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Rentenmärkte
Glaubwürdigkeits- und Renditelücken in Europa
09. März 2010 Konjunkturrisiken, Schulden, Budgetdefizite, wirtschaftliche Strukturprobleme und die politischen Reaktionen auf diese Herausforderung bestimmen derzeit die Kursentwicklung von Staatsanleihen.
Während die Renditen an den amerikanischen, britischen und japanischen Rentenmärkten trotz des großen Angebots an Papieren aufgrund der massiven Interventionen der Zentralbanken sehr tief bleiben, kam es in den in den vergangenen Monaten in Europa zu einigen Kurskapriolen.
Renditedivergenz deutet auf Unterschiede wirtschaftspolitischer Glaubwürdigkeit hin
Am Dienstag setzen sie sich fort. So verzeichnen deutsche Staatsanleihen Kursgewinne. Das Kaufinteresse stieg, nachdem die Rantingagentur Fitch vor einer Herabstufung der Bonität Portugals gewarnt hat. Die Agentur erklärte, wenn das Programm der Regierung zur Haushaltssanierung nicht ausreiche, dürfte die Bonitätsnote gesenkt werden. Die Preise der Staatsanleihen Portugals mit zehn Jahren Laufzeit zeigten sich jedoch trotz der Nachricht kaum verändert bei 105,46 Prozent und mit einer Rendite von 4,02 Prozent. Am Montag hatten sich die Anleihen verteuert, nachdem Portugal seine Pläne zur Haushaltssanierung vorgestellt hatte. Zehnjährige Bundesanleihen verzeichneten dagegen einen merklichen Kursanstieg, die Rendite sank im Gegenzug fünf Basispunkte auf 3,11 Prozent. Der Bund-Future stieg um 51 Basispunkte auf 122,99 Prozent.
Diese Divergenz deutet darauf hin, dass Anleger zumindest kurzfristig tendenziell zum Kauf der Staatsanleihen jener Länder tendieren, die als solide betrachtet werden. Deutschland entspricht diesem Kriterium, obwohl das Land ebenfalls riesige strukturelle Probleme hat und schon seit Jahrzehnten finanziell über seine Verhältnisse lebt.
Renditelücke zwischen griechischen und irischen Staatsanleihen
In den vergangenen Monaten entsprach der Kursverlauf irischer und griechischer Staatspapiere einer wahre Achterbahnfahrt. Wegen der schwachen Wirtschaft, der prekären Finanzsituation des Landes und nicht zuletzt wegen der Finanzkrise war die Rendite irischer Staatspapiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Kupon von 4,5 Prozent im Januar des vergangenen Jahres auf bis zu 6,1 Prozent gestiegen. Das Land reagierte darauf mit einem rigiden Sparprogramm, dass unmittelbar umgesetzt wird. Es gewann das Vertrauen der Anleger an den Finanzmärkten und führte dazu, dass die Rendite der Papiere inzwischen wieder auf 4,47 Prozent gefallen ist.
Dieser Prozess zeigt, was in Griechenland, Italien, Spanien und nicht zuletzt auch in Portugal notwendig und möglich wäre, sollten die politischen Kräfte auf den richtigen wirtschaftspolitischen Pfad einschwenken. Dagegen ist die Rendite zehnjähriger griechischer Staatspapiere zunächst von 4,3 Prozent im Oktober des vergangenen Jahres auf bis zu 7,18 Prozent im Januar des laufenden Jahres gestiegen, bevor sie sich auf zuletzt 6,13 Prozent erholen konnten.
Ursache war, dass plötzlich bekannt wurde, wie schwach die griechische Finanzposition tatsächlich war und ist. Griechenland hat sich inzwischen zwar zu ähnlichen Sparprogrammen wie Irland entschieden. Allerdings ist angesichts der Historie des Landes und der laufenden Streiks noch offen, ob sie auch tatsächlich umgesetzt werden. Diese Zweifel führen dazu, dass die Rendite griechischer Papiere hoch und vor allem auch volatil bleibt. Die Renditedifferenz zeigt die Glaubwürdigkeitslücke, die Griechenland im Vergleich mit Irland hat. In Italien, Spanien und auch in Portugal hat sie sich noch nicht aufgetan. Ausgeschlossen ist sie allerdings nicht. Daran würde ein europäischer Währungsfonds zwar möglicherweise etwas ändern. Allerdings führte er zu falschen Anreizen und könnte das Renditeniveau in ganz Europa gefährden.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
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