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Glencore und Xstrata
Fusionsgespräche im Minensektor schüren Optimismus
Von Bettina Schulz, London
04. Februar 2012 Die Fusionsgespräche der beiden Minengesellschaften Glencore und Xstrata kommen für Aktionäre im Minensektor gerade zur rechten Zeit. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche hohe Kursverluste. Die jüngere Geschichte zeigt, dass Fusionen und Übernahmen in der Branche schon oft den Auftakt für eine kräftige Erholung von Minenaktien allgemein gaben.
Dies war schon in den Jahren 2006 und 2007 nach den zahlreichen Fusionen und Übernahmen im Stahlsektor zu beobachten, vor allem nach dem Übernahmeangebot für Rio Tinto von BHP Billiton im November 2007. Damals entwickelten sich Minenaktien fast um 50 Prozent besser als die Rohstoffpreise, bevor die Hausse 2008 zum jähen Ende kam.
Dank EZB-Hilfe deutlich entspannt
Die Fusionsgespräche zwischen Glencore und Xstrata mögen in der Branche lange erwartet worden sein. Sie symbolisieren die positive Stimmung, die den Sektor Anfang des Jahres erfasst hat. Dazu hat die Europäische Zentralbank (EZB) beigetragen: Die gefährlich knappe Finanzierungssituation der Banken hat sich durch die umfangreiche Hilfe der EZB mit ihrem dreijährigen Langfristtender deutlich entspannt. Liquidität ist wieder an die Kapitalmärkte zurückgekehrt, und kombiniert mit besseren Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und einer offenbar „sanften“ Landung der chinesischen Konjunktur hat sich das Bild seit Anfang des Jahres aufgehellt.
Entscheidend ist, dass die Angst der Marktteilnehmer vor einer globalen Rezession verflogen ist und dass plötzlich erkannt wird, wie extrem unter den Anlegern die Hysterie im vergangenen Herbst und die entsprechende Last auf den Bewertungen am Aktien- und Rohstoffmarkt waren. „Die heftigen Kurseinbrüche 2011 waren übertrieben und teils völlig ungerechtfertigt“, meint Martin Siegel, Geschäftsführer der Stabilitas Fonds GmbH, einer Investmentgesellschaft, die auf Edelmetallinvestments spezialisiert ist. „Mit dem Jahreswechsel ist jetzt auch endlich die erwartete Trendwende bei den Minenaktien eingeläutet.“
Hohe Margen, starke Ertragsströme, kräftige Bilanzen
In diesem verbesserten Umfeld können Vorstände wieder planen und besser einschätzen, wo sie mit ihren hohen Margen, starken Ertragsströmen und kräftigen Bilanzen stehen. „Anleger müssen jetzt aufpassen, dass sie nicht leer ausgehen, sollten weitere Fusionen kommen“, warnt Credit Suisse. „Angesichts der weiteren Erholung der Rohstoffpreise könnte 2012 ein gutes Jahr für die Minenindustrie werden, vor allem bei ausgewählten Stahlaktien“, meinen die Analysten von Credit Suisse. Die Dynamik im Stahlsektor zeigt der jüngste Verkauf der Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp an den finnischen Outokumpu-Konzern.
Die Analysten von Credit Suisse beobachten mit Blick auf potentielle Übernahmen besonders Werte wie Anglo American, First Quantum, Ferrexpo und Klöckner. BHP Billiton indessen ist zu groß, als dass dieser Konzern als Übernahmeziel eine Rolle am Markt spielen könnte.
Wichtig für Anleger ist freilich, ob und wann die Minengesellschaften ihre hohen Erträge zumindest zum Teil in Form von Dividenden an ihre Aktionäre auszahlen. Dies war im vergangenen Jahr nicht der Fall, obwohl die Minengesellschaften Margen in Rekordhöhe ausnutzen konnten, die Rohstoffpreise im Durchschnitt höher notierten als 2010 und die Bergbaugesellschaften über sehr gesunde Bilanzen verfügten.
„Dass die Unternehmen ihre Erträge nicht in Form von Dividenden ausgeschüttet haben, hat die Bewertung der Aktien im vergangenen Jahr deutlich belastet“, sagt Evy Hambro, Fondsmanager des etwa 13 Milliarden Dollar schweren BGF World Mining Fund von Blackrock. „Erst wenn die Unternehmen entscheiden, einen größeren Teil ihrer Erträge an die Anleger abzugeben, werden die Bewertungen der Aktien deutlich aufholen.“ Hambro ist für dieses Jahr optimistisch, nachdem der BGF Minenfonds im vergangenen Jahr einen Wertverlust von 28 Prozent verkraften musste. Im Januar hat der Fonds in Euro gerechnet 15,7 Prozent an Wert gewonnen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2012.
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