17. Mai 2012

Nach Fusionsabsage

Deutsche-Börse-Aktie steigt

Von Daniel Mohr
02. Februar 2012 Der Aktienkurs der Deutschen Börse ist am Donnerstag um bis zu 6 Prozent auf gut 48 Euro gestiegen. Damit war die Aktie einen Tag nach der Untersagung der Fusion mit der Nyse Euronext durch die EU-Kommission der größte Gewinner im Dax. Der Index selbst zeigte sich am Nachmittag kaum verändert. Marktteilnehmer sprachen von großer Erleichterung. Die Unsicherheit, ob und zu welchen Bedingungen eine Fusion zustande komme und wie sich diese letztlich auf die Deutsche Börse auswirke, habe den Kurs belastet.
"Das schwebende Fusionsverfahren war seit Monaten ein Bremsklotz für die Aktie", sagt Martin Peter, Aktienanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. "Nachdem die Börsenaktie monatelang dem Markt hinterher gelaufen war, gibt es jetzt den Versuch einer Neubewertung." Peter hat die Aktie deshalb schon am Dienstag auf die Empfehlung "Kaufen" heraufgestuft. "Die Börse erwirtschaftet verlässliche Gewinnmargen von mehr als 50 Prozent, da ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal 10 zu niedrig, 12 bis 14 wären im historischen aber auch im Konkurrenzvergleich angemessen", sagt der LBBW-Analyst.
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Ein langer Weg bis zum Erfolg

Große Wachstumssprünge erwartet er jedoch nicht. "Die Banken als größte Kunden der Börse machen derzeit eher eine Schrumpfkur, so dass bis 2019 durchschnittlich mit einem Umsatzwachstum von 2 Prozent für die Börse zu rechnen ist", sagt Peter. "Ohne Neuigkeiten wird der Kursanstieg daher nicht lange weitergehen." Kursphantasie könnte der Verweis auf ein eventuelles Aktienrückkaufprogramm im zweiten Halbjahr wecken, schließlich verfüge die Börse über genügend Mittel. Auch müsse eine neue Rechnung aufgestellt werden, falls es der Börse gelingen sollte, mehr außerbörslichen Handel auf ihre Plattform zu bekommen. "Hier wird allerdings seit mehr als drei Jahren davon gesprochen, ohne dass die Börse daran bisher auch nur einen Euro verdient hätte", sagt Peter.
Grundsätzlich skeptisch sieht Konrad Becker, Analyst des Bankhauses Merck Finck, die weitere Entwicklung der Aktie der Deutsche Börse AG. "Nach der gescheiterten Fusion herrscht bei einigen Anlegern erst einmal Erleichterung, danach wird aber schnell Ernüchterung einkehren", sagt Becker. "Die Sonderdividende von 2 Euro wird es nicht geben und größere Kosteneinsparungen sind wohl auch nicht mehr drin. Ob die Umsätze in 2012 stark ansteigen, hängt davon ab in welchem Umfang die Liquiditätsschwemme der Zentralbanken den Weg auf die Wertpapiermärkte findet." Becker ist zudem für die Hoffnungsträger Asien und außerbörslichen Handel (OTC) skeptisch: "Viele große Aktionäre der Börsen sind OTC-Nutzer und werden sich den Markt nicht von der Börse kaputt machen lassen", sagt Becker. "Genau wie in Asien ist es ein langer Weg bis zum Erfolg, da ist viel diplomatische Tätigkeit nötig."

Mit neuen Anläufen wird nicht gerechnet

Die Analysten von JP Morgan stuften die Aktie nach der gescheiterten Fusion zwar auch hoch, allerdings nur von "Untergewichten" auf "Neutral". Nun stehe die Bewertung des Börsenbetreibers selbst wieder im Fokus. Der Branche stehe jedoch eine schwierige Zeit bevor. Das Kursziel wurde mit 45 Euro unterhalb des aktuellen Kurses angegeben. Phantasie könnte jedoch geweckt werden, falls das Unternehmen über die Jahresdividende hinaus Kapital an die Aktionäre ausschütte. Hier wird mit einer Aussage anlässlich der Bekanntgabe der Jahreszahlen des Konzerns am 13. Februar gerechnet.
Mit neuen Anläufen für eine Großfusion rechnet keiner der Analysten. Zu oft sei die Börse in den vergangenen Jahren mit solchen Plänen gescheitert. Kleinere Zukäufe oder neue Gemeinschaftsunternehmen seien jedoch denkbar, zumal die Börse über genügend Kapital verfüge.
In den meisten Depots der Börsenaktionäre wird es zudem in der nächsten Woche wieder zu einer Umstellung kommen. Nachdem die EU-Kommission ihre Entscheidung der Deutschen Börse am Donnerstag auch förmlich zugestellt hatte, teilte diese mit, dass die zum Umtausch angedienten Aktien mit der Wertpapierkennnummer (WKN) A1K RND nach Handelsschluss am 7. Februar von den depotführenden Banken wieder in die ursprünglichen Deutsche Börse-Aktien mit der WKN 581 005 zurückgebucht werden. Der Handel mit den zum Tausch in die Aktien der fusionierten Börse angedienten Aktien wird hernach eingestellt. Diese Aktiengattung wird zudem wieder aus dem Dax entnommen und durch die ursprüngliche Deutsche Börse-Aktie ersetzt. Im F.A.Z.-Index ist dieser Tausch nicht nötig. Hier waren von vorneherein die ursprünglichen Deutsche Börse-Aktien im Index verblieben.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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