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Leitzins
Anleger rechnen mit Zinspause der EZB
Von Stefan Ruhkamp
06. Februar 2012 Angesichts der sich allmählich stabilisierenden Frühindikatoren der Wirtschaft im Euroraum rechnen die meisten Banken und Investoren mit einer Fortsetzung der Zinspause. Laut einer Reuters-Umfrage erwarten nur 13 von 71 Analysten eine Zinssenkung an diesem Donnerstag. Noch eindeutiger ist das Bild auf dem Geldmarkt. Dort signalisieren die Terminsätze derzeit die klare Erwartung, dass die Europäische Zentralbank ihren Leitzins von 1 Prozent nicht nur jetzt, sondern im gesamten Jahr 2012 unverändert lassen wird.
Gleichwohl rechnet die Citigroup damit, dass EZB-Präsident Mario Draghi im Anschluss an die Ratssitzung die schwache Kreditvergabe und die Verschärfung der Kreditstandards durch die Banken im Euroraum betonen wird. Das könnte den Weg für weitere Nothilfen der EZB bereiten. Denn am Donnerstag wird der Rat auch über die abermalige Ausweitung des Sicherheitenrahmens entscheiden. Zwar durften die Banken auch bisher einzelne Kredite und andere „nicht marktgängige Forderungen“ beleihen. Doch dafür gelten restriktive Anforderungen, so dass dieses Instrument kaum genutzt wurde. Nun sollen die Anforderungen für Einzelkredite reduziert werden.
Nationale Notenbanken tragen Verlustrisiko künftig allein
Nicht alle der 17 nationalen Notenbanken wollen an diesem Programm teilnehmen, zumal jede nationale Notenbank für Geschäfte, die mit solchen Kreditforderungen besichert sind, künftig das Verlustrisiko allein tragen muss. Anders als bei den regulären Geschäften darf sie mögliche Einbußen im Verlustfall nicht auf das Eurosystem umlegen. Die nationalen Notenbanken, die von ihren Geschäftsbanken dennoch Einzelkredite als Pfänder akzeptieren wollen, legen dem EZB-Rat die dafür vorgesehenen Konditionen zur Genehmigung vor. Da der Sicherheitenrahmen Ende des Monats ausgeweitet sein soll, wenn den Banken zum zweiten Mal Kredit mit der extrem langen Laufzeit von drei Jahren angeboten wird, dürfte der Rat am Donnerstag über die Programme entscheiden.
Wie groß der Effekt auf die Verfügbarkeit von Sicherheiten ist, gilt in Bankenkreisen als schwierig abzuschätzende Größe. Klar ist, dass die Senkung des Mindestreservesatzes von 2 auf 1 Prozent etwa 100 Milliarden Euro an Sicherheiten freisetzen wird. Dieser Effekt kam bei dem ersten Dreijahrestender im Januar noch nicht zum Tragen. Allerdings entspricht der Anteil der Banken aus finanzschwachen Euroländern an dieser Entlastung weniger als 20 Milliarden Euro. Für sie dürfte die Beleihung von Einzelkrediten ein wichtigerer Schritt sein. Für diese Programme schreibt die EZB vor, dass die Kreditqualität zumindest „adäquat“ sein müsse. Das entspricht einem „BBB-“-Rating und einer erwarteten Ausfallrate von höchstens 0,4 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten.
Misstrauen hat sich verringert
Die Verfügbarkeit zusätzlicher Pfänder bei den angeschlagenen Banken, die durch diese Aufweichung der Regeln erschlossen würden, lässt sich kaum abschätzen. Davon hängt jedoch ab, wie stark der zweite Langzeittender in Anspruch genommen wird. Gleichwohl trauen sich einige Banken Prognosen zu, wie viel Geld sich die Banken Ende Februar für drei Jahre leihen werden. Die Deutsche Bank spricht von 500 Milliarden Euro, die Citigroup von 400 bis 500 Milliarden Euro. Im Umfeld der Bundesbank sind Schätzungen zu hören, dass es spürbar weniger als beim ersten Tender sein werde, bei dem sich die Banken 489 Milliarden Euro verschafft haben.
Unterdessen hat sich in den vergangenen Wochen das Misstrauen der Banken untereinander etwas verringert. Das zeigt sich unter anderem an den geringeren Risikoprämien. So ist der Abstand zwischen dem Dreimonats-Euribor, einem Zins für mit Kreditrisiken verbundenen Bankenforderungen, und dem weitgehend risikolosen Eonia-Swapsatz von mehr als 100 auf zuletzt 77 Basispunkte gesunken.
Nachfragen wird EZB-Präsident Mario Draghi auch nach den Anleihepositionen der EZB erhalten. Die Notenbanken des Eurosystems halten allein aus dem im Mai 2010 begonnenen Anleihekaufprogramm griechische Staatsanleihen im Nennwert von rund 55 Milliarden Euro. In den Büchern stehen diese Titel mit knapp 43 Milliarden Euro und wert sind sie weniger als 20 Milliarden Euro. Nun wird im Zuge der Umschuldungsverhandlungen darum gerungen, ob auch die Notenbanken einen Teil der Verluste tragen sollen. Bisher verweigert sich die EZB dieser Forderung.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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