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Studienfonds
Der Student als Geldanlage
Von Christian von Hiller
19. September 2012 Der amerikanische Politiker und Wissenschaftler Benjamin Franklin wusste vor mehr als 200 Jahren: „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ Deutsche Anleger können diese Lebensweisheit beim Namen nehmen. Immer mehr Finanzgesellschaften legen Fonds auf, mit deren Hilfe Anleger in Bildung investieren können.
Die Deutsche Bildung AG in Frankfurt hat nun ihren zweiten Studienfonds gestartet, dessen Laufzeit nicht begrenzt ist und zu dem Anleger 10 Millionen Euro Eigenkapital beigesteuert haben. Dieses soll um Darlehen von bis zu 15 Millionen Euro gesteigert werden, so dass der Fonds dann 25 Millionen Euro in Form von Förderverträgen an Studenten ausreichen kann.
Eine Alternative zu Bafög oder Bildungskrediten
„Viele junge Menschen beginnen erst gar kein Studium, weil sie die finanziellen Mittel nicht haben“, sagte Ulf Becker, künftig Vorstand der Deutschen Bildung. „Wir konnten Investoren für die Idee begeistern, dieser Entwicklung entgegenzusteuern.“
Während ihres Studiums erhalten die Studenten eine finanzielle Unterstützung aus dem Fonds und zahlen diese dann monatlich aus ihrem späteren Einkommen zurück. Damit bieten Bildungsfonds Studenten eine Alternative zum Bafög-Bankdarlehen und zum Studien- oder Bildungskredit der KfW.
Den ersten Fonds legte eine Vorgängergesellschaft der Deutschen Bildung 2007 auf. Er hat eine begrenzte Laufzeit bis 2015 und ein Eigenkapital von 7 Millionen Euro. Die Laufzeitbegrenzung schaffe ein zu enges Korsett, meinte Becker.
Zu großer Aufwand für Privatkunden
Die Deutsche Bildung ist nicht der einzige Anbieter von Bildungsfonds. Auch Career Concept in München tut sich schwer damit, Privatanleger einzubinden. Dabei hat dieser Anbieter derzeit zehn Bildungsfonds im Programm, die rund 2.000 Studenten fördern.
Das liege nicht an mangelndem Anlegerinteresse und nicht an mangelnder Attraktivität der Produkte, meinte Rolf Zipf, Vorstand Strategie und Vertrieb der Career Concept AG. „Gerade für private Anleger wären Bildungsfonds sehr sinnvoll“, sagte Zipf.
Diese Produkte böten einen hohen Schutz vor Inflation, eine interessante Diversifikation des Portfolios, stabile Mittelzuflüsse und profitierten von steigenden Realeinkommen für Akademiker. „Doch leider stehen unsere aktuellen Fonds privaten Anlegern nicht offen“, sagte Zipf. „Der Aufwand wäre einfach zu groß.“
Den letzten Publikumsfonds legte Career Concept 2009 auf. Die regulatorischen Anforderungen seien zu groß, und außerdem stünde im Markt für geschlossene Beteiligung gerade eine Neuregulierung mit Schaffung des Kapitalgesetzbuches an. „Für die Zukunft will ich neue Publikumsfonds nicht ausschließen“, sagte Zipf.
„Die Erfahrungswerte mit den Rückzahlern aus dem ersten Studienfonds zeigen, dass Anleger langfristig stabile Renditen erwirtschaften können“, sagte Deutsche-Bildung-Vorstand Becker. Mehr als 550 Studenten habe das Unternehmen schon gefördert, mehr als 270 befänden sich in der Rückzahlung. Die Studenten werden zudem bei der Deutschen Bildung zusätzlich gefördert.
6 bis 7 Prozent Rendite jährlich werfen die Fonds von Career Concept im Durchschnitt ab. Auf eine ähnliche Verzinsung kommt die Brain Capital GmbH in Vallendar. In dieser Größenordnung liegt auch die Deutsche Bildung.
Nicht der Fachbereich, sondern Entschlossenheit zählt
Die Gesellschaft wurde 2005 an der WHU nahe Koblenz gegründet und betreut heute rund zehn Bildungsfonds, die etwa 500 Studenten an sechs Hochschulen fördern. Immerhin mehr als 100 private Investoren hat Brain Capital eingebunden, so wie auch Career Concept und Deutsche Bildung ebenfalls durch Direktansprache interessierte Privatinvestoren gewonnen haben.
Rund 17.000 Euro zahlt Career Concept im Durchschnitt je Student aus. Im Berufsleben zahlen sie dann 3 bis 9 Prozent ihres Bruttoeinkommens über vier bis acht Jahre, selten über zehn Jahre, zurück. Einen Zinssatz kann Zipf nicht nennen, weil dieser individuell mit dem Studenten ausgehandelt werde, je nach akademischer Leistung und dem Persönlichkeitsprofil, das individuell getestet werde.
Die Fachrichtungen seien bunt gemischt, meint Zipf, der entgegen eines Vorurteils auch Geisteswissenschaftler zu fördern bereit ist. „Entscheidend ist für uns die Entschlossenheit des Bewerbers, sein Studium in eine berufliche Perspektive umzumünzen“, sagt Zipf. Schließlich wusste schon der amerikanische Schriftsteller Mark Twain: „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn der letzte Dollar weg ist.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013.
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