25. Mai 2013

Internationaler Finanzmarkt

Ein Jahr außergewöhnlich hoher Renditen

Von Bettina Schulz, London
23. Dezember 2012 Weihnachten - Aufatmen - Entspannen - Besinnen. Das Jahr ist geschafft, und das Schlimmste ist Investoren und Märkten erspart geblieben. Die Mayas hatten unrecht - die Welt ist nicht untergegangen. Und all die, die den Euro zerreden und Griechenland aus der Währungsunion drängen wollten, blieben erfolglos: Die Währungsunion steht Ende 2012 fester als zu Beginn des Jahres, und Griechenland ist immer noch in der Währungsunion. All die, die an die Reformen und Sparanstrengungen des Landes nicht geglaubt und dessen Staatsanleihen im Sommer in Panik verkauft haben, stehen nun mit großen Verlusten da.
Hedgefonds aber, die sich im Sommer gründlich in Athen umgehört hatten, griffen angesichts des Reformwillens der griechischen Regierung zu und haben Reibach gemacht. Schließlich haben genug Stimmen in der Londoner City und an der Wall Street gewarnt, dass es viel zu riskant und kostspielig sein würde, Griechenland - mit all den unwägbaren Folgen für die anderen Peripherieländer - aus dem Währungsverbund zu drängen. Jetzt ist die zweite Umschuldung (Schuldentausch im Frühjahr und Schuldenrückkauf im Dezember) für Griechenland erfolgreich gelaufen. Standard & Poor’s hat Athens Bonität von „teilweise zahlungsunfähig“ auf „spekulativ“ hochgesetzt, und die Europäische Zentralbank (EZB) akzeptiert griechische Staatsanleihen wieder als Pfand. So können sich griechische Banken mit Staatsanleihen wieder direkt bei der EZB Liquidität borgen und hängen nicht mehr von der ELA-Notfinanzierung ab.
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Hätten Anleger die Entwicklung erkennen können? Wie erfolgreich waren die Prognosen der Analysten Anfang 2012 für die vergangenen zwölf Monate? Angesichts der gravierenden Risiken, die ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und ein ungeordneter Austritt Griechenlands bedeutet hätten, gingen fast alle Beobachter davon aus, dass dieses Szenario verhindert werden würde. Aber die Argumentation war eine andere: Die meisten Volkswirte erwarteten, dass die Politik größere Fortschritte auf dem Weg zur Fiskal- und Bankenunion machen werde. Zudem glaubten fast alle, dass die EZB letztlich mit quantitativer Lockerung eingreifen werde.
Aber es kam nicht so: Die Reform des institutionellen Rahmens der Währungsunion erfolgt nur zögerlich, vor allem nachdem die EZB im Spätsommer eingriff, um die Märkte zu beruhigen und der Peripherie Zeit für ihr Anpassungsprogramm zu geben. Entscheidend war, dass die EZB ihr Notprogramm etwaiger Anleihekäufe vom Reformwillen der betroffenen Regierungen abhängig machte und dafür die so entscheidende Rückendeckung der Bundesregierung erhielt.

Euro ist stabile Währung

Diese Tandemlösung war besser, als es der Markt erwartet hatte. Das erklärt,warum sich die Risikoprämien der Peripherie so rasant abgebaut haben, die Anleger wieder an die Peripherie zurückkehren, die Kapitalflucht gebremst ist und sich die Märkte nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen - weder durch Zypern noch durch den Rücktritt von Mario Monti. Diese Ereignisse hätten im Frühjahr die Märkte noch erzittern lassen - jetzt beeinflussen sie die grundlegend positivere Einschätzung der Investoren nicht mehr. Im Gegenteil: Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen Italiens ist mittlerweile wieder auf 4,47 Prozent gefallen und die von Spanien auf 5,25 Prozent. Selbst Griechenlands entsprechende Rendite liegt wieder auf 11,9 Prozent, dem niedrigsten Stand seit der Umschuldung im März.
Jeder, der den sogenannten Rettungseuropäern und der EZB geglaubt hat, dass sie die Währungsunion durch diese Krise ziehen würden, hätte massive Gewinne an den Märkten einstreichen können. Wer - wie John Authers in der „Financial Times“ ausgerechnet hat - portugiesische Staatsanleihen gekauft hätte, wäre auf einen Gewinn von 77 Prozent gekommen. Wer griechische Schuldtitel nach der Umschuldung gekauft hätte, dessen Einsatz hätte sich - wie das Beispiel einiger Hedgefonds zeigt - leicht verdoppeln können. Wer Mitte des Jahres, als Draghi die Rettung des Euro versprochen hatte, Bankaktien der Währungsunion ins Depot aufgenommen hätte, läge mit gut 30 Prozent vorn. Ähnlich gut wäre ein Investor mit dem Kauf von guten europäischen Unternehmensanleihen gefahren oder mit dem Kauf des Dax-Index, der mit 7636 Punkten um 32 Prozent über dem Stand Anfang 2012 liegt - getrieben von äußerst niedrigen Refinanzierungskosten für deutsche Unternehmen und einem für den Export günstigen Wechselkurs.
Anders als viele Euroskeptiker vermutet haben, ist der Euro trotz aller Rettungsaktionen eine stabile Währung geblieben. Der Euro ist mit 1,32 Dollar gar etwas mehr wert als zu Beginn des Jahres mit 1,30 Dollar. Und die Anleger haben auch Bundesanleihen nicht aus Angst über Bord geworfen, nur weil Deutschland maßgeblich für die Rettung der Währungsunion bürgt.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

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