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Aktienanlage
Jetzt in Amerika Geld verdienen
Von Dennis Kremer
20. Oktober 2012 Natürlich kennt auch Russ Koesterich die Zahlen, als Chefanlagestratege beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock ist das sogar seine Pflicht. Schuldenstand: mehr als 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Arbeitslosigkeit: rund zwölf Millionen Menschen ohne Job.
Was klingt wie die Beschreibung eines schwachen Schwellenlandes, ist in Wahrheit ein Blick auf den Zustand der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt: Amerika, so scheint es, ist angeschlagen. Zumal rund zwei Wochen vor der Präsidentenwahl politischer Stillstand das Land lähmt.

Trotz schlechter Wirtschaftsdaten überzeugt
Wie reagiert man darauf als Großinvestor, der die gewaltige Summe von 3500 Milliarden Dollar steuert? Die Antwort von Blackrock-Stratege Koesterich und seinen Kollegen ist so überraschend wie klar: indem sie vor allem amerikanischen Aktien, aber auch amerikanischen Anleihen in ihren Portfolien hohes Gewicht einräumen. Eine Entscheidung, die mit Blick auf die Wirtschaftsdaten der Vereinigten Staaten zunächst einmal mehr nach Irrsinn als nach Investmentstrategie klingt. Aber Koesterich sagt: „Es besteht Anlass für Optimismus in Amerika.“ Mit ihrer Zuversicht sind die Blackrock-Experten nicht allein. Viele Profianleger bleiben den Vereinigten Staaten trotz allem wohlgesonnen, und das hat vor allem einen Grund - Amerikas Unternehmen.
Einige Firmen erleben zwar gerade Kursrückschläge an den Börsen, vor allem weil ihre Quartalsergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben. Darunter sind auch einige Schwergewichte: Intel etwa, Microsoft und auch der lange Zeit als unangreifbar geltende Internet-Gigant Google.
Aber es wäre ein gewaltiger Fehler, sie zu unterschätzen. Auf längere Sicht sind viele amerikanische Unternehmen von der Konkurrenz nämlich kaum zu schlagen, Gleiches gilt für ihre Aktien. Eine Stärke, die auch deutschen Anlegern Chancen bietet. Woher diese Überlegenheit kommt, zeigt ein genauerer Blick auf den S&P 500: Das Aktienbarometer bildet die Kursentwicklung der 500 größten amerikanischen Aktiengesellschaften ab - und konnte seit Jahresanfang um mehr als 15 Prozent zulegen.
Innovativ und schwellenlandaffin
Natürlich hat das Plus auch mit der amerikanischen Notenbank zu tun, deren lockere Geldpolitik die Kurse befeuerte. Aber eben nicht nur. Denn gleichzeitig haben Amerikas größte Unternehmen mit dem Technologiekonzern Apple an der Spitze 2012 so viel verdient wie noch nie - am Ende des Jahres wird nach Abzug von Steuern wohl ein gewaltiger Betrag von 870 Milliarden Dollar stehen. Wie ist den Firmen das gelungen?
Zum einen weil sie einfach erfindungsreicher sind als die ausländische Konkurrenz: In keinem Land melden Unternehmen so viele Patente an wie in den Vereinigten Staaten. Und zum anderen weil sie ihre Produkte auch wegen dieser Innovationskraft in der ganzen Welt verkaufen können - ein Drittel ihrer Gewinne erzielen sie nach Angaben des Investmenthauses JP Morgan Asset Management außerhalb Amerikas. Das wirkt wie eine Versicherung: Steckt Amerika in Schwierigkeiten, stabilisiert der Rest der Welt das Geschäft.
Ölsand, Banken, Technik
Die wichtigste Frage beantwortet dies allerdings noch nicht: Auf welche der vielen amerikanischen Firmen sollten Anleger derzeit setzen? Als Antwort reicht vielen Investmentexperten oft ein einziges Wort: „Fracking“ - der englische Fachbegriff für eine neue Abbaumethode, um Öl aus Schieferstein zu fördern. Eine revolutionäre und vor allem kostengünstige Art der Energiegewinnung. Und eine, die den Aktienkurs von Förderunternehmen wie Devon Energy in die Höhe treiben könnte.
Auch die Aktien jener Firmen, die in den vergangenen Jahren die Kommunikationstechnik revolutioniert haben, bleiben einen Blick wert - die Papiere des Technologieriesen Apple beispielsweise oder des Chipherstellers Qualcomm. Chancen ergeben sich für Anleger aber auch in einer Branche, die ihnen in der Vergangenheit eher wenig Freude gemacht hat: bei Banken. Diesen nützt, dass sich Amerikas Häusermarkt nach jahrelanger Krise zuletzt stabilisiert hat. Die amerikanischen Verbraucher zeigen sich in ihrer Mehrzahl nämlich erstaunlich unbeeindruckt von der hohen Schuldenlast ihres Landes und dem unsicheren Ausgang der Präsidentenwahl: Sie kaufen wieder Häuser und benötigen dazu Kredite - ein Trend, von dem Banken wie Wells Fargo profitieren. Für den Einstieg in Bankaktien brauchen Anleger aber Nervenstärke.
Wer dagegen in die Papiere des Modekonzerns GAP oder der Kaffeehauskette Starbucks investiert, geht weniger Risiken ein - und kann auf diese Weise trotzdem von der gestiegenen Konsumlaune der Amerikaner profitieren. Zu teuer jedenfalls sind die meisten Aktien noch nicht: Wichtige Börsenkennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis notieren noch immer klar unter früheren Höchstständen.
Dollargefahren
Trotzdem sollten Anleger wissen: Ohne Gefahren ist ein Investment in Amerika natürlich nicht. Vor allem die Entwicklung des Wechselkurses ist kaum vorhersagbar. Verliert der Dollar wie zuletzt gegenüber dem Euro an Wert, kann das einen Teil der Kursgewinne aufzehren. Darum bietet es sich für vorsichtigere Anleger an, auf Fonds zu setzen, die das Währungsrisiko durch Absicherungsgeschäfte weitgehend eliminieren. Wer dagegen offensiv auf einen stärkeren Dollar wetten möchte, kann Fremdwährungsanleihen kaufen, die in Dollar notieren.
Einen Blick wert sind auch amerikanische Unternehmensanleihen und hier vor allem Firmen, die von den Ratingagenturen schlechtere Noten erhalten - sogenannte High-Yield-Bonds. Deren Ausfallrisiko ist angesichts der Stärke von Amerikas Firmen derzeit eher gering, die Zinsen dagegen immer noch üppig. Auch hier empfiehlt sich das Investment über Fonds.
Jüngste Zahlen machen jedenfalls Hoffnung, dass Blackrock-Stratege Koesterich mit seinem Optimismus recht behält: Danach wird die amerikanische Wirtschaft 2013 um 2,1 Prozent wachsen. Das kling mickrig, ist im Vergleich zu Europa aber gigantisch. Für den Euroraum liegen die Schätzungen bei gerade einmal 0,2 Prozent.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AVENUE, F.A.Z., FAZ
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20.05.2013 17:59 Uhr
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