20. Mai 2013

Marktbericht

„Die alten Sorgen sind wieder da“

16. November 2012 Am Ende schloss der deutsche Leitindex 1,32 Prozent tiefer bei 6.950,53 Zählern und damit auf seinem Tagestief. Nach drei Verlusttagen in Folge hat er auf Wochensicht fast drei Prozent eingebüßt. Für den M-Dax ging es am Freitag um 1,03 Prozent au 10.957,53 Punkte bergab. Der Tec-Dax fiel um 0,47 Prozent auf 790,99 Punkte, während der marktbreite FAZ-Index derweil 1,10 Prozent auf 1499,34 Punkte abgab.

Wall Street vor Spitzentreffen nervös

Blicke der Wall Street sind zum Wochenausklang dagegen auf das Weiße Haus in Washington gerichtet. Dort trifft sich US-Präsident Barack Obama mit den Spitzen der Republikaner im Kongress, um über einen Ausweg aus dem Haushaltsstreit zu verhandeln. Sollte sich die US-Politik bis zum Jahresende nicht über zentrale Haushaltsfragen verständigen, treten mit Jahresbeginn automatisch massive Steuererhöhungen und Budgetkürzungen in Kraft. Diese dürften Amerika in die Rezession stürzen. Das Wall Street Journa berichtet unterdessen, dass im Weißen Haus an Plänen gearbeitet wird, wenigstens die drohenden Kürzungen im Haushalt abzufedern.
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Mit Sorge wird aber auch auf die Entwicklung des Konflikts zwischen der Hamas und Israel geschaut. In der Nähe Jerusalems hat eine Rakete auf unbewohntem Gebiet eingeschlagen. Aber auch von der Konjunkturseite gibt es schlechte Nachrichten. So ist die Industrieproduktion überraschend um 0,4 Prozent gefallen, während Volkswirte mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet hatten. Zur Begründung wird auf die Auswirkungen durch Wirbelsturm Sandy verwiesen. Der Dow-Jones-Index verliert 0,2 Prozent, der S&P-500 verzeichnet ein Minus von 0,4 Prozent und der Nasdaq-Composite verliert 0,5 Prozent.
„Solange es nicht mehr Klarheit in Bezug auf die drohende Fiskalklippe gibt und der Konflikt im Nahen Osten nicht gelöst wird, dürften sich die Märkte volatil entwickeln“, so Ryan Larson von RBC Global Asset Management. Investoren hoffen aber darauf, dass es unter den Vertretern der politischen Lager genügend Wille zur Einigung gibt. Aber die Diskussionen dürften zunächst weitergehen und die Märkte beeinflussen, ergänzt eine weitere Teilnehmerin.

Amerikanische Anleihen und Ölpreis fester

Am amerikanischen Anleihemarkt sorgen die Entwicklungen im Nahen Osten für steigende Notierungen. Mit den Berichten über einen Raketenabschuss der Hamas in Richtung Jerusalem haben die Umschichtungen in den sicheren Hafen der Anleihen zugenommen, so ein Händler.Da sowohl bei den heimischen Haushaltsverhandlungen als auch beim Konflikt im Nahen Osten nicht mit einer schnellen Lösung gerechnet wird, dürften die Notierungen zunächst weiter anziehen, heißt es aus dem Handel. Die Rendite zehnjähriger Papiere fällt auf 1,57 Prozent.
Der Ölpreis legt mit den Entwicklungen im Nahen Osten stark zu. Ein Barrel der Sorte WTI kostet 86,80 Dollar, nach 85,45 Dollar am Vortag. Es besteht die Sorge um eine Ausweitung des Konflikts. „Das Risiko einer Eskalation hat sich deutlich erhöht“, sagt ein Analyst. Der Dollar erholt sich gegenüber dem Euro, der zwischenzeitlich sogar schon unter die Marke von 1,27 Dollar fiel. Aktuell notiert er bei 1,2705 Dollar. Mit dem steigenden Dollar reduziert sich der Goldpreis etwas. Er notiert bei 1.713 Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,1 Prozent.

Schiff Nutrition-Aktie explodiert

Die Titel von Nike legten um 0,92 Prozent zu. Der-Sportartikel-Gigant erfreut seine Aktionäre: Die Quartalsdividende wird um 17 Prozent auf 21 US-Cent erhöht. Zudem verdoppelt das Unternehmen die Aktienzahl durch einen sogenannten Split. Nach oben ging es auch für Foot Locker. Nachdem der Einzelhändler für Sportschuhe und -textilien einen überraschend hohen bereinigten Gewinne je Aktie im dritten Jahresviertel erzielt hatte, verteuerten sich die Anteilsscheine um rund fünf Prozent.
Um fast 28 Prozent auf 43,27 Dollar schossen die Papiere von Schiff Nutrition nach oben. Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hatte das Kaufangebot von Bayer für den US-Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln mit einer Gegenofferte in Höhe von 42 Dollar deutlich übertrumpft. EXperten halten nun einen Bieterkrieg zwischen den Deutschen und den Briten für möglich.

Ausblick: Wenige Kaufargumente

Angesichts der jüngsten schwachen Tendenz und der vielfältigen globalen Problemfelder rechnen Experten auch in der neuen Woche mit einer angespannten Lage an den Weltbörsen. „Die alten Sorgen sind wieder da“, sagte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank mit Blick darauf, dass der Dax am Freitag erstmals seit Anfang September wieder unter 7.000 Punkte gefallen war. „Die Euro-Krise hat mit den ungelösten Problemen in Griechenland und Spanien eine Frischzellenkur erhalten, Amerika streitet sich wieder über die Schuldenproblematik, und zu allem Übel haben wir einen neuen Nahost-Konflikt.“
„Derzeit gibt es kaum Nachrichten, welche die trübe Herbststimmung an den Kapitalmärkten aufhellen können“, hieß es in einem Wochenausblick der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Laut Händler Markus Huber von ETX Capital sehen die Markteilnehmer die Krisenherde sehr pessimistisch und haben deshalb eher wenig Hoffnung und Vertrauen, dass die Politiker wirklich bald zufriedenstellende Lösungen finden werden. „Ein Ende der seit Mitte September andauernden Konsolidierung ist noch nicht in Sicht, eher sogar eine Intensivierung wahrscheinlich“, resümierte die Landesbank Berlin.

Korrektur oder Trendwende?

Für die Experten des Berliner Bankhauses ging der Abgabedruck zuletzt vornehmlich vom New Yorker Markt aus, wo die Angst vor der fiskalischen Klippe im Fokus stehe. Die Verhandlungen über einen Kompromiss zu deren Abwendung haben zwar am Freitag begonnen. Sollten sich die Fronten aber weiter verhärten, drohten zum Jahreswechsel Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen - und Experten sorgen sich, dass die weltgrößte Volkswirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. „Wir halten den jüngsten Rückschlag weiterhin für eine Korrektur und keine Trendwende“, schränkten die Berliner allerdings ihren eher pessimistischen Blick auf die neue Woche ein.
Unter Experten gibt es aber auch Stimmen, welche die Lage durchaus optimistisch sehen. Andreas Hürkamp von der Commerzbank etwa spricht davon, dass bereits ein Großteil der Aktieninvestoren pessimistisch gestimmt sei, weshalb die Kursschwäche an den Aktienmärkten auslaufen könnte. Und für Analyst Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) springen die Ampeln wieder auf Grün, wenn sich eine Lösung für den US-Haushalt abzeichnet. „Die jüngste Konsolidierung stellt somit aus unserer Sicht nur ein Luftholen dar, bevor an den Börsen die Jahresschlussrally eingeläutet wird“, so der Stuttgarter Experte.

Griechenland und Spanien im Blick

In der Eurozone reißen die Probleme derweil nicht ab. Ein am Markt erhoffter Hilfsantrag Spaniens ist weiterhin nicht in Aussicht, während die internationalen Geldgeber weiterhin über den Sanierungskurs in Griechenland streiten. Wenn sich die EU-Finanzminister am Dienstag treffen, um eine Lösung für das dortige Finanzloch zu finden, geht Yiagos Alexopoulos von der Credit Suisse zwar von einem Kompromiss aus. Der Experte hob zugleich aber auch das Risiko einer weiteren Verzögerung hervor, zumal die Parlamente den Beschlüssen noch zustimmen müssten, bevor die Hilfsmittel tatsächlich fließen. Christian Apelt von der Helaba betonte, dass selbst eine finale Zusage neuer Hilfskredite kein Befreiungsschlag für die Griechen sei.
Zur wachsenden Unsicherheit trägt zudem auch noch die unsichere Lage in Israel bei. Die Furcht vor einem neuen Nahost-Krieg wächst, nachdem am Donnerstag erstmals seit dem Golfkrieg 1991 in Tel Aviv wieder die Luftalarm-Sirenen heulten. Die gegenseitigen Angriffe zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern waren am Freitag auch während eines Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil weitergegangen.

Thanksgiving und Ifo

Wenig Gutes kam zuletzt auch von den Konjunkturindikatoren. Bevor am Donnerstag in Amerika wegen Thanksgiving der Handel pausiert, dürften Anleger deshalb das schon am Mittwoch anstehende Verbrauchervertrauen der Uni Michigan kritisch prüfen. Darüber hinaus werden zum Wochenauftakt aus Übersee nur noch Daten zur Lage am Immobilienmarkt erwartet.
In Europa stehen am Donnerstag die jüngsten Einkaufsmanagerindizes für den November im Fokus, gefolgt vom deutschen Ifo-Geschäftsklima am Freitag. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnet hier mit einer Stabilisierung, die Postbank dagegen mit einem neuerlichen Rückgang. Einig sind sich die Experten beider Häuser, dass sich die Einschätzung der Lage weiter eingetrübt haben dürfte. Bezüglich der Erwartungskomponente spricht die Postbank von einer Bodenbildung, die Helaba von einer leichten Aufhellung.

Berichtssaison neigt sich dem Ende

Auf Unternehmensseite stehen in der kommenden Woche nur noch die Themen rücken nicht zuletzt auch deshalb wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit, weil die Berichtssaison zum dritten Quartal so gut wie abgeschlossen ist“, hieß es seitens der LBBW. Mit dem Autovermieter Sixt  am Montag, dem Computer-Konzern Hewlett-Packard am Dienstag, dem Immobilienunternehmen Gagfah am Mittwoch und dem Internetdienstleister United Internet am Donnerstag gibt es nur noch wenige Nachzügler.


Text: FAZ.net mit Reuters, dpa-AFX
Bildmaterial: F.A.Z.

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