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Credit Suisse und UBS
Angst vor Stellenabbau in den Schweizer Banken
Von Jürgen Dunsch, Zürich
23. Oktober 2012 Der neue Schwung in den Bankaktien hat auch die Schweizer Institute erfasst. Im Zürcher Blue-Chip-Index SMI befinden sich Credit Suisse und UBS seit Mitte Juli im Aufwärtstrend. Bei Julius Bär als drittem SMI-Wert ist die Tendenz wegen des Kaufs der Vermögensverwaltung von Merrill Lynch außerhalb von Amerika und Japan weniger ausgeprägt. Die Kursgewinne erstaunen, denn vor allem die beiden Großbanken müssen ihre Kapitalbasis weiter festigen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat bei ihnen tiefe Wunden geschlagen. Die Kosten sind zu hoch, und das Ende des Geschäftsmodells mit Schwarzgeld von Ausländern sowie die Kritik der Aufsichtsbehörden tun ein Übriges, um die Geldhäuser nicht als wirklich gefestigt erscheinen zu lassen. Die Unsicherheiten schließen die Furcht vor Stellenstreichungen ein. Die Spekulationen überschlagen sich, bei der UBS ist von bis zu 10.000 gefährdeten Arbeitsplätzen oder knapp einem Sechstel der Stellen die Rede.
Bisher haben Credit Suisse (CS) und Marktführer UBS den Abbau von jeweils 3500 Stellen bekanntgegeben. Vor der UBS am 30. Oktober wird an diesem Donnerstag die CS als zweitgrößte Schweizer Bank über das dritte Quartal berichten. Dabei wird sicherlich auch die Beschäftigungsentwicklung unter den rund 48.000 Angestellten ein Thema sein. Die Mitarbeiter argwöhnen, dass die Unternehmensberatung McKinsey mit ihrer jüngsten Einschätzung recht habe, dass die Kosten in den Banken um rund 25 Prozent sinken müssten. Dies könnte nach Expertenschätzungen bis zu einem Fünftel auf die Beschäftigung durchschlagen. In der Schweiz stünden damit grob gerechnet 20.000 Stellen auf der Kippe.
Die Branche ist alarmiert
Das zu weit geschnittene Kostenkleid tragen zwar viele Banken in den Industrieländern mit sich herum. Aber die Schweiz ist von den sich abzeichnenden Einschränkungen besonders betroffen, da die mehr als 300 Banken international gesehen mit sechs Prozent überdurchschnittlich zur Wirtschaftsleistung beitragen. Hinzu kommt, dass die Beschäftigten in der Einkommenspyramide weit oben stehen, mithin gute Steuerzahler sind, und Arbeitsplatzverluste in der jüngeren Vergangenheit ein Fremdwort waren. In den beiden vergangenen Jahren stieg die Beschäftigtenzahl in der Eidgenossenschaft sogar leicht auf zuletzt 108.000 Personen. Der große Hammer wurde im Ausland geschwungen. So strich die UBS im Investmentbanking seit Ende 2007 nahezu 6000 der 22.000 Mitarbeiter von den Gehaltslisten. Aber jetzt ist der Poker um Stellenstreichungen neu eröffnet und dürfte weitere Abteilungen treffen, etwa die Informationstechnik und andere Back-Office-Einheiten.
Die Blicke richten sich in erster Linie auf die UBS, die in den Boomjahren vor 2008 im Vergleich zur Credit Suisse stärker expandiert hatte und nun zu größeren Einschränkungen gezwungen scheint. Dessen ungeachtet merken Branchenbeobachter kritisch an, dass die CS genauso viele Beschäftigte zählt wie Ende 2007. Klar ist, dass der Stellensockel in der zweitgrößten Bank der Schweiz naturgemäß etwas schrumpft, sollten sich die jüngsten Gerüchte über den Verkauf des Geschäfts mit börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds; ETFs) bewahrheiten. Der Rest möglicher Einschränkungen bleibt vorläufig in der Gerüchteküche. Julius Bär baut nach dem Kauf von Merrill Lynch bis zu 1000 Stellen ab, diese aber vorwiegend im Ausland. Was aus den Beschäftigten in der Bank Sarasin nach dem Einzug der brasilianischen Safra-Gruppe wird, steht noch in den Sternen. Safra verfügt in der Schweiz über eine eigene Bank und hat hohe Renditeanforderungen.
Viele Schweizer Banken leiden unter den Geldabflüssen europäischer Anleger, die entweder neue Schwarzgeldhäfen suchen oder ihre Vermögen bei den nationalen Finanzämtern deklarieren. Länder wie Spanien kommen ihnen dabei mit einer Steueramnestie entgegen. Die Branche ist alarmiert, Verzweiflung sieht indes anders aus. Einige Institute suchen vermehrt ihr Heil in der Vermögensverwaltung für institutionelle Anleger. Die Genfer Privatbanken berichten über Neugeldzuflüsse. Die Gelder kommen ihren Angaben zufolge aus dem Nahen Osten und den Schwellenländern - angeblich sauber und versteuert. Die Bankiers wollen eine Art Zeitenwende glauben machen: Es kämen nicht mehr die vermögenden Steuerschlaumeier, sondern diejenigen, die Angst vor Enteignungen und kriminellen Banden hätten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013.
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