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03. September 2010

Sanofi-Aventis

„Neue Diabetes-Division stärkt Standort Höchst“

Von Thorsten Winter

12. März 2010 Aus Höchst stammt das umsatzstärkste Medikament von Sanofi-Aventis. Gut drei Milliarden Euro hat der französische Konzern mit dem Langzeitinsulin 2009 umgesetzt. Hinzu kommen die 137 Millionen Euro, die das auch in Höchst entwickelte kurzwirksame Insulin Apidra eingespielt hat, und Erlöse mit weiteren Frankfurter Produkten. „Frankfurt ist das Herz unseres Diabetes-Geschäfts und der mit Abstand größte Standort seiner Art weltweit“, sagt Hanspeter Spek, zweiter Mann bei Sanofi-Aventis hinter Konzernchef Chris Viehbacher. Gleichwohl hat in der Vergangenheit nicht Frankfurt, sondern die Pariser Zentrale die wegweisenden Beschlüsse zum Insulin-Geschäft gefasst. Doch das ändert sich nun ein gutes Stück.

Denn die neue Diabetes-Division von Sanofi-Aventis im Industriepark Höchst wird das weitweite Geschäft rund um Arzneien für Zuckerkranke steuern und auch strategische Entscheidungen selbst treffen. Dies wiederum stärkt die deutsche Landesgesellschaft des Konzerns und den Standort Frankfurt „eindeutig“, wie Deutschland-Chef Martin Siewert im Gespräch mit dieser Zeitung hervorhebt. Baut die Neuerung doch auf dem Diabetes-Kompetenzzentrum auf dem ehemaligen Hoechst-Stammgelande auf. Die von Pierre Chancel geleitete Division umfasst die Forschung und Entwicklung ebenso wie Marketing und Vertrieb, Produktion und Fertigung. Sie soll, ebenso wie die auf zwei Standorte in Frankreich und den Vereinigten Staaten aufgeteilte Onkologie-Division, das jeweilige „Portfolio forcieren“, wie Siewert es formuliert – also für neue Produkte sorgen.

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Vor „Patent-Klippe“

Innovationen sind nötig, sieht der Konzern doch wie so mancher Konkurrent einer „Patent-Klippe“ entgegen: 2013/14 wird eine Reihe patentgeschützter Mittel aus dem Patent laufen. Sanofi-Aventis prognostiziert in der Folge einen Umsatzeinbruch von gut einem Fünftel. Um gegenzusteuern, verstärkt das Unternehmen nicht nur seinen Einsatz auf dem Gebiet der Impfstoffe, die Viehbacher als sein bevorzugtes Geschäftsfeld preist, und bei Nachahmerarzneien. Es baut zudem seine Forschung um, will mehr mit kleinen Biotech-Firmen kooperieren, Unternehmen erwerben oder Wirkstoffe einlizensieren. „Wir haben zu lange verkannt, dass Innovation auch woanders stattfindet“, sagt Siewert.

Auch will Sanofi-Aventis nach seinen Worten den Patienten und auch sein Angebot fortan ganzheitlicher sehen als bisher: „Ein Diabetiker etwa hat mehr Bedürfnisse, als ein Medikament abdecken kann.“ Den Einstieg in das erweiterte Geschäft hat das Unternehmen schon mit seinen Insulin-Pens geschafft, mit denen sich Zuckerkranke ihre Mittel spritzen. Die Pens laufen in Höchst millionenfach vom Band und werden in alle Welt verschickt. Und Siewert macht kein Hehl aus der Absicht, das Angebot um weitere Dienste und Medizingeräte für Diabetiker ausbauen zu wollen. „Wir werden mehr machen als derzeit“, kündigt Siewert an. In Frage kommen könnten grundsätzlich etwa Geräte, mit denen der Blutzuckerspiegel gemessen werden kann. Ob Sanofi-Aventis in diese Richtung denkt und in Konkurrenz zu Medizintechnikanbietern treten wird, lässt Siewert indes offen.

Neue Insuline in der Pipeline

Aber auch auf dem Kerngebiet, der Entwicklung neuer Insuline, kommt Sanofi-Aventis voran: Ein neues Mittel, das noch länger wirken soll als Lantus, ist gerade in die erste Phase der klinischen Forschung eingetreten; es wird als „Long-Lantus“ bezeichnet, woraus sich die im Konzern gebrauchte Kurzform „Lola“ ableitet. Wann das Mittel auf den Markt gebracht werden könnte, mag Siewert nicht mutmaßen. Schon in der entscheidenen Phase III befindet sich ein Mittel, das einer neuen Klasse zur Regulierung des Blutzuckerspiegels angehört und für Patienten gedacht ist, die an Altersdiabetes leiden. Vor diesem Hintergrund rüstet das Unternehmen die im vergangenen Jahr vom Konkurrenten Pfizer zurückgekaufte Anlage, in der zuvor ein am Markt gescheitertes inhalierbares Insulin hergestellt wurde, so um, „dass sie Insuline kann“, so Siewert, ohne in die Einzelheiten zu gehen.

Einen Personalaufbau wird das aber zumindest dieses Jahr nicht nach sich ziehen. Der Umorganisation der Forschung fällt ein Zehntel der 1750 Forscherstellen an dem rund 8500 Mitarbeiter starken Standort zum Opfer. Produktivitätssteigerungen werden es nach Worten des Deutschlandchefs erlauben, künftig größere Mengen ohne höheren Personaleinsatz zu stemmen. So seien die Kosten der Pen-Fertigung kaum höher als in Russland und China. Das solle auch in fünf Jahren so sein. „Ich bin nicht bereit, künstliche Arbeitsplätze anzubieten, die weder unseren Mitarbeitern noch dem Unternehmen helfen würden“, verteidigt Siewert den Beschluss, zuletzt nur gut eine Handvoll der 116 Lehrlinge zu übernehmen. Wie viele im Sommer eine längere Perspektive im Unternehmen erhalten werden, soll im April klar sein.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Agata Skowronek

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