17. Mai 2012

Unternehmensanleihen

Lieber den Firmen Geld leihen als dem Staat

Von Nadine Oberhuber
04. Februar 2012 Egal wohin man horcht, einen Satz summt die Finanzszene derzeit wie ein Mantra: Unternehmensanleihen werden 2012 einer der großen Anlagetrends sein. So einig wie momentan waren sich die Investmentexperten dabei selten.
Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer sein Geld verhältnismäßig sicher und dennoch gut verzinst anlegen will, sollte es jetzt lieber den großen und soliden Firmen in die Hand geben, als noch einen Gedanken an Staatsanleihen zu verschwenden. Schließlich werfen deutsche Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit eine Rendite von kaum zwei Prozent ab, für fünf Jahre gibt es noch weniger. Und Staatsanleihen aus anderen Ländern, die mehr Rendite bieten, haben ihren Nimbus als besonders sichere Papiere verloren.
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So wenig Schulden wie selten

Viele heimische Unternehmen aber stehen grundsolide da. Die Großkonzerne haben die Krisenjahre genutzt, um ihre Bilanzen und Finanzen in Ordnung zu bringen, mit dem Ergebnis: So wenig verschuldet wie heute waren die börsengelisteten Firmen Europas schon seit 15 Jahren nicht mehr. Selbst ein neuer Abschwung könne ihnen nicht viel anhaben, sagen die Analysten. "Unternehmen sind die besseren Staaten", findet deshalb Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank.
Nun hatten viele freilich schon 2011 stark auf Firmenanleihen gesetzt, damit aber keine so überwältigenden Renditen eingesackt: Im Schnitt kamen die Papiere von sicheren Unternehmen durch Kursgewinne und Zinseinnahmen auf einen Gesamtertrag von vier Prozent. Da war selbst mit deutschen Staatsanleihen mehr zu machen, denn die waren am Höhepunkt der Euro-Krise zum Ende des vergangenen Jahres als sichere Papiere äußerst gefragt und ihre Kurse schossen in die Höhe. So waren trotz niedriger Zinsausschüttungen zehn Prozent und mehr Rendite drin.

Hohe Kupons locken

Doch 2012 wird sich das Blatt zugunsten der Firmenanleihen wenden, sagen die Experten von Deutscher Bank über DZ Bank, Credit Suisse, LBBW, WestLB, WGZ Bank, Bankhaus Metzler bis zur Züricher Kantonalbank.
Zum einen locken die vergleichsweise hohen Zinsen. Denn viele Unternehmen entlohnen diejenigen üppig, die ihnen zurzeit Geld leihen - jetzt, wo die Banken wieder mit Krediten knausern. Auf vielen Firmenanleihen-Kupons steht eine Fünf vor dem Komma, manche verzinsen die Papiere sogar jährlich mit sieben oder acht Prozent.
Zum anderen ist das Ausfallrisiko der Papiere historisch niedrig. Laut Berechnungen der Ratingagentur Moody's sind nur zwei Prozent der Papiere von Firmen mit schwacher Bonität akut ausfallgefährdet. Großartig ansteigen werde diese Rate bis zum Jahresende nicht. Das alles spricht dafür, Großunternehmen jetzt Geld zu leihen.

Renditen kleiner als Kupons

Einziger Wermutstropfen: Gerade die Anleihen der solidesten unter den Dax-Flaggschiffen sind bereits sehr gefragt, das hat die Kurse weit über die 100-Prozent-Marke in die Höhe getrieben und schmälert damit die Rendite. Wenn man die Papiere nämlich bis zum Laufzeitende hält, bekommt man nur den Nennwert, also 100 Prozent, zurück. So bieten die Anleihen von Bayer, Daimler, Henkel und BASF zurzeit nur Renditen zwischen 0,88 und 1,6 Prozent. Man sollte sich auch nicht zu sehr von den teils extrem hohen Kupons blenden lassen, denn selbst wenn auf der Anleihe 7,25 Prozent draufsteht wie bei MAN, sind derzeit nur 2,34 Prozent Rendite drin.
Unterm Strich dürften die Anleihen seriöser deutscher Firmen rund drei Prozent Ertrag abwerfen, stellen die Banken Unicredit und LBBW fest. Das ist vielen Anlegern schon wieder zu wenig. Bei europäischen Papieren mit guter Bonität sind rund 4,5 Prozent drin. Bei riskanteren Papieren und deutschen Mittelständlern könnten es fünf und mehr Prozent sein.

Zwischen Spekulation und kleinen Erträgen

Das wichtigste Kriterium bei der Anleihenauswahl ist die Bonität des Unternehmens, dem man sein Geld leiht. Momentan jedoch gehen die Meinungen weit auseinander, ob sich Privatanleger lieber auf die Firmen mit allerhöchsten Ratingnoten beschränken sollten, weil deren Anleihen am wenigsten ausfallgefährdet sind. Schließlich ist die Konjunktur noch nicht auf dem Weg der Besserung und die Euro-Krise noch nicht gelöst.
Oder ob die Anleger nicht gerade auf die finanzschwächeren Firmen setzen sollten, deren Kurse zuletzt mächtig gesunken sind. Eine Anleihe für 58 Prozent zu kaufen, für die man am Ende 100 Prozent zurückbekommt, verspricht große Gewinne - wenn man die Laufzeit durchhält und das Unternehmen ebenfalls. Es ist letztlich die Frage, ob man an den Bestand der Firmen glaubt.

Setzen auf Kursgewinne

Die meisten Experten favorisieren Unternehmensanleihen mit höchstem Rating und raten dazu, sich auf bestimmte Branchen zu konzentrieren, die sich 2012 gut schlagen werden: Während 2011 besonders Pharmawerte gefragt waren, empfiehlt die Berenberg-Bank für 2012 "defensive und konsumnahe Titel aus europäischen Kernländern". Auch die Nord LB hat Konsumwerte wie Supermarktketten, Ölfirmen und Telekommunikationsunternehmen auf ihre Empfehlungsliste gesetzt. Die Deutsche Bank zählt noch Automobilhersteller und Versorger dazu.
Viele von deren Kursen sind noch nicht so hoch geklettert, dass der Einstieg lohnt. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer, aber die Gefahr der winzigen Renditen oder Negativerträge ist bei Daimler, Henkel oder RWE derzeit geringer als bei Bundesanleihen.


Text: F.A.S.
Bildmaterial: © Owain Kirby/Illustration Work, FAZ

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