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12. März 2010

Hasso Plattner

„Ich werde alles tun, damit SAP wieder happy wird“

Von Stephan Finsterbusch

08. Februar 2010 Europas größtes Softwarhaus steckt in schwer bewegten Zeiten. Das Betriebsklima gilt als schlecht, die Mitarbeiter sind unzufrieden, viele Kunden verprellt, die Aktionäre gefrustet. Das kostet dem kaum seit zwei Jahren amtierenden Vorstandschef Leo Apotheker nun den Posten. Damit wird Platz für die neue Führungsriege um den Amerikaner Bill McDermott und den Dänen Jim Hagemann Snabe.

„Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen und daher sind wir gewinnorientiert“, sagte Hasso Plattern, Aufsichtsratschef, Gründer und einer der größten Anteilseigner von SAP. „Doch um Gewinn zu machen, muss man auch happy sein, und ich werde alles tun, damit SAP wieder happy wird.“ In den vergangenen Monaten war die Unzufriedenheit der Mitarbeiter, Partner und Kunden spürbar gewachsen. Die Markteinführung einer neuen Software für den unternehmerischen Mittelstand musste aufgrund einiger Pannen in den verschiedenen SAP-Entwicklungszentren auf der Welt mehrfach verschoben werden.

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Die drei Gründer halten noch 27 Prozent der Aktien

Leo Apotheker hatte SAP vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen des Nachfrageverhaltens der Softwarekunden und neuer Computertechniken zwar einige zeitgemäße Management- und Geschäftsmethoden verpasst. Doch dabei habe er viel Vertrauen verspielt, hieß es bei der Nutzervereinigung DSAG. So müssen McDermott und Snabe nun richten, was schief gelaufen war, und das war einiges: Ganz oben auf der Liste steht der rasant gewachsene Frust über Programme und Dienstleistungen von SAP. Vielen Nutzern waren die Produkte zu kompliziert, Neuentwicklungen zu undurchsichtig, die Gewinnspannen von SAP mit 27 Prozent zu hoch, Leistungen und Produkte daher um einiges zu teuer. Als der Vorstand im Herbst 2008 ankündigte, höhere Gebühren für die Wartung seiner auf den jeweiligen Rechnern der Unternehmen installierten Software-Systeme zu verlangen, gingen viele Kunden auf die Barrikade. Der SAP-Vorstand um Apotheker hielt dagegen. Er verwies auf seine seit Jahren konstant gebliebenen SAP-Wartungspreise. Die Nutzervereinigung DSAG aber meinte, die Weltwirtschaftskrise habe tiefe Spuren durch die Bilanzen der Unternehmenskunden gezogen. Daher könnten sie die Mehrbelastung durch höhere IT-Ausgaben nicht vertragen. In Zeiten einer solchen Krise die Preise zu erhöhen, sei instinktlos, hieß es bei der DSAG. Dagegen erklärte Leo Apotheker, Konkurrenten wie Oracle verlangten schon seit Jahren höhere Gebühren. Diese Gebühren bemessen sich an den Kaufpreisen für Unternehmenssoftware. SAP verlangte 18 Prozent des Kaufpreises, Oracle mehr als 20 Prozent.

SAP wollte nachziehen. Doch die Kunden wehrten sich. Die DSAG blieb daher hart, Apotheker auch. Der Druck wuchs, als alte Kunden mit ihren Beschwerden den Vorstand umgingen. Sie wandten sich direkt an den Aufsichtsrat von SAP. Dort sitzt Hasso Plattner an der Spitze. Er ist einer von drei Gründern des Unternehmens, die zusammen heute noch 27 Prozent der Anteile an SAP halten. Plattner galt weder als Vertrauter, noch als Freund von Apotheker. Gleichwohl hatte er ihn im April 2008 auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden gesetzt. Damals hatte Plattners Wunschkandidat für den Sessel des Vorstandschefs, Shai Agassi, SAP überraschend verlassen. So rückte Apotheker nach. Zunächst stand er gemeinsam mit Henning Kagermann an der Spitze von SAP. Als der im Mai 2009 in Pension ging, war Apotheker alleiniger Vorstandschef.

SAP will Software und Hardware nicht zusammen anbieten

Ein wirkliches gutes Verhältnis hatten der Vorstands- und der Aufsichtsratschef nie zueinander. Plattner zwang Apotheker im Januar, im Streit um Erhöhungen der Wartungsgebühr mit den Kunden einzulenken. „Mit Freude haben wir die Entscheidung aufgenommen“, erklärte der Vorsitzenden der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG, Karl Liebstückel. Apotheker sah das als Affront. Am Montag erklärte Liebstückel: „Durch die neue Doppelspitze ist SAP mit einem technologisch orientierten Fachmann und einem Vertriebsexperten breiter aufgestellt. Das ist gut für alle Kunden weltweit.“

Die neue Spitze wird in den kommenden Wochen und Monaten nicht zuletzt die Fragen nach der Strategie des Unternehmens zu beantworten haben. Während die Konkurrenten Oracle, Microsoft und IBM angesichts der raschen technischen Entwicklungen ihre Geschäftsmodelle gerade zu umfassenden Soft- und Hardwareanbietern drehen, hält SAP an seiner traditionellen Strategie fest, als Spezialsoftwareanbieter aufzutreten. Zwar wendet sich auch das Walldorfer Unternehmen verstärkt der Vermietung von Software zu. Doch wird es Computer und Software nicht aus einer Hand anbieten. Viele Kunden kaufen aufgrund knapper Budgets immer weniger teuere Softwarepakete ein. Vielmehr setzen sie aus Kostengründen auf die Anmietung von Programmen externer Anbieter.

So rüsten die wichtigsten SAP-Wettbewerber seit Monaten deutlich auf. Sie verknüpfen Soft- und Hardware. Oracle zieht seit Sommer in einer 7,4 Milliarden Dollar teuren Übernahme den Computerhersteller Sun Microsystems an sich. Microsoft vereinbarte im Januar eine weitreichende und tiefgreifende Zusammenarbeit mit dem Hewlett-Packard (HP), dem zweitgrößten Produzenten von Netzwerkrechnern (Servern) auf der Welt. Branchenprimus IBM, der größte Server-Hersteller der Welt, baut seit drei Jahren sowohl seine Hard- wie auch seine Softwaresparte mit milliardenhohen Aufwendungen deutlich aus. Das könnte SAP zusetzen.

Neben dem strategischen Sonderweg hatte Apotheker und seine Mannschaft interne Prozesse oft nicht fein genug justiert. So hatte der Vorstand im vergangenen Jahr seine Geschäftsprognosen dreimal nach unten korrigiert, um letztlich doch über den Vorhersagen durchs Ziel zu gehen. Auch hatte SAP im vergangenen Jahr erstmals in seiner fast vier Jahrzehnte währenden Unternehmensgeschichte den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen angekündigt. Als fast tausend Mitarbeiter mehr die Abfindungsangebote annahmen als er erwartet, schrillten in der Personalabteilung die Alarmglocken. Denn die hohe Bereitschaft der Angestellten, den Konzern zu verlassen, machte klar, dass in diesem Hause etwas nicht stimmen konnte.

F.A.Z.




Bildmaterial: Archivbild 2004, dpa

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