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Siemens-Chef Peter Löscher
„Mir behagt die Rolle als Anführer“
Herr Löscher, wie stürmisch wird das Jahr 2013?
29. Dezember 2012 2013 werden wir sicher Gegenwind haben. Ich erwarte abflauendes Wachstum und in der Eurozone eine leichte Rezession, aber kein weltweites Krisenszenario.Kein Absturz wie 2008 nach der Pleite der Lehman-Bank?
Nein, eher die eine oder andere positive Überraschung: Vorausgesetzt, die Vereinigten Staaten kommen ohne Verwerfungen über die Fiskalklippe, gibt es dort immer Potential. Und China ist beim Wachstum eine Acht vor dem Komma zuzutrauen.Siemens hat seine Flagge in praktisch jedem Land der Erde, wie wichtig ist da die Wahl in Deutschland 2013?
Ich kann nur sagen: Wie die Bundeskanzlerin in der Krise führt, findet meinen höchsten Respekt, ist gut für das Land und weit über Deutschland hinaus anerkannt.Sie würden Frau Merkel am liebsten behalten?
Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen.Mit Peer Steinbrück liefe es weniger harmonisch?
Sie bringen mich nicht dazu, Wahlempfehlungen über die Zeitung abzugeben. Auch mit Herrn Steinbrück haben wir in Zeiten der großen Koalition gut zusammengearbeitet. Was die damalige Regierung in der Krise 2008/2009 getan hat, war gut und richtig, vor allem die schnelle Umsetzung der Kurzarbeitsregelung nach dem runden Tisch im Dezember 2008: Dafür bekommt Deutschland Anerkennung in der ganzen Welt.Amerikas Industrie verbessert ihre Position dank billigem Gas dramatisch. Schreckt Sie das?
Nein, warum sollte es? Darin liegt für Siemens eine große Chance. Die Energiewende Amerikas basiert auf Gas, und dafür ist Siemens exzellent aufgestellt. Denn wir bauen die effizientesten Gasturbinen der Welt, und das nicht nur in Berlin, sondern auch in unserem modernsten Werk in North Carolina. Außerdem begünstigen niedrige Strompreise in Amerika auch die Reindustrialisierung des Landes, und das bedeutet auf mittlere Frist Rückenwind für unser dortiges Industriegeschäft.Für andere Branchen in Deutschland, allen voran die Chemieindustrie, bringt es erst mal billigere Konkurrenz.
In Amerika belaufen sich die Energiekosten gegenwärtig auf etwa 25 Prozent im Vergleich zu Europa - das ist also ein völlig anderes Niveau. Ich hätte nie gedacht, dass dort ältere Anlagen wieder hochgefahren werden und sich dort auch Basis-Chemie wieder rechnet. Darauf müssen wir uns in Deutschland und in ganz Europa einstellen.Wie? Indem wir die Energiewende hierzulande abblasen?
Nein, aber wir müssen die Stromversorgung kosteneffizient umbauen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und der industriellen Arbeitsplätze in Deutschland im Blick haben.Was heißt das konkret?
Dass wir von der Kernkraft nicht direkt und komplett zu den erneuerbaren Energien umsteigen können: Wir brauchen Zwischentechnologien, die effizient und verfügbar sind - wie moderne Gaskraftwerke. Und wir brauchen Rahmenbedingungen, die Investitionen in diese Technologien wirtschaftlich hinreichend attraktiv machen.Am besten von Siemens, schon klar. Von Sonne und Wind ist nicht mehr viel zu hören aus Ihrem angeblich so grünen Konzern.
Am überzeugendsten sollten Fakten sein: Siemens ist heute so grün wie nie zuvor. Als ich vor fünf Jahren hier angefangen habe, trug das Umweltportfolio 17 Milliarden Euro zum Umsatz bei - heute sind es 33 Milliarden Euro. Damals waren es rund 25 Prozent vom Siemens-Umsatz heute 42 Prozent. Der Großteil unseres grünen Angebots umfasst Produkte zur Steigerung der Energieeffizienz - da geht es um sehr viel mehr als um erneuerbare Energien. Und zum Windgeschäft: Das ist seit unserem Einstieg 2004 mit durchschnittlichen Jahresraten von 50 Prozent gewachsen.Aus dem Solargeschäft haben Sie sich gerade verabschiedet - mit großem Verlust.
Solar war ein klitzekleiner Teil unseres grünen Portfolios, deutlich unter 1 Prozent!War die Solar-Episode Ihr größter Fehler als Siemens-Chef?
Was heißt Fehler? Es ist immer eine unternehmerische Entscheidung, ob Sie in eine neue Technologie gehen oder nicht. In dem Fall haben sich die Rahmenbedingungen komplett geändert. Darauf mussten wir reagieren. In der Windtechnologie dagegen haben wir genau den richtigen Zeitpunkt erwischt: Da haben wir 2004 eine dänische Firma mit 300 Millionen Euro Umsatz gekauft, jetzt machen wir damit fünf Milliarden Euro - eine tolle Erfolgsgeschichte.Wäre da nur nicht die Blamage mit den Windrädern in der Nordsee, die Siemens nicht pünktlich ans Netz bringt.
Dazu ist alles gesagt: Die Probleme sind erkannt und werden derzeit gelöst. Und damit sind wir für diesen Wachstumsmarkt richtig aufgestellt.Noch so ein unerfreuliches Großprojekt: Die Bahn ärgert sich, dass Sie die bestellten ICE-Züge nicht liefern.
Den Ärger verstehe ich.Verstehen Sie auch, dass Sie von Bahn und Bundesverkehrsminister persönlich dafür angegangen wurden: Löscher hat sein Wort gebrochen, hieß es.
Das war in der Tat ungewöhnlich. Und geht völlig an der Sache vorbei.Sie persönlich haben gar keine konkreten Zusagen gemacht?
Selbstverständlich stelle ich mich als Konzernchef hinter die Aussagen der Projektverantwortlichen bei uns. Aber das Sachthema, was Bahn und Hersteller gleichermaßen beschäftigt, ist doch ein ganz anderes: Bahn-Chef Grube spricht ja selbst von den komplizierten Zulassungsverfahren für Züge in Deutschland. Für Auto und Flugzeug gelten viel einfachere Verfahren. Hier liegt eine entscheidende Ursache für Unsicherheiten und Verzögerungen.Trotzdem werden Sie dafür geprügelt, dass Siemens die Zugfahrer im Stich lässt, wie die Bahn sagt.
Wir lassen niemanden im Stich! Unseren Kunden Deutsche Bahn nicht und auch nicht deren Fahrgäste. Wir haben der Bahn ein umfangreiches Winterpaket angeboten. 100 Service-Techniker stehen jederzeit bereit, um Probleme der ICE-Flotte jederzeit beheben zu können.Herr Löscher, Sie standen 2012 im Feuer wie nie. Was haben Sie sich für 2013 vorgenommen?
Was wir alle uns bei Siemens vornehmen: den erfolgreichen Kurs fortführen, und dies ganz unaufgeregt und konsequent. Ich bin stolz darauf, dass wir in den fünf Jahren, die ich hier bin, die Leistungsstärke des Konzerns massiv verbessert haben - dafür danke ich allen, die daran Anteil haben, ganz besonders natürlich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.Zur Kontinuität gehört auch, dass Gerhard Cromme für weitere fünf Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender antritt, ungeachtet der jüngsten Kritik an seiner Person?
Die Geschlossenheit zwischen Vorstandsvorsitzendem und Aufsichtsratsvorsitzendem war in den vergangenen fünf Jahren ein Garant für den Erfolg von Siemens und wird es bleiben.Und was sagen Sie Leuten, die Ihnen vorwerfen: Siemens macht große Versprechen, aber liefert nicht?
Da kann ich nur sagen: Schaut auf die Zahlen, schaut auf die Fakten. In den vergangenen fünf Jahren haben wir das Nettoergebnis pro Aktie um durchschnittlich 57 Prozent gesteigert. Siemens ist während der Finanzkrise dreimal so stark gewachsen wie die Weltwirtschaft insgesamt. Die Dividende ist um 88 Prozent gestiegen, der Aktienkurs hat sich seit meinem Amtsantritt besser entwickelt als bei der Konkurrenz: ob Sie ABB, Philips oder GE zum Vergleich nehmen.Sie selbst haben eingeräumt, dass Sie mit der Rendite 2012 nicht zufrieden waren . . .
. . . genau so war es. Ich hätte mich auch hinsetzen und sagen können: Wir haben den zweitgrößten Gewinn in der Siemens-Geschichte, alles ist gut. Aber das wollte ich nicht. Der Wettstreit mit anderen ist wichtig: Wir gehören zur Weltspitze.Der Siemens-Chef ist traditionell ein Anführer der deutschen Industrie: Wie sehr fremdeln Sie mit dieser Rolle?
Ganz und gar nicht. Mir behagt die Rolle.Davon ist wenig zu sehen. Talk-Shows müssen ohne Sie auskommen.
Da bin ich auch nicht erforderlich. Lautstärke und Schrillheit verraten nichts über wirkliche Relevanz. Ich bringe mich dort ein, wo ich für die deutsche Industrie einen guten Beitrag leisten kann: als Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses, als Vizepräsident des Round Table der europäischen Industrie und als Sprecher der europäisch-russischen Beziehungen.Ihnen wird bisweilen vorgehalten, Sie seien unnahbar: Von Heinrich von Pierer gibt es Fotos im Tennis-Dress, Sie schirmen Ihr Privatleben völlig ab. Haben Sie vor, das zu ändern?
Nein. Sie werden mich auch künftig nicht auf Partys in München oder sonst irgendwo erleben. Privat bleibt privat. Ich bin ein Familienmensch. Das ist mir heilig. Das hat aber nichts mit unnahbar zu tun. Der Herr Löscher ist ein ganz normaler Bürger und Familienvater, und er hat einen Beruf, den er gerne und mit vollem Engagement ausübt.Gilt der Satz noch, dass Sie eines Tages als Siemens-Chef in den Ruhestand treten wollen?
Das gilt mehr denn je: Ich bin so fit wie lange nicht. Und Freude macht’s wie am ersten Tag.
Das Gespräch führte Georg Meck.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: Müller, Andreas
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013.
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20.05.2013 17:35 Uhr
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| HeidelbergCement | 59,30 € | −0,45% |
| BASF SE NA O.N. | 73,94 € | −0,65% |
| Fresenius | 95,80 € | −0,72% |
| Munich Re | 148,10 € | −0,74% |
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20.05.2013 19:29 Uhr
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| Bund Future | 144,82 € | −0,22% |
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| Gold | 1.376,75 $ | −0,02% |
| Silber | 22,52 $ | +1,17% |
| Platin | 1.472,00 $ | +0,14% |
| Palladium | 736,00 $ | +2,22% |
| Rohöl Brent Crude | 105,07 $ | +0,45% |
| Gas | 0,66 £ | +1,85% |
| Kaffee | 1,38 $ | +0,25% |
| Zucker | 0,17 $ | +0,65% |
| Orangensaft | 1,43 $ | −3,06% |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | --% |
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| Rogers International | 24,14 | +0,50% |
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20.05.2013 17:59 Uhr
| Name | Kurs | in % |
| FAZ-INDEX | 1.772,35 | +0,76% |
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