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Richtig riestern
Riesterfonds gegen Riesterversicherung
Von Dyrk Scherff
19. September 2011 Walter Riester ist schon lange nicht mehr Arbeitsminister. Aber sein Name ist weiter hochaktuell. Jedes Jahr wächst die Zahl der Riesterverträge um rund eine Million. 2011 könnten es insgesamt rund 15 Millionen werden. Damit hat diese über Zulagen und Steuerersparnis staatlich geförderte private Altersvorsorge schon jeden dritten Haushalt in Deutschland erreicht.
Zwei Drittel der Verträge sind Versicherungen, hinzu kommen 20 Prozent Riesterfonds. Banksparpläne und der 2008 eingeführte sogenannte Wohn-Riester machen nur einen sehr kleinen Anteil aus.
Geförderte Versicherungen bieten mehr
Der Spareifer über einen Riestervertrag lohnt sich. Bei Versicherungen gibt es keinen Grund, auf ungeförderte Policen auszuweichen. Sie werfen weniger ab als die geförderten. „Mit Förderung steigt die jährliche Rendite um mindestens einen Prozentpunkt im Jahr bei sonst identischem Vertrag“, sagt Martin Zsohar vom Analysehaus Morgen & Morgen.
Bei Riesterfonds hängt es von der Aktienmarktentwicklung ab, ob sie sich im Vergleich zu ungeförderten Fonds lohnen. Man weiß es also erst hinterher. Denn Riesterfonds müssen wie alle Riesterverträge gesetzlich die eingezahlten Beiträge garantieren. Diese Garantie kostet etwas Rendite, kann aber bei größeren Kursverlusten segensreich sein. Positiv ist bei Riesterfonds natürlich der Steuervorteil, während die Kosten die gleichen wie bei den meisten ungeförderten Fonds sind.
Riesterfonds teuer als Indexfonds
Im Vergleich zu Indexfonds sind Riesterfonds allerdings tatsächlich teurer. Riesterfonds kosten rund zwei Prozent im Jahr, Indexfonds unter 0,5 Prozent. Sie bilden Aktienindizes wie den Dax 1:1 ab. Es gibt aber keinen Mechanismus, der vor Kurseinbrüchen wie derzeit schützt. Riesterfonds legen hingegen in solchen Zeiten nicht alle Beiträge in Aktien an.
Von Nachteil ist aber, dass Sparer nicht viel Auswahl haben. In Deutschland bieten nur die DWS, die Union Investment und die Deka Riesterfonds an. Für andere Gesellschaften ist der Kuchen zu klein, um den Aufwand zu rechtfertigen. Das heißt für die Kunden, sie sind an die Fonds der drei Gesellschaften gebunden. Die legen weltweit an und wirtschaften ganz ordentlich, aber sie sind nicht die besten ihrer Klasse. Der Steuervorteil kann diesen Nachteil aber kompensieren.
Fonds bieten die höchsten Renditechancen
Riestern ist also oft attraktiv, aber was ist besser: die Riesterversicherung oder der Riesterfonds? Oder Banksparpläne? Die Antworten hängen davon ab, wie viel Risiko die Sparer eingehen wollen. Die Fonds bergen das höchste Risiko, denn sie legen zu einem großen Teil in Aktien an. Auf lange Sicht bieten sie aber auch die höchste Rendite. Größere Kurseinbrüche wie derzeit fallen dann nicht mehr so stark ins Gewicht, weil sie von den dazwischenliegenden Aufschwungphasen mehr als ausgeglichen werden. Riesterfonds sind also ein gutes Vorsorgeinstrument für junge Sparer. In der langen Spardauer bis zum Rentenbeginn können Aktien ihre Vorteile ausspielen und die Risiken minimieren. Sie sind dann gar nicht mehr so unsicher wie kurzfristig.
Nun gibt es aber Anleger, die ihre Altersvorsorge ganz sicher anlegen wollen und um Aktien einen Bogen machen. Sie setzen auf Riesterbanksparpläne oder -versicherungen. Banksparpläne zahlen einen Zins, der sich an einem Referenzzins orientiert. Oft ist das die Umlaufrendite, also der Durchschnitt der Zinsen für die gängigen Laufzeiten. Davon ziehen die Banken noch eine Gebühr von im Schnitt 0,5 Prozentpunkte ab. Derzeit bekämen Sparer also weniger als zwei Prozent plus Staatsförderung.
Für einen Riesterbanksparplan fallen in der Regel weder Abschlusskosten noch Verwaltungskosten wie bei Versicherungen an, sondern höchstens geringe Kontogebühren. Daher ergibt sich vor allem bei kurzen Laufzeiten von zehn bis 15 Jahren trotz schlechterer Verzinsung ein Vorteil gegenüber der teuren, aber meist besser verzinsten Riesterversicherung.
Teurere Versicherungen
Versicherungen sind geeignet für die Sparer, die kein Aktienrisiko eingehen wollen und daher auf Riesterfonds verzichten. Denn sie legen in erstklassigen Staatsanleihen, Firmenbonds, aber auch Immobilien und nur zu einem ganz kleinen Teil in Aktien an. Versicherungen vermeiden die magere Verzinsung von Banksparplänen und bieten immerhin Nachsteuerrenditen auf die eingezahlten Beiträge von vier und mehr Prozent.
Sie rechnen dabei mit einer etwa sieben Jahre längeren Lebenserwartung als das Statistische Bundesamt, weil die Versicherten etwas länger leben als der Bundesdurchschnitt und die steigende Lebenserwartung eingepreist wird. Sieben Jahre Unterschied macht bei einem heute 30jährigen rund 0,5 Prozentpunkte weniger Rendite im Jahr aus - unter Berücksichtigung der Riesterförderung. Und nach Kosten, die bei einer Versicherung vergleichsweise hoch sind. Direktversicherer wie Cosmos Direkt oder Hanse Merkur 24 können die Kosten aber deutlich drücken.
Versicherungen bieten auch den Vorteil, dass sie eine Mindestverzinsung von derzeit 2,25 Prozent garantieren müssen. Damit können Sparer also auf jeden Fall im Ruhestand rechnen. Tatsächlich wird es aber mit den von der Versicherung erzielten Überschüssen mehr werden. Die anderen Riestervarianten müssen nur die eingezahlten Beiträge garantieren.
Fondsgebunden Versicherungen bringen nichts
Versicherungen bieten allerdings auch fondsgebundene Policen an. Die investieren auch stark in Aktienfonds. Davon sollten Anleger die Finger lassen. Die Gebühren sind höher als bei Riesterfonds, und mehr Rendite bieten sie selten. Sicherer sind sie aber auch nicht.
Bei Versicherungen gibt es die größte Auswahl an Anbietern. Das versicherungsunabhängige Institut für Vorsorge und Finanzplanung hat in einer großen Analyse unter 42 Tarifen die besten Anbieter für klassische Riesterversicherungen, also nicht fondsgebunden, herausgefiltert. Für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat es die Ergebnisse für einige wichtige der 80 geprüften Kennzahlen veröffentlicht. Das erleichtert die Versicherungssuche.
Zudem hat das Institut für diese Zeitung anhand von Musterfällen errechnet, für wen sich eine Riesterversicherung besonders lohnt, wie stark der Effekt der staatlichen Förderung ist und wie viel Euro aus der Police im Alter zu erwarten sind. Danach sind die Riesterversicherungen für Frauen grundsätzlich attraktiver, da sie länger leben, aber nicht mehr Beitrag zahlen als Männer. Hohe Renditen erzielen Frauen mit durchschnittlichem Einkommen und Familien mit hohem Einkommen.
Text: F.A.S.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2012.
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