20. Mai 2013

Immer weniger Rendite

Lohnen sich Lebensversicherungen noch?

Von Nadine Oberhuber
02. Februar 2013 Wenn Kunden eines verstanden haben, dann das: Der Lebensversicherung geht es schlecht. Doch wie schlimm ist es tatsächlich, und wie lukrativ sind Lebens- und Rentenversicherungsverträge für die Sparer noch?
Tatsächlich darf man so seine Zweifel hegen, welche Rendite die Policen in Zukunft abwerfen werden. Denn die Erträge, die Versicherer am Kapitalmarkt erzielen, sind in den vergangenen Jahren geschrumpft. Immerhin verdient die Branche aber noch rund 4,5 Milliarden Euro mit der Geldanlage. Und auch wenn das Finanzministerium zuletzt laut vor möglichen Schieflagen einzelner Anbieter im Sektor warnte: Der weit überwiegende Teil der Unternehmen steht stabil da, sagen neueste Studien. Trotzdem sinkt die Verzinsung der Verträge immer mehr - und das schon seit Jahren.
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Kunden bekommen knapp 20 Prozent weniger als vor zehn Jahren

Noch im Jahr 2000 lag die laufende Überschussbeteiligung im Schnitt über 7 Prozent, heute ist es nur noch knapp die Hälfte. Mehr als 3,6 Prozent sind im Branchenschnitt nicht mehr drin. Und das macht ganz schön was aus: Bekam ein Kunde vor zehn Jahren bei 100 Euro Einzahlung im Monat nach 30 Jahren Sparzeit noch 103.200 Euro ausgezahlt, so sind es heute nur noch 83.900 Euro, also knapp 20 Prozent weniger.
Kommuniziert wird von der Branche aber gern eine andere Zahl: Inklusive aller übrigen Gewinnanteile verzinsen die Versicherer Verträge derzeit im Schnitt mit 4,60 Prozent. Das klingt in Zeiten des Niedrigzinses gar nicht mal so schlecht, aber: Das bezieht sich nur auf den Sparanteil. Also auf den Betrag, der nach Abzug aller Kosten auf dem Versichertenkonto landet. Bei Lebens- und Rentenpolicen sind das rund 80 je 100 Euro. Berechnet man die Rendite auf alle eingezahlten Beiträge, kommen bei einem 25 Jahre laufenden Vertrag magere 0,86 Prozent Rendite heraus. „Bei kürzerer Laufzeit sind auch negative Renditen möglich“, sagt die Ratingagentur Assekurata. Zieht man noch die Inflation ab, ergibt sich derzeit nicht einmal ein Kapitalerhalt. Das Wort Rendite mag da mancher Kritiker gar nicht mehr in den Mund nehmen.

Branche will Ende der festen Garantiezinsen durchsetzen

Nun will die Regierung der Branche zu Hilfe eilen und die Regeln für die Ausschüttung von Bewertungsreserven lockern. Das hieße für viele Kunden: Sie würden nicht mehr an den stillen Reserven beteiligt, die Versicherer in ihren Bilanzen aufbauen und müssten künftig auf einen weiteren Teil der Auszahlungen verzichten. Bis zu 8000 Euro könnte das pro Vertrag ausmachen, so haben Verbraucherschützer errechnet. Über das neue Gesetz streiten die Parteien im Vermittlungsausschuss aber noch, und der Ausgang der Verhandlungen ist derzeit nicht abzusehen.
Zudem würde die Branche gern eine andere Neuerung durchsetzen: das Ende der festen Garantiezinsen, die für die gesamte Vertragslaufzeit gelten. Bisher garantieren die Anbieter allen Sparern einen gesetzlich festgelegten Zins auf den Sparanteil, der derzeit bei 1,75 Prozent liegt. Darüber lässt sich auch eine Mindestsumme errechnen, die später aus dem Vertrag herauskommt. Die Unternehmen basteln aber schon fleißig an neuen Konzepten, die zeitlich befristete Garantien vorsehen, Staffelgarantien oder dynamische Garantiezinsen, die an die Inflation angepasst werden. Ob die neuen Verträge tatsächlich 2013 kommen und für Kunden besser sind als das bisherige Modell, wagen Experten noch nicht zu beurteilen. Weniger Sicherheit werden sie bedeuten, und abgesehen davon, „ist diesen Garantieformen gemein, dass sie die Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen aus der Lebensversicherung erschweren“, urteilt Assekurata.


Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa

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