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Ökostrom-Fonds
Breiter Beteiligungsmarkt für erneuerbare Energien
Von Christian von Hiller
05. Oktober 2012 Während erneuerbare Energien bei Privatanlegern in Deutschland stark an Beliebtheit eingebüßt haben, erfreuen sie sich bei institutionellen Investoren umso größeren Interesses. „Es lassen sich für Projekte im Bereich erneuerbare Energien immer noch Finanzierungen finden“, sagt Thomas Rüschen, Europa-Vertriebschef der Fondsgesellschaft DWS. „Es hat sich allerdings die Sicht auf das Risiko verändert.“ Positiv wertet Rüschen jedoch, dass heute mehr Know-how in der Finanzbranche vorhanden sei, um Projekte in Windkraft, Solar oder Geothermie zu finanzieren.
Vor seiner Zeit bei der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank war Rüschen viele Jahre lang für die Projektfinanzierung der Deutschen Bank verantwortlich und war in diesem Zusammenhang am Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa stark beteiligt. „In den vergangenen Jahren wurde die Finanzierung auf eine breitere Basis gestellt“, sagt er. „Es sind neue Finanzierungspartner in den Markt gekommen, und es haben sich neue Finanzierungsquellen aufgetan.“ So stellten die Banken insgesamt gesehen weniger Kapital für solche Projekte zur Verfügung. Stattdessen interessierten sich andere Akteure wie Versicherer verstärkt für derartige Engagements.
Das Interesse der Privatanleger erkaltet
Auch deutsche Privatanleger zeigen weniger Interesse an geschlossenen Beteiligungen an erneuerbarer Energie. So ging laut Zahlen des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) im zweiten Quartal dieses Jahres das plazierte Eigenkapital bei Solarfonds gegenüber dem Vorjahr um 54 Prozent auf nur noch 28,9 Millionen Euro zurück. Ende 2012 konnten die Fondsinitiatoren noch 79,3 Millionen Euro Eigenkapital bei Anlegern plazieren. Doch die drastische Kürzung von Fördermitteln vor allem für große Solarprojekte in Deutschland hat das Interesse der Privatanleger erkalten lassen.
Hinzu kommt, dass private Anleger derzeit generell ein geringeres Interesse an geschlossenen Beteiligungen zeigen. Das zeigt sich daran, dass die Fondsinitiatoren im zweiten Quartal insgesamt 796,5 Millionen Euro plazierten, 4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zu diesem Anstieg trugen allein institutionelle Investoren mit einem Plus von 131 Prozent bei. So hat auch die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, nun einen Fonds aufgelegt, der in erneuerbare Energien investiert und sich dabei zu rund 70 Prozent der Beteiligungen auf Windkraftanlagen in Europa konzentriert.
Allerdings richtet sich der Fonds nicht an Privatanleger, sondern ausschließlich an institutionelle Anleger, bei denen die Union Investment in einer ersten Finanzierungsrunde rund 50 Millionen Euro einsammeln konnte. Insgesamt soll der Fonds auf ein Investitionsvolumen von rund 1 Milliarde Euro kommen. Typischerweise werden Konstruktionen wie diese stets zum Teil mit Fremdkapital finanziert. Dass es hier zu Engpässen kommt, kann Arnim Sandhövel, der für den Versicherungskonzern Allianz den Bereich Climate Solutions verantwortet, nicht bestätigen.
„Für hochwertige Projekte gibt es nach wie vor keine Probleme, eine Fremdfinanzierung zu finden“, sagt Sandhövel, der gemeinsam mit Rüschen und Markus Gerhard von der Frankfurt School of Finance & Management das in diesem Jahr erschienene Buch „Finanzierung Erneuerbare Energien“ herausgegeben hat. „Auf beiden Seiten, sowohl bei den Projektentwicklern wie auch bei den Finanziers, fand in der vergangenen Dekade ein beträchtlicher Lerneffekt statt“, sagt Sandhövel. Beide Seiten wüssten, worauf es ankomme. Für die Versicherer seien erneuerbare Energien zunächst ein Thema für die klassische Sachversicherung.
Hier seien wichtige Erfahrungswerte aufgebaut worden. Gleichzeitig seien Beteiligungen an solchen Projekten aber auch ein Thema für die Versicherer. Die Allianz ist einer der größten Kapitalanleger der Welt. In Produktionsanlagen für erneuerbare Energien hat sie rund 1,3 Milliarden Euro investiert. Doch auch als Kreditgeber interessierte sich die Versicherungsbranche verstärkt für erneuerbare Energien. „Früher haben ausschließlich Banken das Fremdkapital zur Verfügung gestellt“, bestätigt Rüschen. „Heute interessieren sich mehr und mehr institutionelle Investoren dafür.“ So gebe es schon Ansätze für erste Kreditfonds, die für institutionelle Investoren Kredite für Projekte auch aus dem Bereich erneuerbare Energien kauften.
6 bis 8 Prozent Rendite jährlich
„Versicherern kommt das entgegen, denn sie brauchen einen langen Anlagehorizont und stabile Einnahmeströme“, sagt Rüschen. „Auch die Fondsbranche arbeitet an solchen Lösungen.“ Denn eine Fondsstruktur böte eine breitere Risikostreuung als eine direkte Kreditvergabe. „Im Portfolio der Allianz spielten Kredite, sogenannte Corporate Loans, schon immer eine Rolle“, bestätigt Sandhövel. „Inzwischen hat man ein Team aufgebaut, das speziell für Kredite im Infrastrukturbereich Lösungen anbietet. Hierzu gehören auch erneuerbare Energien.“ Die Renditen von Anlagen aus dem Bereich erneuerbare Energien kommen laut Rüschen auf 6 bis 8 Prozent jährlich.
Dies ist auch die durchschnittliche Verzinsung, die der neue Fonds der Union Investment seinen Eigenkapitalgebern verspricht. Dies hilft angesichts der niedrigen Rendite, die sich derzeit mit Bundesanleihen erzielen lässt, den Versicherern, die Garantieverzinsung von Lebensversicherungen hoch zu halten. „Alle Versicherer versuchen derzeit, ihren Portfolios reale Vermögenswerte beizumischen“, sagt Sandhövel. Da eigneten sich erneuerbare Energien besonders, weil sie einen relativ stabilen Ertragsstrom in Aussicht stellen könnten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ZB
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