17. Mai 2012

Rohstoffe

Riskante Geschäfte

Von Tim Höfinghoff
21. Juni 2011 Wer in Waren wie Silber, Öl und Baumwolle investiert hat, konnte vergangenes Jahr üppige Renditen erzielen. Kein Wunder, dass viele Anleger in die Rohstoffmärkte drängen: Rohstoffe bleiben weiterhin als Geldanlage begehrt, selbst wenn es mit den Kursen zuletzt nach unten ging. Banken und Fondsanbieter bauen derweil ihr Angebot an Fonds und Zertifikaten auf Rohstoffe weiter aus.
Besonders Banken, Hedgefonds sowie führende Rohstoffhändler wie Glencore erzielen mit Rohstoffen hohe Gewinne. Sie agieren direkt an den Warenterminbörsen, handeln also mit Terminkontrakten.
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Möglich, aber ungeeignet

Doch können auch Privatanleger hierzulande eigenständig an den Terminmärkten auf Rohstoffpreise spekulieren? „Technisch ist das möglich“, sagt Frank Roth, der im Bereich Wealth Management Advisory der Commerzbank arbeitet. Auch bei der Deutschen Bank heißt es, dass der Kauf von Terminkontrakten am Rohstoffmarkt für Anleger realisiert werden könne. Für typische Privatanleger sei dies allerdings kaum geeignet. Denn viel Geld sei nötig und das Risiko extrem hoch.
Wollen Rohstoffanleger statt mit Zertifikaten direkt an einer Warenterminbörse mitmischen, müssen sie nicht nur über die Termingeschäftsfähigkeit verfügen. Außerdem erfordern diese Geschäfte eine Sicherheitsleistung (Margin). Wer zum Beispiel Terminkontrakte auf Öl haben will, muss eine solche Leistung hinterlegen.

Teure Sicherheiten

„Ein Ölkontrakt an der Börse in New York umfasst 1000 Barrel (je 159 Liter) Rohöl“, sagt LBBW-Rohstofffachmann Frank Schallenberger: „Bei einem Ölpreis von rund 90 Dollar hat ein Kontrakt ein Volumen von 90.000 Dollar.“ Als Sicherheitsleistung muss ein Anleger dafür in New York an der Börse derzeit knapp 8500 Dollar hinterlegen, rechnet der Analyst vor.
Der Silbermarkt ist noch teurer: Ein Kontrakt an der Börse CME in Chicago umfasst 5000 Unzen (31,1 Gramm) Silber. Bei einem Preis von rund 35 Dollar je Unze hat ein Kontrakt ein Volumen von 175.000 Dollar. „Die Höhe der Margin beträgt derzeit je Kontrakt 21.600 Dollar.“ Hinzu kommt: „Wenn eine Rohstoffbörse wie zuletzt in Amerika die Margin für Silber fünfmal innerhalb von zwei Wochen erhöht, steigt der Kapitalbedarf erheblich“, sagt Schallenberger. Anleger müssen aber nicht nur die Sicherheitsleistung, die Börsen einfordern, erbringen. Ebenso gibt es die Gebühren der Banken.

Keine physische Lieferung

Jeden Tag werden die Gewinne und Verluste des Rohstoffgeschäfts verrechnet. Hat sich der Anleger verspekuliert und läuft die Wette gegen ihn, muss er Kapital nachschießen. Das zeigt: Terminmarktgeschäfte sind sehr riskant. Es bieten sich hohe Gewinnchancen, doch Anleger gehen ein hohes Verlustrisiko ein - ohnehin schwanken die Kurse stark. Kein Wunder, dass Anbieter wie Commerzbank und Deutsche Bank mit Blick auf den Kauf von Rohstoff-Terminkontrakten nur auf einen kleinen Kreis von Kunden verweisen. Die Nachfrage in diesem Segment sei klein, heißt es. Die Kundschaft, die es trotzdem wage, sei sehr vermögend und führe die Geschäfte selbständig durch - etwa über ein Onlinekonto.
Die Commerzbank ermöglicht ohnehin nur den direkten Warenterminhandel für Öl, Gold und Silber - mit einer Einschränkung. „Es gibt auch keine physische Lieferung der Rohstoffe“, sagt Roth. Hintergrund ist, dass Terminkontrakte eine bestimmte Laufzeit haben. Läuft ein Kontrakt aus, wird der Rohstoff an den Terminkontraktbesitzer geliefert. Doch nur wenige Investoren haben ein Interesse daran, eine Tankerladung Öl oder eine große Menge Silber zu erhalten. „Wir bieten nur Cash-Settlement an“, sagt Roth von der Commerzbank, „die Positionen werden also über Geldzahlungen geschlossen.“
Weitere Nachteile gibt es: Viele nicht professionelle Anleger sind kaum in der Lage, ihre Handelspositionen ständig zu überwachen. Und ihnen fehlen wichtige Informationen. Einflussreiche Akteure wie Banken sind besser über Lagerbestände einzelner Rohstoffe informiert - dies ist für die Preisentwicklung von Metallen wichtig. Auch Glencore als weltgrößter Rohstoffhändler ist stets bestens informiert: Der Konzern handelt nicht nur die Waren, er besitzt sogar eigene Minen.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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