17. Mai 2012

Bericht von den Finanzmärkten

Gute Nachrichten rund um den Globus

Von Gerald Braunberger
05. Februar 2012 Man muss bis in die frühen siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückgehen, um einen vergleichbar furiosen Jahresauftakt am deutschen Aktienmarkt zu entdecken. Um jeweils 14,7 Prozent sind der 30 Werte umfassende Dax und der 100 umfassende F.A.Z.-Index seit Anfang Januar gestiegen. Die Hausse hat die Fahrzeugwerte ebenso erfasst wie die Bankaktien oder konsumnahe Titel. Die gute Stimmung beschränkt sich aber nicht auf den deutschen Markt für Dividendentitel. Es haussieren Aktienmärkte im Ausland ebenso wie die Anleihemärkte in Italien und Spanien. Viele Anleger sind wieder risikofreudiger geworden. Sie trauen sich mehr zu. Das Dossier Griechenland ist an den Märkten von den Optimisten offensichtlich schon als unwichtig für den Rest der Welt abgelegt.
Optimismus lässt sich auch außerhalb Deutschlands in Europa beobachten. In Italien sind die Renditen der Staatsanleihen die vierte Woche in Folge gesunken. Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen französischen und deutschen Staatsanleihen ist erstmals seit Anfang Dezember 2001 auf weniger als 100 Basispunkte gesunken. Seit drei Tagen entspannt sich die Lage am Markt für portugiesische Staatsanleihen, nachdem dort Mitte Januar eine Spekulation auf eine Umschuldung eine Baisse erzeugt hatte. Seit dem 30. Januar scheint die Stimmung wieder zu drehen. Der Preis für Kreditausfallderivate (CDS) auf fünfjährige Anleihen ist von 1582 auf 1254 Basispunkte gesunken. Zeitgleich hat sich die Rendite zehnjähriger Anleihen von 16,58 auf 13,05 Prozent ermäßigt.
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Unerwartet gute Konjunkturdaten

Die wichtigste Ursache für die Hausse an den Finanzmärkten sind unerwartet gute Konjunkturdaten rund um den Globus - von China über Europa bis zu den Vereinigten Staaten - gewesen. Die am vergangenen Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktdaten haben an den Märkten die Hoffnung geweckt, die amerikanische Konjunktur werde sich dynamischer entwickeln als bislang gedacht. Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken in den großen Industrienationen stützt die Kursgewinne. So steht außer Zweifel, dass die günstige Bereitstellung von Geld für drei Jahre durch die Europäische Zentralbank (EZB) die Nachfrage nach Staatsanleihen aus der Peripherie gestärkt hat.
Die Frage bleibt, wie viel Potential diese Hausse noch besitzt. Es ist kaum vorstellbar, dass die deutschen Aktienkurse von jetzt an jeden Monat um knapp 15 Prozent zulegen. Für einen Fortgang der Hausse spricht, dass viele Großanleger sie bisher verpasst haben. Das belegen die Handelsumsätze am Aktienmarkt, die zwar ordentlich, aber keineswegs sehr groß sind. Ein gutes Zeichen für die Marktentwicklung ist zudem, dass sich die Stimmung zwar aufgehellt hat, aber immer noch auch Pessimismus im Markt ist. Es finden sich nach wie vor zahlreiche Medien- und Researchberichte, die besonders die Zukunft der Europäischen Währungsunion in den düstersten Farben malen. Andere Marktteilnehmer malen zwar nicht schwarz, sehen nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen aber kein Potential mehr.

Der Blick nach England

Aus einer technischen Sicht ist dies positiv für den Aktienmarkt: Denn wenn alle Anleger Optimisten und bereits in Aktien investiert wären, gäbe es keine zusätzliche Nachfrage nach Dividendentiteln mehr. So aber gibt es noch ausreichend viele Pessimisten, die im Laufe der Zeit optimistischer werden und dann zu Aktienkäufern werden könnten.
In der neuen Woche werden die Finanzmarktteilnehmer vor allem auf die großen Zentralbanken schauen. Spekuliert wird in erster Linie auf die Ankündigung einer weiteren geldpolitischen Lockerung durch die Bank of England in Gestalt eines weiteren Programms zum Kauf von Staatsanleihen. Nach diesen Spekulationen könnte sich das Volumen auf 50 Milliarden Pfund belaufen. Unsicher ist man am Markt, ob der Zentralbankrat der EZB schon am kommenden Donnerstag eine weitere Leitzinssenkung beschließen wird. In den Vereinigten Staaten bezeichnen Marktteilnehmer eine zusätzliche geldpolitische Lockerung mit Hinweis auf die überraschend starken Arbeitsmarktdaten in naher Zukunft als wenig wahrscheinlich.
Ihre Fortsetzung findet die laufende Bilanzsaison, in der die Unternehmen über das vierte Quartal 2011 und das Gesamtjahr 2011 berichten. Zahlen werden unter anderem von Coca-Cola, Disney und Nyse Euronext erwartet. Nach dem Scheitern der Fusion zwischen der Deutschen Börse und Nyse Euronext wächst die Kritik am Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, Reto Francioni. Ein Mitglied der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat, Johannes Witt, kündigte eine Debatte im Aufsichtsgremium über die Eignung Francionis an.

Bis zur Geistlichkeit

Auch wenn die Staatsanleihekäufe durch Zentralbanken an den Finanzmärkten zumindest kurzfristig positiv gesehen werden, dürfen die langfristigen Gefahren einer solchen Politik nicht außer Acht gelassen werden. Daraufhin weist die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley in einer Studie hin. Denn durch die Anleihekäufe wachse die Abhängigkeit der Geldpolitik von der Regierung, und es bleibe abzuwarten, ob die Geldpolitik rechtzeitig ihre Politik verschärfen werde, wenn dies mit Blick auf künftige Inflationsgefahren eines Tages notwendig werde.
Die gute Stimmung an den europäischen Anleihemärkten veranlasst die Commerzbank zu zurückhaltenden Äußerungen. Denn allein die Bereitstellung billigen Geldes durch die EZB könne nicht als eine langfristige Krisenlösung verstanden werden. Vielmehr liege der Schlüssel für die Lösung der Probleme in der Peripherie in den dortigen Ländern. In diesem Zusammenhang lobt die Commerzbank die Rentenreform der neuen italienischen Regierung, warnt aber, dass damit nur ein Teil des Weges beschritten sei. Italien benötige daneben auch eine Reform des Arbeitsmarktes - die zwar von Premierminister Mario Monti angekündigt, aber noch nicht umgesetzt worden ist.
Der wachsende Optimismus an den Märkten hat auch die Geistlichkeit erfasst. Nach britischen Presseberichten hat die anglikanische Kirche ihre Kapitalanlagen in Hedgefonds mehr als verdoppelt. Mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Pfund gehört die anglikanische Kirche nunmehr zu den größten Hedgefonds-Investoren.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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