „Deshalb kommen beide Seiten nicht zusammen.“
AIG will investieren
Für das Jahr 2013 zeigen sich Fachleute wie Edmond Chan verhalten optimistisch - aber nur unter folgenden Voraussetzungen: dass die amerikanische Wirtschaft Tritt fasse und die Politik in Washington den Haushaltsnotstand vermeide; dass Europa glaubhafte Zeichen aussende, die Staatsschuldenkrise beizulegen, und aus der Rezession herausfinde; und dass Chinas künftige Führung die richtigen Wachstumsimpulse setze. Vor wenigen Tagen ist in Peking eine neue Spitze der kommunistischen Partei gebildet worden.
Bei so vielen Unsicherheiten halten sich die Anleger vorerst an das, was klar erscheint: etwa dass eine Handvoll großer Ankerinvestoren bereitsteht, umgerechnet fast 1,9 Milliarden Dollar für die neuen PICC-Aktien auszugeben. Dazu gehört der amerikanische Versicherer AIG, der in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden musste. Er will 500 Millionen Dollar in PICC stecken und zudem ein Gemeinschaftsunternehmen für chinesische Lebensversicherungen gründen. Das Geschäft mit Sachversicherungen hat PICC schon im Jahr 2003 in Hongkong gelistet. Die Erfahrungen waren damit in diesem Jahr schlecht, der Kurs ist um 6 Prozent gefallen. Auch deshalb glauben Analysten, dass es PICC beim neuen Börsengang schwer fallen wird, gute Preise zu erzielen.
Text: FAZ.NET
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