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Aktie
Sparanstrengungen bei Merck zeigen Wirkung
Von Christoph A. Scherbaum
15. November 2012 Ein starkes Übersee-Geschäft und die hohe Nachfrage nach Flüssigkristallen waren ebenfalls neben Sparmaßnahmen verantwortlich, dass beim bereinigten EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) es im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15,6 Prozent auf 754,2 Mio. Euro nach oben ging. Die Umsatzerlöse wuchsen um 11,8 Prozent auf 2,72 Mrd. Euro. Davon entfielen 5,9 Prozent auf organisches Wachstum, 5,7 Prozent auf positive Währungseffekte und 0,2 Prozent auf Akquisitionen. Aufgrund höherer Sondereinflüsse verringerte sich das Ergebnis nach Steuern jedoch um 17,2 Prozent auf 185,5 Mio. Euro.
„Erwarten 2012 ein gutes Jahr“
„Merck ist operativ gut unterwegs, und das trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten und mitten in unserem eigenen Transformationsprozess“, sagte Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Merck. „Wir sind besonders zufrieden mit den exzellenten Ergebnissen unserer Sparten Merck Serono und Performance Materials. Wir erwarten für 2012 ein Jahr mit guten Finanzergebnissen und nähern uns gleichzeitig mit unserer Profitabilität dem Wettbewerb.“ Angesichts der sehr guten Performance im dritten Quartal 2012 lehnte sich Merck nun bei seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2012 etwas weiter aus dem Fenster:
Der Konzern rechnet mit einem Umsatz von 10,9 bis 11,0 Mrd. Euro. Bisher wurde ein Wert von 10,7 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Operativ möchte Merck zwischen 2,90 und 2,95 Mrd. Euro verdienen. Zuvor lagen die Erwartungen bei 2,85 bis 2,95 Mrd. Euro. Hinzu kommt, dass der Pharma- und Spezialchemiekonzern auch in Zukunft seinen Nachschub an neuen Medikamenten durch den Zukauf von Wirkstoffen aufbessern. „Einlizenzierungen werden Teil unserer Aktivitätenliste bleiben“, sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley. Besonderes Augenmerk lege der Konzern auf Wirkstoffe in der ersten und zweiten Phase der klinischen Entwicklung. Hier sei es wichtig, Merck gut auszustatten. Der Merck-Chef kündigte zudem an, im ersten Quartal 2013 Daten aus einer Phase-III-Studie zum Krebsmittel Stimuvax zu veröffentlichen. Neue Medikamente müssen vor einer Zulassung erst drei Phasen der klinischen Überprüfung am Menschen bestehen.
Anleger und Analysten zufrieden
Die Anleger zeigten sich über das Zahlenwerk zum dritten Quartal und die angehobene Prognose bei Merck sehr erfreut, so dass das im DAX gelistete Papier am Donnerstagmittag um rund 1 Prozent an Wert zulegen konnte. Damit setzt die Aktie die sehr gute Performance im bisherigen Jahresverlauf fort – seit Jahresbeginn kann das Papier auf einen Wertzuwachs von rund 25 Prozent zurückblicken.
Analyst Peter Spengler von der DZ Bank spricht von einem exzellent ausgefallenen Zahlenwerk für das dritte Quartal über den Erwartungen. Merck habe das untere Ende des Ausblicks angehoben, die Nachfrage nach Flüssigkristallen dürfte allerdings im vierten Quartal nachlassen. Ein Börsianer sieht die schlechter als erwartet ausgefallenen unbereinigten Ergebnisse als leichte Belastung an. Der erhöhte Ausblick helfe aber jedenfalls.
Die positive Überraschung im dritten Quartal sei der guten Entwicklung in der Sparte Performance Materials zu verdanken, schrieb Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank in seinem ersten Kommentar. Er wird sein Bewertungsmodell wohl etwas nach oben anpassen. Wendorff bewertet Merck-Aktien bisher mit „Hold“ und einem Kursziel von 88,00 Euro. Insgesamt positiv fiel auch die Reaktion von LBBW-Analyst Timo Kürschner aus. Er zielte in seinem Kommentar ebenfalls auf die bessere Entwicklung und den neuen Ausblick ab.
„Merck hat solide Zahlen vorgelegt, die die durchschnittlichen Marktschätzungen auf allen Ebenen leicht übertroffen haben“, kommentierte Analyst Martin Vögtli von Kepler. Speziell das Geschäft mit Flüssigkristallen habe zu der besseren operativen Performance beigetragen. Er rechne damit, dass die durchschnittlichen Schätzungen für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im laufenden Jahr leicht angehoben werden dürften. Die positive Kursreaktion hatte der Experte zwar erwartet, schränkte aber ein, dass die strukturellen Themen blieben und die Aktie weiter belasten könnten.
Positive Charttechnik
Aktuell scheint dieses aber seitens der Charttechnik nicht der Fall zu sein. Die wichtigsten Gleitenden Durchschnitte, wie auch das Momentum und die Bollinger Bänder zeigen einen positiven Aufwärtstrend der Aktie auf. Mit einem 2013er-KGV von 12,7 erscheint das Papier auch noch nicht überteuert zu sein.
Anleger, die eine Fortsetzung dieses Trends erwarten, könnten beispielsweise als Alternative zu einem Direktinvestment in die Aktie mit einem Wave XXL-Call der Deutschen Bank (WKN: DX1LJP) auf steigende Kurse des Merck-Papiers setzen. Der Hebel würde aktuell bei 3,69 und die Knock-Out-Schwelle bei 76,30 Euro liegen.
Text: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters
Bildmaterial: FAZ.net, Fazfinance.de
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