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Trotz Krise
Bankaktien werden wieder salonfähig
Von Bettina Schulz, London
18. Oktober 2012 Bankaktien haben sich seit Sommer dieses Jahres rasant erholt. Aber das bedeutet für Anleger nicht, dass der Zug abgefahren wäre. Zahlreiche global investierende Fondsmanager schichten weiter Gelder in Finanztitel um, dabei vor allem in europäische Werte. Wie die jüngste Umfrage der Bank of America Merrill Lynch im Oktober zeigt, wenden sich die internationalen Großinvestoren dem europäischen Aktienmarkt zu und favorisieren dort zunehmend die lange verschmähten Bankaktien.
Trotz der Kursexplosion in diesem Jahr werden Finanzwerte weltweit nach Angaben von HSBC gerade einmal zu 97 Prozent ihres Buchwertes gehandelt. Dies signalisiert weiter eine deutliche Schwäche des Sektors. Die Branche wird an den globalen Aktienmärkten mit einem Abschlag von 40 Prozent zum Gesamtmarkt gehandelt. In Europa liegt die Bewertung der Bankaktien am Markt gar um 60 Prozent unter der Bewertung des gesamten Aktienmarktes (siehe Grafik).
Investoren favorisieren Banktitel plötzlich wieder, weil der Stress der Branche abflaut: Die Institute haben einen Großteil ihres Ballasts aus der Bankenkrise abgeworfen. Diese Woche verabschiedete sich die Royal Bank of Scotland zum Beispiel von der staatlichen Absicherung, mit der sich die Bank vor den Verlustrisiken aus den Altlasten der Finanzkrise schützte.
Die Aufsichtsbehörden sind vorsichtiger geworden
Nach einer Umfrage von Deloitte rechnen zwar zwei Drittel der europäischen Banken damit, dass die komplette Bereinigung ihrer Bilanzen noch fünf Jahre dauern wird. Dafür gibt es momentan einfach zu wenig Käufer am Markt, die sich die noch verbliebenen Risiken aufhalsen wollen. Außerdem wollen die Banken diese nicht zu Schleuderpreisen mit Verlust abstoßen. Das Scheitern der Filialverkäufe von der RBS an Santander in der vergangenen Woche war symptomatisch für dieses Dilemma. Aber es ist Bewegung im Markt.
Die Aufsichtsbehörden sind zudem mit neuen Regulierungen vorsichtiger geworden, um das Kreditgeschäft der Banken nicht vollends abzuwürgen. So wurde in Großbritannien bereits eine Lockerung der Eigenkapital- und Liquiditätsstandards verkündet. Gleichzeitig hat sich die Liquiditätsnot der meisten Banken gelegt, sind die Finanzierungssätze zwischen den Banken wieder gesunken und können Banken wieder unbesichert Geld auf dem Kapitalmarkt aufnehmen. Das erste Mal seit Oktober 2009 können sich kreditwürdige Banken sogar günstiger am Anleihemarkt refinanzieren als Unternehmen. Ein Wendepunkt waren hier die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB im Dezember 2011 und März 2012, betont die Finanzberatungsgesellschaft A.T. Kearney. „Wir glauben, dass sich die Aktienkurse der Branche kurzfristig so lange erholen werden, wie sich die Refinanzierung der Banken verbessert“, heißt es bei JP Morgan.
Gewinne der Banken nicht erholt
Von der Liquiditätshilfe der EZB und der Rückversicherung, welche die Notenbank praktisch für die Anleihemärkte der Peripherie angekündigt hat, haben besonders die europäischen Banken mit umfangreichem Kleinkunden- und Mittelstandsgeschäft profitiert, weniger indessen die Investmentbanken. Allen voran haben die französischen Bankaktien in diesem Jahr Renditen von 24 bis fast 40 Prozent erbracht, HSBC von 22 Prozent, Lloyds Banking Group von 52 Prozent und Barclays von 32 Prozent. Seit Vorankündigung der EZB-Anleihekäufe im Sommer hat sich der Kurs der Crédit Agricole-Aktie sogar mehr als verdoppelt. In der Peripherie sieht dies freilich anders aus, unabhängig davon, dass bei zahlreichen spanischen Banken das Eigenkapital gestärkt werden muss und auch bei der italienischen Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena möglicherweise weitere Staatshilfe notwendig ist. Am Donnerstag senkte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit der Bank auf Ramschniveau.
Während die europäischen Banken ihre Erträge während der Krise in der Regel aufrechterhalten konnten, sind die Einnahmen der Banken in Italien, Portugal, Spanien und auch in Großbritannien gesunken. Während die europäischen Banken ihre Abschreibungen aus der Banken- und Schuldenkrise mittlerweile auf die Hälfte des Rekordniveaus von 2009 zurückfahren konnten, haben die Banken in Italien, Spanien und Portugal ihre Abschreibungen und ihre Risikovorsorge selbst im vergangenen Jahr ausweiten müssen.
Die Gewinne der Banken haben sich freilich nicht wieder auf das Niveau von 2007 erholt - und wenn doch, dann werden die Gewinne zur Bildung von Eigenkapital einbehalten. Dennoch: Die Analysten von HSBC glauben, dass die Ertragserwartungen der Marktteilnehmer zu pessimistisch sind. In den kommenden Quartalen könnten die Banken durchaus mit Gewinnzuwächsen überraschen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Wresch, Jonas
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013.
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