23. Mai 2013

Zusätzliche Liquidität

Börse liefert Fakten für Hochfrequenzhandel

Von Daniel Mohr
14. Januar 2013 Um der Kritik am ultraschnellen Börsenhandel zu begegnen, hat die Deutsche Börse der Öffentlichkeit erstmals tiefen Einblick in ihre Handelsbücher gewährt. Mit den Daten widerlegt sie den Vorwurf gegen Hochfrequenzhändler, diese würden in schwachen Marktphasen den Abwärtstrend bis hin zu einem Crash verstärken und in besonders hektischen Marktphasen aus dem Markt verschwinden.
Die Deutsche Börse hat dazu beispielhaft die Orderbücher von den drei hektischsten Handelstagen aus dem Jahr 2011 ausgewertet und die Ergebnisse auf einem Pressetermin am Montag vorgestellt. Am 25. August 2011 hatte der Dax binnen wenigen Minuten von knapp 5700 Punkten um gut 4 Prozent auf rund 5450 Punkte nachgegeben. Statt 300 Dax-Kontrakten je Minute gingen an der Terminbörse Eurex 1700 Stück um. „Wir haben das Verhalten der Hochfrequenzhändler an diesem außergewöhnlich hektischen Börsentag mit dem der anderen Handelsteilnehmer verglichen“, sagt Randolf Roth, Leiter der Abteilung Geschäftsentwicklung der Eurex: „Im Ergebnis haben die Hochfrequenzhändler ihre Handelsaktivität in der kritischen Phase deutlich erhöht, haben sich also nicht vom Markt entfernt, und sie haben auch nicht nur verkauft, sondern waren im Gegenteil rund um den Tiefpunkt besonders auf der Käuferseite aktiv, haben also den Abschwung gebremst, zum Umschwung beigetragen und ihn nicht verschärft.“ An diesem Handelstag hätten Hochfrequenzhändler für etwa 35 Prozent des Handelsvolumens gestanden, in der überwiegenden Zahl der Fälle sei die aggressive Partei, auf deren Initiative das Handelsgeschäft erfolgte, kein Hochfrequenzhändler gewesen, während die Hochfrequenzhändler als passive Liquiditätsstifter bereitgestanden hätten.
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Volatilitätsunterbrechung als wichtigstes Instrument

Ausgelöst wurde der Dax-Rückgang von einem großen Verkaufsauftrag eines institutionellen Händlers an der Terminbörse Eurex. „Die großen Verkaufsaufträge, die den Markt bewegen können, kommen nie von Hochfrequenzhändlern“, sagt Roth. Eine allgemeine Definition von Hochfrequenzhandel hat auch die Börse nicht. Als typisches Verhalten eines Hochfrequenzhändlers gilt der Handel auf Basis von Computeralgorithmen innerhalb von Millisekunden mit meist kleineren Summen bei nur kurzen Haltedauern der Wertpapiere von wenigen Sekunden oder Minuten, nie aber Tagen oder Wochen. Fast jede größere Bank betreibt Hochfrequenzhandel, es gibt aber auch auf Hochfrequenzhandel spezialisierte Anbieter. In Deutschland wird der Anteil des Hochfrequenzhandels auf etwa 40 Prozent des Handelsvolumens geschätzt, in Amerika auf mehr als 60 Prozent.
In New York gab es immer wieder Handelsprobleme, die auf den Hochfrequenzhandel zurückgeführt werden wie den Flash-Crash vom Mai 2010, als der Dow Jones Index binnen Minuten um mehr als 1000 Punkte nachgab. Dazu zählen auch der abgebrochene Börsengang der alternativen Handelsplattform Bats, der Börsengang von Facebook und die Schieflage des Handelshauses Knight Capital.
Die Probleme aus Übersee haben auch hierzulande zu einer verstärkten Diskussion um den Hochfrequenzhandel geführt, obschon hier noch keine aus dem Hochfrequenzhandel resultierenden Probleme aufgetreten sind. Die hiesigen Handelssysteme gelten als technologisch wesentlich ausgereifter als in Amerika. Auch hat die Deutsche Börse früh Vorkehrungen getroffen, um negative Auswirkungen des Hochfrequenzhandels möglichst auszuschließen. Wichtigstes Instrument ist eine Volatilitätsunterbrechung, die zum Tragen kommt, wenn durch einen Handelsauftrag in einem Wertpapier ein größerer Kurssprung ausgelöst würde. Dann unterbricht die Börse den Handel für etwa zwei Minuten, in denen die Marktteilnehmer Gelegenheit haben, in Ruhe ihre Orderbücher auf eventuelle Fehler zu untersuchen.

Erheblicher Zusatzaufwand ohne Informationsgewinn

Sollte danach immer noch ein Kurssprung bevorstehen, unterbricht die Börse den Handel weiterhin, um den Auslöser zu identifizieren und mit ihm Rücksprache zu halten, ob seine Order wirklich seinem Willen entspricht. Volatilitätsunterbrechungen gibt es im Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse täglich und sie haben sich nach allgemeinem Dafürhalten der Marktteilnehmer bewährt.
Gleichwohl strebt die Bundesregierung noch vor einer EU-weiten Regulierung ein Gesetz zum Hochfrequenzhandel an, zu dem es an diesem Mittwoch eine Expertenanhörung im Finanzausschuss des Bundestages gibt. Die Bundesbank äußerte vergangene Woche ihre weitgehende Zustimmung zu dem Vorhaben. Auch die Börse befürwortet das Gesetz, dessen Vorgaben die Börse weitgehend schon einhält. Die Bafin soll mehr Durchgriffsrechte erhalten, die Handelsteilnehmer zu vermehrter Dokumentation verpflichtet werden und bei exzessiver Nutzung der Handelssysteme ohne Orderausführungen Gebühren entrichten müssen. Die Zulassung der Hochfrequenzhändler soll über das Kreditwesengesetz erfolgen, was aus Sicht der Börse ein erheblicher Zusatzaufwand ohne Informationsgewinn wäre, weil viele ausländische Handelsteilnehmer dafür Niederlassungen in Deutschland gründen müssten. Die Börse schlägt die Zulassung der Hochfrequenzhändler nach dem Börsengesetz vor.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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