18. Mai 2013

Staatsanleihen

Deutlicher Rückgang der Risikoprämien für Krisenländer

Von Stefan Ruhkamp
11. Januar 2013 Die Erholung auf dem Markt für Staatsanleihen der Euro-Krisenländer setzt sich fort. In den vergangenen Wochen sind die Risikoprämien für die Schuldtitel etwa von Spanien und Italien deutlich gefallen. Der Abstand zwischen der Rendite spanischer und deutscher zehnjähriger Anleihen hat sich seit dem Höhepunkt im Sommer vergangenen Jahres von 6,4 auf rund 3,3 Prozentpunkte fast halbiert. Für italienische Staatsanleihen ist der Renditeaufschlag relativ zu deutschen Bundesanleihen von zeitweise 5 auf zuletzt 2,5 Prozentpunkte gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit März 2012. Ausgelöst wurde die Abwärtsbewegung Ende Juli vergangenen Jahres, als die Europäische Zentralbank ankündigte, notfalls unbegrenzt zugunsten der Krisenländer auf dem Anleihemarkt zu intervenieren, um der Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion zu begegnen.
Spanien und Italien haben sich schon in den ersten Tagen des Jahres die verbesserten Finanzierungsbedingungen zunutze gemacht. Spanien gelang am Donnerstag eine Emission zu auffällig günstigen Konditionen und emittierte mehr, als zuvor angekündigt worden war. Am Freitag zog Italien nach und begab Titel im Wert von 5 Milliarden Euro. Die Verzinsung war die niedrigste bei einer Neuemission seit März 2010. Wenig später erreichte die Schuldenkrise im Euroraum ihren ersten Höhepunkt als im Griechenland im Mai das erste Hilfsprogramm erhielt und die Europäische Zentralbank mit dem ersten Programm für den Ankauf von Staatsanleihen begann.
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Der Euro legte wieder zu

Italien bot den Investoren am Freitag für zweijährige Titel im Wert von 3,5 Milliarden Euro 1,85 Prozent jährliche Rendite. Bei einer Auktion im Dezember lag dieser Wert noch bei 2,5 Prozent. Das Schatzamt in Rom brachte außerdem für 1,5 Milliarden Euro variabel verzinste Anleihen mit einer Laufzeit von vier Jahren auf den Markt. Die Nachfrage der Investoren hätte für das 1,5fache der angebotenen Summe gereicht. Am Donnerstag hatte Italien einjährige Geldmarktpapiere im Wert von 8,5 Milliarden Euro mit der niedrigsten Rendite seit drei Jahren emittiert.
Der Euro legte am Freitag weiter zu und erreichte mit 1,3366 Dollar je Euro den höchsten Wert seit dem Frühjahr vergangenen Jahres. Den Optimismus der Investoren hat EZB-Präsident Mario Draghi nach der Zinsentscheidung am Donnerstag verstärkt. Er betonte die Stabilisierung auf den Finanzmärkten und beschrieb die Anzeichen für wiederkehrendes Vertrauen. Auch die seit Jahresbeginn erstmalige Anwendung von Anleiheklauseln, die im Fall einer Staatspleite den Gläubigern eine für alle Gläubiger bindende Änderung von Zins, Laufzeit und Nennwert der Staatsanleihen ermöglicht, hat an der sich belebenden Risikofreude der Investoren nichts geändert.

Hohe Gewinne mit portugiesischen Anleihen

Auffällig ist, dass sich auch die Risikoprämien für Euroländer mit solider finanzierten Staatshaushalten in den vergangen Wochen deutlich verringert haben. Der Abstand französischer zu deutschen Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit beträgt noch knapp 0,6 Prozentpunkte. In den Jahren vor der Finanz- und Schuldenkrise gab es den Abstand zwar gar nicht. Doch danach erhöhte er sich kontinuierlich und schoss Ende 2011 für kurze Zeit sogar auf 1,9 Prozentpunkte. Ähnlich war die Entwicklung für die Risikoprämie belgischer Staatsanleihen. Die Regierungskrise und die Furcht vor einer Trennung in einen wallonischen und einen flämischen Landesteil trieben den Renditeabstand zu Bundesanleihen sogar auf bis zu 3,6 Prozentpunkte. Heute rentieren belgische Anleihen wieder mit 2,2 Prozent, während deutsche zehnjährige Bundesanleihen etwa 1,6 Prozent jährlichen Ertrag versprechen. Auch für Belgien hat sich die Risikoprämie also auf 0,6 Prozentpunkte verringert.
Investoren, die frühzeitig auf diese Trendwende gesetzt haben, konnten erhebliche Kurs- und Zinsgewinne einstreichen. Besonders groß waren sie mit portugiesischen Anleihen. Seit Anfang Juli 2012 haben sie über alle Laufzeiten hinweg einen Ertrag von 36 Prozent ermöglicht. Für irische und italienische Titel beträgt das Anlageergebnis im selben Zeitraum rund 15 Prozent. Für Bundesanleihen steht unter dem Strich wegen des jüngsten Anstiegs der Renditen für besonders sichere Anlagen nur noch ein kleines Plus, für niederländische Titel sogar ein kleines Minus. Über den gesamten Euroraum betrachtet beträgt das Anlageergebnis für Staatsanleihen durchschnittlich 7 Prozent.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.

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