17. Mai 2012

Blick auf den Finanzmarkt

Dax erholt sich zum Start

29. Dezember 2011 Der deutsche Aktienmarkt hat nach deutlichen Vortagesverlusten am Donnerstag zur Erholung angesetzt. Der Dax gewann kurz nach Börsenstart 0,65 Prozent auf 5.808,95 Punkte. Der MDax rückte um 0,20 Prozent auf 8.770,04 Punkte vor und der TecDax stieg um 0,24 Prozent auf 676,08 Punkte. Die Handelsumsätze dürften vor Silvester weiterhin extrem dünn bleiben, sagten Börsianer. Dadurch könnten sich erneut eher Zufallskurse als eine klare positive Richtung herauskristallisieren.
Zudem stehen weitere Platzierungen italienischer Staatsanleihen an. Darunter befinden sich diesmal auch Papiere mit längeren Laufzeiten von drei und zehn Jahren, die "ein besserer Test für den Appetit des Marktes" seien als die am Mittwoch begebenen Kurzläufer. Im Fokus steht außerdem auch weiterhin die Euro-Entwicklung, nachdem die Gemeinschaftswährung tags zuvor zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Januar eingebrochen war und auch den Dax um zwei Prozent nach unten gerissen hatte.
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Im Dax legten die Aktien der Deutschen Börse an der Index-Spitze um 1,35 Prozent zu. Ein Grund dafür könnten letzte Aktienrückkäufe durch das Unternehmen sein, nachdem der Konzern Ende Oktober ein Rückkaufprogramm bis Ende des Jahres über rund 100 Millionen Euro angekündigt hatte. Zu den schwächsten Werten zählten die Aktien der Versicherer Allianz und Munich Re , die um jeweils 0,46 Prozent nachgaben.
Die Anteilsscheine von RWE stiegen um unterdurchschnittliche 0,38 Prozent. Der Energieversorger wird laut der "Börsen-Zeitung" seine Ergebnisbelastung aus dem Atomausstieg wohl besser abfedern können als erwartet. Der Grund hierfür liege in der positiven operativen Entwicklung der Braunkohleverstromung, hieß es unter Berufung auf Informationen aus dem Konzern. Zudem habe der Preisverfall bei den CO2-Zertifikaten die Margen deutlich verbessert. Im ersten Quartal 2012 wird zudem nach mehrjähriger Bauzeit und Investitionen von mehr als 2 Milliarden Euro in Neurath bei Köln sein neues Braunkohle-Großkraftwerk ans Netz nehmen.
Im MDax stiegen die Aktien von Continental um 0,57 Prozent auf 47,85 Euro. Wie der Chef des Autozulieferers, Elmar Degenhart, der "Süddeutschen Zeitung" sagte, ist die Geschäftsentwicklung des Autozulieferers im vierten Quartal sehr gut verlaufen. Der Umsatz werde trotz des traditionell schwachen Dezembers leicht über dem Niveau des dritten Quartals von 7,71 Milliarden Euro liegen. Ein Händler wertete dies positiv, obwohl Degenhart "nichts zum Gewinn" gesagt habe. "Die Aussagen zum Umsatz bedeuten aber, dass der Jahresumsatz von Conti mindestens bei 30,3 Milliarden Euro liegen dürfte und damit über der Unternehmensprognose von 29,5 Milliarden Euro und der bisherigen durchschnittlichen Analystenschätzung von 30,15 Milliarden Euro."
Der Agrarhändler Baywa verlängerte seine Angebotsfrist für den neuseeländischen Obsthändler Turner & Growers um 30 Tage. Das angepeilte Angebotsende verschiebt sich damit nun auf den 8. Februar. Nach dem Ausstieg aus dem Bau- und Gartenmarktgeschäft wollen die Bayern im internationalen Obsthandel mitmischen und dürften für das börsennotierte neuseeländische Unternehmen je nach Annahmequote des öffentlichen Übernahmeangebots zwischen 79 und 125 Millionen Euro zahlen. Die Aktie zeigte sich mit plus 0,07 Prozent nahezu unverändert.

Bund-Future vor Italiens Bond-Auktion behauptet

Vor der mit Spannung erwarteten Emission weiterer italienischer Anleihen haben sich Anleger am Donnerstag mit Engagements am europäischen Rentenmarkt zurückgehalten. Der Bund-Future behauptete seine Vortagesgewinne und notierte fast unverändert bei 138,19 Punkten. Bei einer erfolgreichen Emission verringerten sich nicht nur die Renditen und damit die Zinsbelastungen für Italien, betonte Finanzmarkt-Experte Martin Lakos von Macquarie Private Wealth. Eine hohe Nachfrage wäre auch ein dringend benötigtes Zeichen der Zuversicht.
Italien will drei- und zehnjährige Papiere im Volumen von 8,5 Milliarden Euro verkaufen. Die Auktion kurzlaufender Papiere am Vortag war auf reges Interesse gestoßen. Das südeuropäische Land konnte sich deutlich billiger mit frischem Geld versorgen. Die Renditen der bereits ausgegebenen zehnjährigen italienischen Titel pendelten am Donnerstag um die Marke von sieben Prozent.

Aktienmärkte in Asien unter Druck

Die asiatischen Aktienmärkte haben sich am Donnerstag kurz vor Jahresende bei dünnen Umsätzen nervös präsentiert. Eine erwartete Milliarden-Emission italienischer Staatsanleihen sorgte Händlern zufolge für zusätzliche Unsicherheit. Die schwachen Vorgaben aus den USA sowie Europa taten ihr Übriges. "Wenn es beim Verkauf der italienischen Bonds ein Drama gibt, dann wird der US-Markt natürlich auch fallen und möglicherweise geht der Nikkei dann morgen noch weiter nach unten", sagte Hiroyuki Fukunaga von Investrust.
In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index noch 0,3 Prozent schwächer bei 8398 Punkten. Zuvor hatte er sogar mehr als ein Prozent verloren. Der breiter gefasste Topix-Index beendete den Handel fast unverändert bei 722 Zählern. Vor allem die Titel exportorientierter Unternehmen mit einem hohen Geschäftsanteil in Europa mussten Einbußen hinnehmen. Fast alle konnten ihre Verluste bis Handelsende aber wieder eingrenzen: Die Aktien des Elektronikkonzerns Sony schlossen kaum verändert, Canon verloren noch 0,4 Prozent, und der Roboter-Hersteller Fanuc ging mit minus 0,5 Prozent aus dem Handel. Die Investoren stießen allerdings massiv Papiere des Chipherstellers Elpida ab, der Medienberichten zufolge Staatshilfen erst verzögert zurückzahlen will. Der Kurs sackte um fast sechs Prozent ab.
"Alle halten ihr Geld zusammen und niemand ist bereit, ein Risiko einzugehen", sagte Hajime Nakajima von Xosmo Securities. "In einer solchen Marktstimmung kann das Geld nirgendwohin fließen." Seiner Schätzung zufolge wird der Nikkei mit einem Stand bei 8300 Punkten ins neue Jahr gehen. Die Aktienmärkte in Südkorea, Taipeh und Singapur notierten kaum verändert. In Hongkong und Shanghai zeichnete sich keine einheitliche Tendenz ab.
Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, will im Laufe des Tages bis zu 8,5 Milliarden Euro mit drei- und zehnjährigen Papieren einsammeln. Experten gingen im Vorfeld davon aus, dass die Nachfrage relativ gering ausfallen dürfte. Es ist das erste Mal, dass Italien seit dem jüngsten Geldsegen der Europäischen Zentralbank für Banken mit langfristigen Papieren an den Markt geht. Eine Auktion kurzfristiger Papiere bescherte den hoch verschuldeten Südeuropäern am Mittwoch relativ niedrige Finanzierungskosten.

Euro in Fernost auf Jahrestief

Die anhaltende Unsicherheit wegen der Schuldenkrise hat den Euro in Fernost auf den tiefsten Stand des Jahres gedrückt. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Donnerstag in Asien auf bis zu 1,2887 Dollar. So billig war er seit dem 10. Januar nicht mehr. Später erholte er sich wieder auf 1,2923 Dollar. "Solange nichts geschieht wie eine Ausweitung der Rolle der Europäischen Zentralbank, bleibt es schwierig, sich gegen diesen Abwärtstrend zu stemmen", sagte ein Devisen-Händler einer großen japanischen Bank. Die Investoren drängen darauf, dass die EZB mehr Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder kauft und damit deren Finanzierung erleichtert. Deutschland hat einen solchen Schritt kategorisch ausgeschlossen.
Nervosität herrschte zudem wegen einer am Vormittag erwarteten Emission langfristiger italienischer Anleihen. Als Beleg für eine massive Störung des Marktes wurde zudem die Tatsache bewertet, dass europäische Banken zuletzt über Nacht so viel Geld bei der EZB in Sicherheit gebracht haben wie nur zu heftigsten Krisenzeiten.
Zur japanischen Währung notierte der Euro mit 100,35 Yen so schwach wie seit zehn Jahren nicht. Am Nachmittag wurde er dann mit 100,57 Yen gehandelt. Die Schweizer Währung kostete 0,9423 Franken je Dollar und 1,2186 Franken je Euro.

Ölpreise steigen - Leichte Erholung nach Vortagesverlusten

Die Ölpreise sind am Donnerstag vor der Veröffentlichung der neuesten Daten zu den US-Ölreserven leicht gestiegen. Händler sprachen aber kurz vor dem Jahresende von einem ruhigen Handel mit geringen Umsätzen. Am frühen Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 107,71 US-Dollar und damit 15 Cent mehr als am Vortag. Ein Fass US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 17 Cent auf 99,53 Dollar.
Am Vortag hatte noch ein starker Anstieg des US-Dollar die Ölpreise zeitweise kräftig unter Verkaufsdruck gesetzt. Im asiatischen Handel habe sich die Lage an den Ölmärkten aber wieder beruhigt, hieß es weiter. Im weiteren Handelsverlauf warten die Anleger nach Einschätzung von Marktbeobachtern auf die neusten Daten zu den Ölreserven in den USA. Zuletzt hatte in der vergangenen Woche ein unerwartet starker Rückgang der Öllagerbestände in der größten Volkswirtschaft der Welt die Preise kräftig steigen lassen.

Wall Street schließt schwach

Die wichtigsten US-Aktienindizes sind am Mittwoch mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Der Dow Jones Industrial gab um 1,14 Prozent auf 12151,41 Punkte nach. Der Index würde bei diesem Stand das Jahr dennoch mit einem Plus von knapp fünf Prozent abschließen. Die wichtigsten europäischen und asiatischen Indizes hingegen werden 2011 aller Voraussicht nach deutlich im Minus beenden.
Der breiter gefasste S&P 500 fiel am Mittwoch nach fünf Gewinntagen in Folge um 1,25 Prozent auf 1249,64 Punkte. An der Nasdaq sank der Composite-Index um 1,34 Prozent auf 2589,98 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 1,14 Prozent auf 2267,08 Punkte.
Händler verwiesen darauf, dass die Kredite der Europäischen Zentralbank (EZB) an die Banken der Euro-Zone in der Vorweihnachtswoche auf 879 Milliarden Euro und die EZB-Bilanzsumme auf 2,73 Billionen Euro gestiegen ist. Zudem habe der Internationale Währungsfonds (IWF) noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob und wann Hilfsprogramme für Ungarn anlaufen sollten.
„Ungarn selbst ist keine große Sache“, betonte der Händler. Für Banken, die dort investiert seien, ergäben sich damit aber weitere Unsicherheiten. In einem dünnen Markt könnten selbst solche Nachrichten für Bewegung sorgen.
Alle Sektoren notierten im Minus. Besonders deutlich erwischte es Rohstofftitel. Die als defensiv eingestuften Telekommunikationswerte rutschten hingegen am wenigstens ab.
NYSE Euronext verloren 1,41 Prozent. Der Börsenbetreiber und die Deutsche Börse lassen sich nun offiziell bis Ende März Zeit für die geplante Fusion. Der 31. März 2012 ist - wie mehrfach berichtet - den Fusionsvereinbarungen vom Februar 2011 zufolge der letztmögliche Zeitpunkt, an dem sämtliche Genehmigungen der mehr als 40 in den Prüfungsprozess involvierten Wettbewerbs-, Aufsichts- und Regulierungsbehörden vorliegen müssen. Sollte dies nicht der Fall sein, verliert das Fusionsangebot seine Gültigkeit.
Sears Holding gaben nach dem heftigen Kursrutsch am Vortag nur unterdurchschnittlich nach. Nachdem die Aktien des Einzelhändlers am Vortag wegen schwacher Weihnachtsgeschäfte und der daraus folgenden Schließung von bis zu 120 Geschäften mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren hatten, ging es am Mittwoch um 0,15 Prozent nach unten.
Cavium rutschten um 1,19 Prozent ab. Der Chiphersteller hatte seinen Umsatzausblick für das vierte Quartal gekürzt.


Text: DPA-AFX
Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

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