17. Mai 2012

Blick auf den Finanzmarkt

Stockende Griechenland-Gespräche machen Aktien zu schaffen

23. Januar 2012 Die deutschen Standardwerteindizes tendieren am Montag wenig verändert. Der Dax liegt knapp unter seinem Freitagsschlussstand bei 6403 Punkten. Der marktbreite FAZ-Index gibt 0,04 Prozent auf 1432 Punkte nach.
In der laufenden Woche dürfte ein Abschluss der Verhandlungen in Griechenland das Schlüsselereignis für die Aktienmärkte sein, sagt Marktstratege Stan Shamu von IG Markets. Im frühen Geschäft gibt es aber Gewinnmitnahmen auch aus technischen Gründen. Christoph Geyer, technischer Analyst bei der Commerzbank, spricht in seinem Wochenausblick von nachlassender Aufwärtsdynamik.
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Banken zählen indes europaweit zu den Favoriten. Der Stoxx Europe 600 Banks stellte mit legt 1 Prozent zu. Laut „Financial Times“ planen Frankreich und Deutschland eine Erleichterung der Kapitalregeln, um eine Kreditklemme zu verhindern. Demnach sollen wichtige Elemente der Basel III-Regeln abgeschwächt und um drei Jahre verzögert werden. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete zudem unter Berufung auf Gesetzesentwürfe, dass Banken sogenannte Asset Backed Securities in die liquiden Mittel einbeziehen dürften, die von Regulierungsbehörden eingefordert werden. Commerzbank gewinnen 4 Prozent, Deutsche Bank legen 1,35 Prozent zu.
Thyssen-Krupp profitieren von einem Bericht der „Rheinischen Post“, demzufolge der Stahlkonzern seine Edelstahl-Sparte mit dem Geschäft des finnischen Wettbewerbers Outokumpu zusammenlegen will. An dem neuen Unternehmen soll ThyssenKrupp dem Bericht nach nur eine Minderheitsbeteiligung anstreben. 11.000 Mitarbeiter fänden damit einen neuen Arbeitgeber, der neue Konzern sei mit 18.000 Mitarbeitern und über zehn Milliarden Euro Umsatz dann Weltmarktführer, schreibt die Zeitung. Thyssen-Krupp-Aktien klettern um 0,85 Prozent und machen damit ihren Dividendenabschlag von 0,45 Euro mehr als wett.
Wincor Nixdorf klettern nach Zahlen um 4,1 Prozent. Der Geldautomaten-und Kassensystemhersteller bekam zwar im ersten Geschäftsquartal das schwankende wirtschaftliche Umfeld und die unsichere Lage der Banken zu spüren und verdiente gut ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr. Analysten hatten aber mit diesem Rückgang beim Gewinn gerechnet und der Umsatz fiel sogar höher aus als erwartet. Analyst Thorsten Reigber von der DZ Bank sprach indes von „wenig inspirierenden Zahlen bei einem anhaltend schweren Geschäftsumfeld“.

Hängepartie in Athen sorgt für Gewinne am Rentenmarkt

Die Hängepartie um den Schuldenschnitt für Griechenland hat die deutschen Renten-Futures mit Gewinnen in die neue Woche starten lassen. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 26 Basispunkte auf 138,38 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 12 Basispunkte auf 124,81 Prozent.
Der Leiter des Bankenverbands IIF, Charles Dallara, hat Athen das „maximale“ Angebot der Kreditinstitute und anderer an den Verhandlungen beteiligter Investoren auf den Tisch gelegt. „Formal ist es jetzt an der griechischen Regierung, über die Offerte zu entscheiden“, sagt Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst bei der Commerzbank. De facto werde diese Entscheidung aber von Europas Regierungen und dem IWF getroffen.
Charttechnisch wichtige Widerstände für die Bund-Futures liegen nun um 139,75 Prozent, 140,01 Prozent und 140,23 Prozent. Unterstützungen finden sich um 137,86 Prozent, 137,70 Prozent und 137,45 Prozent.
Der Primärmarkt für Staatsanleihen der Eurozone legt zum Ausklang des Januars eine Verschnaufpause ein. Nachdem die Länder des Währungsraums allein in den letzten drei Tagen fast 30 Milliarden Euro aufgenommen haben, sind in der gesamten kommenden Woche laut HSBC Trinkaus bisher erst 9 Milliarden Euro angekündigt.
Italien wird am Donnerstag eine neue zweijährige Nullkupon-Anleihe auflegen sowie inflationsindexierte Anleihen aufstocken. Bislang wurden jedoch noch keine Einzelheiten zum angestrebten Emissionsvolumen bekannt gegeben. Am Geldmarkt werden neben Italien Frankreich, Spanien und Deutschland auftreten. Zusammen sollen etwa 20 Milliarden Euro aufgenommen werden. Dem stehen HSBC zufolge Fälligkeiten in Höhe von 15,5 Milliarden Euro gegenüber.

Ausbleiben einer Griechenland-Lösung belastet Euro

Das bisherige Ausbleiben einer Lösung in Griechenland belastet am Montag den Euro. Im asiatischen Handel fiel die Einheitswährung bis in den Bereich von 1,2850 Dollar, konnte sich dann aber erholen. Die Gespräche zwischen den Gläubigerbanken und Griechenland werden voraussichtlich nicht wie erhofft noch vor dem heute stattfindenden Finanzministertreffen der Eurozone zu Ergebnissen führen. An den Finanzmärkten kam am Freitag die Hoffnung auf, dass eine Einigung unmittelbar bevorstehe.
Die Anleger reagieren daher nun etwas enttäuscht. Einen Beinbruch stellt das allerdings nicht dar. „Die Märkte haben zu stark auf eine frühe Einigung gesetzt“, sagt Dai Sato von Mizuho Corporate Bank. Zugleich stellt Sato aber klar, dass es für Griechenland ausreichend wäre, bis Anfang März eine Einigung zu erzielen.
Daneben blickt der Markt bereits auf die in der laufenden Woche stattfindende Sitzung der Federal Reserve. Analysten glauben nicht, dass Notenbankpräsident Ben Bernanke neue Maßnahmen zur quantitativen Lockerung in den Raum stellen wird. Allerdings dürfte sich der Fed-Chairman alle diesbezüglichen Optionen offen halten. Die meisten Beobachter rechnen nicht vor Mitte des Jahres mit neuen Maßnahmen. Das Ausbleiben neuer Maßnahmen könnte den Dollar stützen.

Aktienbörse in Tokio schließt kaum verändert

Die Tokioter Börse hat die Woche kaum verändert begonnen. Damit konnten die japanischen Aktienmärkte ihre vier Tage andauernde Rally vorerst nicht fortsetzen. Ungewissheit über den Ausgang der Gespräche über den Anleihetausch privater Griechenland-Gläubiger bremsten am Montag die Kauflust. Im frühen Handel hatten die Indizes in Tokio noch deutliche Aufschläge verzeichnet. Die Börsianer warteten gespannt auf die Gespräche der Euro-Finanzminister in Brüssel. Viele asiatische Aktienmärkte, darunter die in China, Hongkong, Singapur und Südkorea blieben wegen des chinesischen Neujahrsfestes geschlossen.
In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index kaum verändert bei 8765 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte 0,17 Prozent zu auf 756 Zähler. Zu den Gewinnern zählten Toshiba und Sony mit Kursgewinnen von mehr als vier Prozent, nachdem der Broker Nomura eine zuversichtliche Einschätzung zu der Elektronik-Branche veröffentlicht hatte.

Nachbörsliche Kurse und Meldungen aus Amerika

Microsoft behaupteten die Gewinne aus dem regulären Handel, nachdem das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss gute Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Der Kurs legte um 0,2 Prozent zu auf 29,77 Dollar. Ähnlich verhielt es sich mit IBM, die mit 188,50 Dollar praktisch unverändert schlossen. Im regulären Handel hatte das Papier nach einem guten Quartalsbericht 4,4 Prozent gewonnen.

Wall Street steht hektische Bilanz-Woche bevor

Der Wall Street steht eine der hektischsten Wochen der laufenden Berichtssaison bevor. Außerdem kommt der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank Fed am Dienstag und Mittwoch zu seiner ersten Sitzung in diesem Jahr zusammen und wartet gleich mit einem Novum auf: Zum ersten Mal in ihrer fast 100-jährigen Geschichte wird das Federal Reserve Board Prognosen zur künftigen Zinsentwicklung in den Vereinigten Staaten geben. Weiter im Fokus der Börsianer dürfte die Schuldenkrise im Euro-Raum bleiben.
Es sind allesamt Börsen-Schwergewichte, die von Montag an ihre Quartalsberichte vorlegen werden. Den Anfang machen Texas Instruments und Halliburton. Am Dienstag folgen dann Apple, DuPont, Johnson & Johnson, McDonald’s, Verizon und Yahoo. Für Mittwoch haben Boeing, Conoco-Philips und United Technologies ihre Zahlen angekündigt. Dann folgen 3M, AT&T, Starbucks und Time Warner Cable. Den Abschluss bilden am Freitag Chevron, Honeywell International sowie Procter & Gamble.
Die bisher vorgelegten Zahlen belegen, dass das vierte Quartal aus Firmensicht nicht so gut gelaufen ist wie die vorangegangenen. Bislang haben 70 der im S&P-500-Index gelisteten Firmen ihre Ergebnisse vorgelegt, nur 60 Prozent von ihnen übertrafen die Schätzungen von Analysten. Im dritten Quartal hatten 68 Prozent der Unternehmen besser gewirtschaftet als erwartet, im zweiten Quartal waren es sogar 78 Prozent, wie Daten von Thomson-Reuters zeigen. Für Enttäuschung sorgten in der jetzt zu Ende gegangenen Handelswoche Börsenschwergewichte wie General Electric, deren Zahlen hinter den Erwartungen geblieben waren.
Auf der makroökonomischen Seite dürfte vor allem die Fed von Interesse sein. Die Notenbanker wollen sich erstmals dazu äußern, wann mit einer Zinsentscheidung zu rechnen sein könnte. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Notenbank den Leitzinskorridor von null bis 0,25 Prozent bestätigen wird. Aufschluss über die Lage der amerikanischen Konjunktur versprechen Daten vom amerikanischen Häusermarkt, die Arbeitslosenmeldungen. Außerdem werden erste Schätzungen des Handelsministeriums zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal erwartet. Reuters und die University of Michigan legen zudem ihre neuesten Erhebungen zum Verbrauchervertrauen in den Vereinigten Staaten vor.

Griechenland-Meldungen schicken amerikanische Anleihen abermals auf Talfahrt

Die Talfahrt der amerikanischen Anleihen hat auch am Freitag kein Ende gefunden. Den dritten Handelstag in Folge zeigten sich die Notierungen der Staatsanleihen mit deutlichen Abgaben. Erneute wurde das Sentiment ganz entscheidend von den Vorgängen in Griechenland bestimmt. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 2,000 Prozent fielen um 14/32 auf 99-24/32 und rentierten mit 2,03 Prozent. Der mit 3,125 Prozent verzinste Longbond sank um 1-6/32 auf 100-14/32, seine Rendite stieg damit auf 3,10 Prozent.
„Es ist die Situation in Europa, die Anleger davon abhält, für eine scharfe und nachhaltige Erholung am Markt zu sorgen“, sagte ein Rentenhändler. Wenn dieser Brandherd gelöscht werde, entfalle ein ganz entscheidender Grund zum Erwerb von amerikanischen Anleihen, die vor allem in Krisenzeiten als vermeintlich sicherer Anlagehafen gelten.
Einen weiteren Dämpfer erhielten die amerikanischen Anleihen von Berichten, wonach die amerikanische Notenbank vorerst kein drittes Programm zum Kauf von Rentenpapieren auflegen wird. Das Wall Street Journal (WSJ) hatte berichtet, die Federal Reserve wolle zunächst die Konjunkturentwicklung im Auge behalten, bevor über weitere Stimuli nachgedacht werde.


Text: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

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