26. Mai 2013

Aktienhandel

Französische Finanzsteuer vertreibt die Anleger

Von Christian Schubert, Paris
27. Dezember 2012 Die französische Finanztransaktionssteuer führt zu Ausweichreaktionen der Anleger und erweist sich damit als Belastung für den Finanzplatz Paris. Dies ergibt sich aus Analysen mehrerer Marktteilnehmer, die in der französischen Hauptstadt bekanntgeworden sind. Die Anleger bevorzugen entweder ausländische Aktien anstelle von französischen Papieren, oder sie weichen auf steuerbefreite Derivate sowie kleine und mittelgroße Aktien aus.
Frankreich hat in diesem Jahr nicht auf die europäischen Partnerländer gewartet, die ebenfalls eine Finanztransaktionssteuer einführen wollen, sondern eine eigene nationale Abgabe auf 109 französische Aktien mit einem Marktwert von mindestens einer Milliarde Euro erhoben. Die im Frühjahr noch unter Präsident Nicolas Sarkozy eingeführte Steuer wurde von seinem Nachfolger Hollande im August verschärft. Seither müssen Anleger nach dem Kauf der betroffenen Aktien 0,2 Prozent ihres Wertes an den Staat abführen. Nach Angaben der Handelsplattform Equiduct, an der die Berliner Börse wesentliche Anteile besitzt, umgehen viele Anleger die französische Steuer.
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Equiduct verglich die Handelsperioden von Mai bis Juli 2012 mit den Monaten August bis November. Danach sank das Handelsvolumen von 99 bei Equiduct gehandelten und besteuerten Aktien in diesem Zeitraum um 18 Prozent. Das Handelsvolumen von 93 steuerbefreiten französischen Aktien stieg im gleichen Zeitraum um 16 Prozent. Bei alleiniger Betrachtung des Index CAC-40 ergibt sich ein ähnliches Bild. Die vier wegen ihrer Auslandssitze steuerbefreiten Werte EADS, ST-Microelectronics, Solvay und Arcelor-Mittal verzeichneten eine Zunahme des Handelsvolumens um 9 Prozent, während die restlichen besteuerten Aktien einen Rückgang um 16 Prozent erlebten.
Den Einfluss der Steuer rechnerisch genau herauszufiltern sei schwierig, räumt Equiduct-Verkaufsdirektor Gilles Monat ein, doch die Konkurrenz-Indizes Dax, FTSE-100 und Bel-20 verzeichneten im gleichen Zeitraum jeweils nur einstellige Volumenverluste. „Wir haben starke Anzeichen, dass die Volumenverluste außerhalb Frankreichs ohne die französische Steuer stärker gewesen wären“, sagt Monat.
Aufgrund der Ausweichbewegungen gilt es als unwahrscheinlich, dass der französische Staat die einst erhofften 1,6 Milliarden Euro an jährlichen Steuereinnahmen erzielt. Equiduct rechnet mit nur rund 300 Millionen Euro. Die Anleger weichen nach Angaben der Fachleute auch auf Derivate wie die „Contracts for Difference“ aus, bei denen der Käufer nur auf Preisunterschiede setzt, ohne die Aktien zu besitzen. Diese Papiere gelten aufgrund ihrer hohen Kursschwankungen und geringer hinterlegter Sicherheiten als risikoreicher als traditionelle Aktien.
Zudem stoßen kleine und mittlere Aktien mit einer Marktbewertung unter 1 Milliarde Euro am 1.Juli 2012, dem ausschlaggebenden Bewertungsdatum, auf eine höhere Nachfrage. Mark Buchanan, Analyst bei Credit Suisse, wies allerdings schon im Oktober in einer Studie darauf hin, dass innerhalb der besteuerten Papiere die Aktien von kleineren Unternehmen höhere Liquiditätsverluste erleiden als die größeren Anteilsscheine.

Lobbyisten sind in Sorge

„Insgesamt erhöht die französische Finanztransaktionssteuer die Risiko-Aversion der Anleger gegenüber französischen Aktien“, klagt Equiduct-Manager Monat. „Diese Aversion ist seit Beginn der Krise 2008 schon hoch genug.“ Die Lobbyisten des Finanzplatzes Paris sehen diese Entwicklung mit großer Sorge. Sie hatten sich erfolglos gegen den französischen Alleingang gestemmt. Jetzt hoffen sie darauf, dass den Arbitragegeschäften zulasten von Paris durch die Einführung einer europaweiten Steuer die Grundlage entzogen wird.
„Eine Steuer auf Finanztransaktionen kann nur auf europäischer Ebene eingeführt werden, die London einschließt oder sogar noch weiter reicht“, sagte am Donnerstag Arnaud de Bresson, Geschäftsführer der Finanzplatz-Organisation Paris Europlace. „Ansonsten belastet sie die Wettbewerbsfähigkeit des kontinentaleuropäischen Finanzplatzes und damit die Finanzierung der europäischen Unternehmen.“
Zusammen mit der Steuer auf Aktiengeschäfte hatte die französische Regierung im August auch eine Steuer auf den Hochfrequenzhandel sowie auf bestimmte Geschäfte mit Kreditausfallversicherungen eingeführt. Doch hier halten sich die Auswirkungen in Grenzen. „Die Steuer ist schlecht strukturiert. 80 Prozent des Hochfrequenzhandels entgeht ihr“, sagt Christophe Nijdam, Analyst bei der Beratungsgesellschaft Alpha-Value. „Die Steuer war eine Wahlkampf-Maßnahme von Sarkozy. So etwas kann man nur mit den anderen europäischen Ländern machen.“


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Matthias Lüdecke

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