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Rückläufige Verkaufszahlen
Amerikas Häusermarkt steht stark unter Druck
Von Norbert Kuls, New York
24. Juni 2010 Der amerikanische Häusermarkt gerät nach einer Erholungsphase im vergangenen Jahr wieder zunehmend unter Druck. Nach dem Ende steuerlicher Anreize für Hauskäufer sind die Verkaufszahlen für Einfamilienhäuser im Mai überraschend stark zurückgegangen. Die Zahl verkaufter Neubauten war nach Angaben des amerikanischen Wirtschaftsministeriums im Mai gegenüber dem Vormonat um 32,7 Prozent gefallen - so stark wie seit 1963 nicht mehr, als die Regierung diese Daten erstmals veröffentlicht hatte.
„Wir müssten lügen, wenn wir das Ausmaß des Absturzes nicht als schockierend bezeichnen würden“, kommentierte Analyst Dan Greenhaus vom Wertpapierhaus Miller Tabak. Analysten hatten im Vorfeld einen Rückgang um nur rund 20 Prozent erwartet. Aufs Jahr hochgerechnet, wurden im Mai 300 000 neue Eigenheime verkauft - auch das ein Minusrekord. Für April hatte das Wirtschaftsministerium noch um 14,8 Prozent gestiegene Verkäufe gemeldet.
Auslöser der Finanz- und Wirtschaftskrise
Auch die Verkäufe bereits bestehender Häuser waren im Mai zurückgegangen. Trotz anhaltend niedriger Hypothekenzinsen, die einen Kauf erleichtern, wurden nach Angaben des amerikanischen Maklerverbandes NAR im Mai 2,2 Prozent weniger Häuser verkauft. Im April waren die Hausverkäufe gegenüber dem Vormonat noch um 8 Prozent gestiegen. Der Chefökonom des NAR, Lawrence Yun, bezeichnete die annualisierten Verkaufszahlen von 5,66 Millionen Einfamilienhäusern und Wohnungen aber immer noch als „erhöht“. Da die Daten abgeschlossene Transaktionen messen, die erst nach Unterzeichnung des für die Steueranreize entscheidenden Kaufvertrags vollzogen werden, dürften die staatlichen Hilfen noch rund einen Monat nachwirken. „Wir sind Zeugen anhaltender Auswirkungen der Steuergutschrift für Hauskäufer, die es auch noch im Juni bei den Abschlüssen für Immobilienkäufe geben wird“, sagt Yun. Die im April unterzeichneten Kaufverträge müssen allerdings bis Ende Juni abgeschlossen sein.
Erstkäufer erhielten bis Ende April eine Steuergutschrift von 8000 Dollar. Die Steuererleichterungen sollten zunächst nur bis November gelten, waren dann aber verlängert worden. Der scharfe Rückgang der amerikanischen Häuserpreise in den Jahren 2007 und 2008 war der Auslöser der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise gewesen. Eine Erholung dieses Marktes gilt als Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung der amerikanischen Konjunktur.
Die Aktienkurse von Hausbauunternehmen wie Toll Brothers oder Lennar, die in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich gestiegen waren, haben seit April wieder nachgegeben. Im Häusermarkt versierte Profianleger wie der Hedge-Fonds Paulson & Co. oder die Beteiligungsgesellschaft Angelo Gordon & Co. schließen dennoch Wetten auf eine Erholung des Marktes ab. Paulson bietet für Baugrund in krisengeschüttelten Regionen wie Arizona und Nevada. Angelo Gordon kaufte kürzlich für 35 Millionen Dollar Bauland in den Vororten der Spielerstadt Las Vegas, deren Immobilienmarkt besonders stark unter Druck geraten war.
Abzeichen für abermalige Abschwächung
Nachlassende Verkäufe könnten die Häuserpreise aber weiter belasten. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums war der Median der Preise für ein neues Haus gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 Prozent auf 200.900 Dollar zurückgegangen. Die Hälfte der Häuser war also teurer, die andere Hälfte billiger. Bei den bereits existierenden Häusern lag der Median der Preise im Mai allerdings um 2,7 Prozent über dem des Vorjahres. Daten, die die monatliche oder quartalsweise Entwicklung der Häuserpreise messen, hatten trotz der Steueranreize zuletzt aber einen nachlassenden Trend signalisiert. So waren im ersten Quartal die durchschnittlichen Preise für Einfamilienhäuser nach Angaben des Informationsdienstes Standard & Poor's zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen.
Der S&P/Case-Shiller-Index für Häuserpreise war gegenüber dem vierten Quartal 2009 um 3,2 Prozent gefallen. Gegenüber dem ersten Viertel des Vorjahres, das noch unter dem Eindruck der Finanzkrise gestanden hatte, hatten die Häuserpreise zwar insgesamt um 2 Prozent zugelegt. David Blitzer, der Vorsitzende des Indexausschusses bei Standard & Poor's, hatte die jüngsten Daten dennoch als Anzeichen für eine abermalige Abschwächung des Häusermarktes gewertet. Andere Fachleute befürchten nun auch negative Auswirkungen auf die amerikanische Konjunktur.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013.
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