19. Mai 2013

Private Altersvorsorge

Rente, aber richtig!

Von Anne-Christin Sievers
03. November 2012 Die staatliche Rente allein reicht im Alter nicht aus, das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Viele Menschen schließen deshalb zusätzlich eine private Rentenversicherung ab. Geht man in Ruhestand, zahlt sie jeden Monat ein garantiertes Einkommen, solange man lebt. Es gibt aber noch einen zweiten, weniger bekannten Weg: Die Sparer können sich ihr ganzes Vermögen aus der privaten Rentenversicherung auch auf einen Schlag auszahlen lassen.
Was besser ist, die monatliche Rente oder eine Einmalzahlung, ist gar nicht so leicht zu entscheiden. Denn es hängt von einer Frage ab, die wohl niemand beantworten kann: Wie lange werden wir leben? Menschen, die eine private Altersvorsorge abgeschlossen haben, stehen also vor einem Dilemma: Entweder sie lassen sich alles auf einen Schlag auszahlen - dann riskieren sie, dass sie mit 88 Jahren zwar noch putzmunter sind, ihr Erspartes aber schon aufgebraucht ist.
  Mehr zum Thema
Artikel
Tools

Sicherheit hat einen hohen Preis

Oder sie lassen sich die Rente monatlich auszahlen. Dann können sie zwar sicher sein, dass alle vier Wochen bis zu ihrem Tod die gleiche Geldsumme auf ihrem Konto landet - egal wie alt sie werden. Aber für diese Sicherheit zahlen die Rentner einen hohen Preis. Denn die Versicherer kalkulieren mit sehr hohen Lebenserwartungen - das drückt die monatliche Auszahlung. Kritiker sagen sogar: So alt könne man gar nicht werden, dass sich die monatliche Rente lohne. Stirbt der Rentner früh, ist das Vermögen für die Erben außerdem futsch.
Trotz solcher Nachteile war in der Forschung bislang aber unumstritten: Wer rational handelt, muss die lebenslange Rente wählen. Denn nur so können sich Menschen gegen das Risiko absichern, dass sie länger leben, als ihr Geld reicht. Wie aber verhalten sich die Sparer nun in der Praxis? Das erforscht Martin Weber, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim.

Gute Gründe für die Einmalzahlung

Exklusiv für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Faz.net hat er gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Philipp Schreiber einen Fragebogen entwickelt, um herauszufinden, was den Versicherten wirklich lieber ist. Rund 2370 Leser dieser Zeitung nahmen im Internet an der Umfrage teil. Das Ergebnis: 42 Prozent der Teilnehmer wollen die Einmalzahlung und nur 58 Prozent die monatliche Rente.
Heißt das, fast die Hälfte unserer Leser handelt unvernünftig? Nicht unbedingt, meint Weber. Denn schaut man sich die Daten genau an, gibt es für einige gute Gründe, die Einmalzahlung zu bevorzugen. So lassen sich Teilnehmer, die sich in Finanzthemen gut auskennen, lieber das ganze Vermögen auf einmal auszahlen. Das ist rational, denn wahrscheinlich können sie das Geld selbst gewinnbringender anlegen, als es die Rentenversicherung für sie tun würde. Eltern von zwei Kindern entscheiden sich ebenfalls öfter für den ganzen Batzen als kinderlose Paare.
Auch das lässt sich nachvollziehbar erklären: Denn wollen sie ihren Kindern ihr Vermögen vermachen, falls sie früh sterben, müssen sie die Einmalzahlung wählen. Außerdem können ihre Kinder sie im Alter finanziell unterstützen, falls das Geld wirklich aufgebraucht sein sollte.

Sich selbst auf die Schliche kommen

Vieles machen wir entlang unserer Präferenzen also durchaus richtig. Es gibt aber auch Fallstricke: Wer gerne Risiken eingeht, der möchte lieber alles auf einmal haben.
Das heißt aber nicht, dass es für ihn die richtige Entscheidung ist: Denn möglicherweise überschätzt er seine Fähigkeiten bei der Geldanlage. Glaubt jemand, dass er nicht lange lebt, möchte er ebenfalls die Einmalzahlung.
Was aber, wenn er sich irrt? Besonders ein Ergebnis hat die Mannheimer Forscher überrascht: Fast 68 Prozent der Teilnehmer bis zum Alter von 30 Jahren wollen lieber die Rente, Befragte kurz vor dem Ruhestand favorisieren aber zu 56 Prozent den großen Geldbetrag - und das, obwohl alle anderen Effekte schon herausgerechnet sind.
Weber erklärt das folgendermaßen: Für den Dreißigjährigen liegt der Ruhestand noch so weit in der Zukunft, dass er die langfristigen Vorteile der Rente stärker im Blick hat. Wer kurz vor der Rente steht, sieht nur gierig den großen Batzen und will ihn lieber sofort als später. Um sich selbst auf die Schliche zu kommen, hat Weber einen Trick parat: „Fragen Sie sich: Würden Sie heute mit 65 Jahren auch die Einmalzahlung nehmen, wenn Sie sie nicht sofort, sondern erst in fünf Jahren bekommen?“ Lautet die Antwort nein, sollte der Versicherte noch einmal darüber nachdenken, ob die Entscheidung für die Einmalzahlung wirklich die beste für ihn ist.

Wer wenig andere Einkünfte erwartet, sollte die Monatsrente wählen

“Wer sicherheitsorientiert ist, sein angespartes Vermögen aufbrauchen will, sich nicht viel kümmern möchte und wenig andere laufende Renteneinkünfte erwartet, der sollte sich für die monatliche Rente entscheiden“, rät Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum in Frankfurt. Alle anderen sollten die Einmalzahlung in Betracht ziehen. Hier kann der Versicherte flexibler entscheiden, wie viel Geld er jeden Monat aufbrauchen will, und er kann sein Vermögen selbst anlegen.
Wer sich für die Einmalzahlung entscheidet, kann einen Auszahlplan abschließen: Er kann sich dann einen Teil seines verzinsten Kapitals in Monatsraten überweisen lassen und die übrige Summe anlegen. Wer schon im Ruhestand ist, hat später zudem noch die Möglichkeit, sein Vermögen in lebenslang gezahlte monatliche Renten umzuwandeln - mit der sogenannten „Sofortrente gegen Einmalzahlung“. Dann fallen allerdings abermals hohe Gebühren an.

Recht auf Einmalzahlung einräumen lassen

Ob sich die einmalige Auszahlung oder die Monatsrente lohnt, hängt auch davon ab, wie sich die Zinsen in den nächsten Jahrzehnten entwickeln. Versicherungen legen das Geld ihrer Kunden in festverzinslichen Papieren an. Überschüsse können die Versicherer in Zukunft nur zahlen, wenn die Zinsen wieder steigen. Bleiben sie langfristig so niedrig wie im Moment, müssen die Rentner mit immer geringeren Auszahlungen rechnen. Auch wenn die Inflation steigt, haben Versicherte mit monatlicher Rente das Nachsehen, weil die Teuerung ihr Vermögen schmälert.
Generell gilt: Rentenversicherungen sind teuer und nicht sehr flexibel. Ist der Vertrag erst einmal abgeschlossen, wird es schwer und teuer, wieder herauszukommen. Huber rät deshalb, bei der Wahl genau hinzuschauen und eine wichtige Absicherung in jedem Fall einzubauen: „Wer eine Rentenversicherung abschließt, sollte sich auf jeden Fall das Recht auf die Einmalzahlung einräumen lassen.“


Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z., Rüchel, Dieter

Quicklinks
Spezialsuche:
Dax
F.A.Z.
Tec
Dow
Nas
17.05.2013 17:45 Uhr
Dax 8.398,00
+0,34 %
Dax
Tec
Dow
Nas
17.05.2013 17:35 Uhr
Tops & Flops Kurs in %
Lanxess 57,21 € +6,64%
COMMERZBANK AG 7,81 € +4,09%
Daimler 49,00 € +3,85%
Volkswagen Vz 168,40 € +3,73%
Continental 100,30 € +3,04%
Lufthansa 15,51 € −1,43%
Beiersdorf 70,54 € −1,51%
HeidelbergCement 59,57 € −1,60%
FMC 51,80 € −2,21%
Dt. Telekom 9,21 € −8,30%
17.05.2013 23:59 Uhr
Name Kurs in %
DAX 8.398,00 +0,34%
FAZ-INDEX 1.758,97 −0,08%
TecDAX 967,46 −0,30%
MDAX 14.070,60 +0,14%
SDAX 5.976,29 +0,24%
REX 445,88 +0,32%
Eurostoxx 50 2.817,99 +0,40%
F.A.Z. EURO 93,04 € +0,37%
Dow Jones 15.354,40 +0,80%
Nasdaq 100 3.028,96 +0,99%
S&P500 1.666,12 +0,95%
Nikkei225 15.138,10 +0,67%
EUR/USD 1,2839 −0,35%
Rohöl Brent Crude 104,72 $ +0,85%
Gold 1.376,75 $ −0,02%
Bund Future 145,14 € −0,04%
Highlights
EUR/USD
EUR/GBP
EUR/JPY
EUR/CHF
17.05.2013 23:59 Uhr
 
        Vortag
1,2839
−0,35 %
17.05.2013 Uhr
Name Kurs in %
Gold 1.376,75 $ −0,02%
Silber 22,52 $ +1,17%
Platin 1.472,00 $ +0,14%
Palladium 736,00 $ +2,22%
Rohöl Brent Crude 104,72 $ +0,85%
Gas 0,65 £ −0,17%
Kaffee 1,38 $ +0,25%
Zucker 0,17 $ +0,65%
Orangensaft 1,43 $ −3,06%
AMEX GOLD BUGS 601,37 --%
AMEX OIL 1.151,96 --%
Rogers International 24,14 +0,50%
Deutschland
Europa
17.05.2013 17:59 Uhr
Name Kurs in %
FAZ-INDEX 1.758,97 −0,08%
F.A.Z. BANKEN EUR 622,48 € +2,93%
F.A.Z. VERSICHERU... 21.467,40 € +0,03%
F.A.Z. IT + ELEKT... 4.141,12 € −0,21%
F.A.Z. BAU + IMMO... 3.451,83 € −0,65%
F.A.Z. CHEMIE + P... 2.548,90 € −0,42%
F.A.Z. VERS. + TE... 845,22 € −3,46%
F.A.Z. AUTO + ZUL... 3.403,09 € +2,58%
F.A.Z. MASCHINENB... 573,92 € +0,02%
F.A.Z. GRUNDSTOFF... 951,84 € −1,41%
F.A.Z. HANDEL + V... 1.262,94 € −0,07%
F.A.Z. KONSUMG. +... 1.296,48 € −1,03%
F.A.Z. ERNEUERB. ... 251,91 € −1,85%
3 Monate
1 Jahr
5 Jahre
17.05.2013 11:44 Uhr
 
        Vortag
REXP 438,89
+1,59 %

Sie haben Fragen zu FAZfinance.NET?

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001-2013

Quellen: TeleTrader Software AG, FWW GmbH, Morningstar Deutschland GmbH und weitere. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt. Realtime-Index-Daten in Zusammenarbeit mit der Boerse Stuttgart - Powered by Structured Solutions

 
© 2013 Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind für Morningstar und/oder ihre Inhalte-Anbieter urheberrechtlich geschützt; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht garantiert. Weder Morningstar noch deren Inhalte-Anbieter sind verantwortlich für etwaige Schäden oder Verluste, die aus der Verwendung dieser Informationen entstehen. Die Wertentwicklungen in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.