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Münchner Chip-Konzern
Infineon richtet sich Richtung Asien aus
Von Christoph Hein, Singapur
02. Juni 2011 Als erstes der im Aktienindex Dax notierten deutschen Unternehmen will der Chip-Konzern Infineon Technologies die Hälfte seines Umsatzes in Asien erzielen. „Damit sollte 2014 auch die Hälfte des Gewinns aus der Region stammen“, sagte Peter Bauer, der Vorstandsvorsitzende des Halbleiterherstellers, an seinem Asiensitz in Singapur. Die Münchner prüfen derzeit weitere große Investitionen in Fernost.
Im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) lag der Umsatzanteil der Region Asien-Pazifik bei Infineon mit 1,38 Milliarden Euro bei 42 Prozent. Schon heute arbeiten mit 14.000 Mitarbeitern mehr Menschen im asiatischen Raum für die Münchner als im Westen mit gut 11.000. Der Wachstumsschub soll getrieben werden durch eine ganz neue Nachfrage in Asien: „Die rasch wachsende Mittelschicht der Region sucht nach neuen Produkten, die die Energieeffizienz vorantreiben und die geplante Mobilität unterstützen“, sagte Bauer. Als Beispiel nannte er die riesigen Aufträge für Lokomotiven und Züge. China plant den Kauf von 10.000 Hochgeschwindigkeitszügen, Indien will 5000 neue Züge erwerben.
Indien will seine 1,3 Milliarden Menschen mit Ausweisen ausstatten
Unter anderem interessiert sich die frühere Infineon-Muttergesellschaft Siemens für die Aufträge. „In jedem Zug stecken Halbleiter im Wert von 100.000 Euro“, erklärt der Infineon-Chef das enorme Auftragspotential. Große Nachfrage sieht er auch in der modernen Sicherheitstechnik: Allein Indien will seine 1,3 Milliarden Menschen mit Ausweisen ausstatten. Schließlich biete auch der Nachholbedarf der Schwellenländer in der Energieversorgung Chancen, da die Halbleiter Verluste in der gesamten Versorgungskette minderten.
Mit einem Anteil von 58 Prozent am Weltmarkt für Halbleiter ist Asien längst der bedeutendste Markt. Noch allerdings ist der Markt in China sehr zersplittert, da viel über Zwischenhändler läuft. Indien sei mit einem Volumen von 150 Millionen Euro noch nicht reif. Bauer aber sieht vergleichbare Trends wie früher in China. „Die großen Kunden sitzen in Europa und Amerika. Und sie treiben die Innovation“, sagte Asienchef Andrew Chong. Mehr und mehr aber gewinnt auch der Entwicklungsstandort Asien an Gewicht: So wird Infineon die Zahl seiner Ingenieure am Regionalsitz Singapur um 50 Prozent auf knapp 400 aufstocken.
Schon 2015 sollte der Anteil Asiens bei 60 Prozent eines von 304 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 401 Milliarden Dollar gestiegenen Marktes liegen. Wie rasch sich die Entwicklung vollzieh, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Im Jahr 2000 hatte der Umsatzanteil für Asien bei Infineon erst bei 17 Prozent gelegen. Derjenige in Europa stand damals bei 64 Prozent. Inzwischen ist er auf 46 Prozent gesunken.
„Wir steuern schon auf die Vollauslastung zu“
In diesen Wochen entscheiden die Münchner über mehrere mögliche Investitionen in Asien. Bislang ist geplant, gut 300 Millionen der Gesamtsumme von 850 Millionen Euro in diesem Jahr in Asien einzusetzen. Gut die Hälfte der Summe fließt in den Ausbau des Werkes Kulim in Nordmalaysia, weitere gut 100 Millionen Dollar gehen an den zweiten malaysischen Standort nach Malakka. „2012 könnte deutlich mehr Geld nach Asien fließen“, sagte Bauer. Denn bislang ist nur etwa ein Drittel der Werksfläche in Kulim bebaut. „Wir steuern aber schon auf die Vollauslastung zu“, gibt Chong die Richtung zur Kapazitätserweiterung aufgrund des Marktwachstums vor. Es ist daran gedacht, die bestehende Kapazität zu verdoppeln. Nach Deutschland gingen 18 Prozent der Investitionen in diesem Geschäftsjahr, sagte Finanzchef Dominik Asam.
Eine Größenordnung von rund einer Milliarde Euro Investitionen käme dann hinzu, wenn die geplante Fertigung der neuen, superdünnen 300-Millimeter-Wafer nach Asien vergeben würde. Entscheiden ist das noch nicht. Es könnte auch sein, dass die Produktion, die derzeit erprobt wird, in das von Qimonda aus der Insolvenzmasse der 2009 gescheiterten Speicherchip-Tochtergesellschaft übernommene Werk in Dresden oder sogar nach Villach geht. Letztlich ist die Standortentscheidung getrieben von den Zusagen der jeweiligen öffentlichen Hand und der Nähe zum Markt. Sachsen hat schon Förderzusagen für den Standort Dresden gemacht.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dapd
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