17. Mai 2012

Nebenwerte

Der M-Dax erreicht ein Jahreshoch

Von Alexander Armbruster
04. Juli 2011 Die Aktienkurse mittelgroßer deutscher Unternehmen legen weiter zu. Am Montag erreichte der Nebenwerteindex M-Dax im Verlauf ein Jahreshoch von 11.121 Punkten. Das ist eine Steigerung von 1,2 Prozente gegenüber dem Schlussstand vom vergangenen Freitag und ein Anstieg von 9,5 Prozent bezogen auf den Jahresanfang. Der F.A.Z-Index, der die hundert wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen abbildet, oder der dreißig Standardwerte umfassende Dax schnitten weniger gut ab. Die Aktienkurse deutscher Nebenwerte nähern sich damit schon wieder ihrem höchsten Niveau überhaupt: Sein bisheriges Allzeithoch erreichte der M-Dax am 13. Juli 2007 mit 11.493 Punkten. Im Zuge der Finanzkrise brach er anschließend bis auf rund 4000 Punkte im Frühjahr 2009 ein. Seitdem erholt er sich nahezu kontinuierlich.
„Wir haben jetzt wieder einige erleichternde Nachrichten bezüglich Griechenlands, der Vereinigten Staaten und China bekommen, die das Umfeld für Aktien insgesamt aufhellen“, sagt Björn Glück, Portfoliomanager der deutschen Fondsgesellschaft Lupus Alpha. „Die Nebenwerte sind gut nach oben gelaufen, zumal die jüngste Angst um Griechenland erst mal aus dem Markt raus ist“, sagt auch Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank.
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In Griechenland stimmte das Parlament unlängst einem neuen, weiter reichenden Sparpaket der Regierung zu, woraufhin die ansonsten für wahrscheinlich gehaltene Zahlungsunfähigkeit des Landes erst einmal abgewendet werden konnte. In den Vereinigten Staaten ist nach einer Serie schlechter Konjunkturdaten am vergangenen Freitag der viel beachtete Index des Institute for Supply Management (ISM) überraschend positiv ausgefallen. Diese Nachricht unterstützte die Ansicht vieler Marktbeobachter, wonach die größte Volkswirtschafts der Welt nur unter einer vorübergehenden Wachstumsschwäche leidet. Die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland ist nach wie vor robust und stützt das Umfeld für die häufig stark an der heimischen Industrie hängenden deutschen Nebenwerte ohnehin.
Zu den derzeit attraktiven Nebenwerten zählt Commerzbank-Analyst Wallner vor allem Aktien, deren Kurse generell überdurchschnittlich von einem sich aufhellenden wirtschaftlichen Umfeld profitieren. „Auch im Nebenwertebereich setzen wir momentan eher auf zyklische Werte, die eine hohe Gewinndynamik aufweisen und außerdem günstig bewertet sind.“ Darunter finden sich seiner Ansicht nach etwa der Stahlhändler Klöckner, der Kupferproduzent Aurubis und der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister. Alle drei Unternehmen sind, gemessen am Verhältnis zwischen ihrem aktuellen Marktwert und dem aus der Bilanz ermittelten Unternehmenswert (Preis-Buch-Wert) gerade günstig bewertet. Nach dieser Kennzahl noch niedriger bewertet wird derzeit der Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter, dessen Aktienkurs zudem seit Jahresanfang rund 6 Prozent nachgegeben hat und der aus Sicht von Marktteilnehmern in einem steigenden Markt überdurchschnittlich nachholen sollte.
Die Mehrheit der beim Finanzdatenportal Bloomberg registrierten Analysten empfiehlt auch die Aktie des Triebwerkherstellers MTU. Der Kurs hat in diesem Jahr zwar schon um mehr als 10 Prozent zugelegt, allerdings besteht weitere Kursphantasie in dem Wert. Marktbeobachter nennen etwa das während der Flugschau Le Bourget bei Paris unlängst geäußerte Interesse an der energiesparenden Version des Airbus A320 (A320-Neo), für den MTU die Triebwerke entwickelt.

Spekulationen um Übernahmen

Ebenfalls positiv gesehen wird das Chemieunternehmen Wacker Chemie, weil es den Rohstoff für die Herstellung von Solarzellen produziert und dieser Bereich der Wertschöpfungskette vergleichsweise margenstark ist. Zumal von chinesischen Wettbewerbern sei weniger Konkurrenz zu erwarten, als das in der Produktion von Solarzellen selbst bereits der Fall ist. „Wir sehen im Bereich der Nebenwerte insgesamt eher eine nachlassende Dynamik, weil die Gewinnschätzungen bereits sehr ambitioniert sind. Es gibt aber trotzdem bei einzelnen Werten aufgrund günstiger Bewertungen Chancen“, sagt Stefan Dudacy, Portfoliomanager beim Bankhaus Metzler in Frankfurt: „Sowohl Rhön-Klinikum als auch das IT-Haus Bechtle finden wir im aktuellen Umfeld noch attraktiv bewertet.“
Ein kurstreibendes Thema im Bereich der deutschen Nebenwerte bleibt demgegenüber die Frage, welches Unternehmen möglicherweise übernommen wird. Viele große Konzerne verfügen nach wie vor über eine gut gefüllte Kasse und könnten Übernahmen im Milliardenbereich stemmen. Ein Übernahmeangebot liegt typischerweise deutlich über dem aktuellen Börsenkurs und bedeutet demzufolge für die Aktionäre des Zielobjektes einen satten Kursgewinn. „Viele Werte des M-Dax sind auf aktuellen Kursniveaus potentielle Übernahmeziele“, sagt Portfoliomanager Glück.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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