24. Mai 2013

Bericht vom internationalen Finanzmarkt

Amerikas Aktien fallen seit vier Wochen

Von Hanno Mußler
19. November 2012 Deutschland wird sich am Mittwoch am Kapitalmarkt rund 4 Milliarden Euro für zehn Jahre leihen. Um zum letzten Mal in diesem Jahr Anleihen mit dieser langen Laufzeit loszuwerden, wird der Bund den Anlegern nur eine Rendite von rund 1,3 Prozent bieten müssen. Würde er eine kürzere Laufzeit wählen, bekäme er wohl wie in der vergangenen Woche auf für zwei Jahre aufgenommene Schulden sogar eine Prämie von seinen Gläubigern.
Die Sorgen der Anleger um die Zahlungsfähigkeit Griechenlands, Portugals und Spaniens sind wieder erwacht. Davon profitieren im Gegenzug Deutschland und sogar das keineswegs über alle Zweifel erhabene Frankreich sowie Polen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft des Euroraums lieh sich gerade für zwei Jahre 2,5 Milliarden Euro und musste dafür mit 0,1 Prozent so wenig Rendite bieten wie noch nie. Und polnische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit werfen nur noch 4,2 Prozent Rendite ab - ebenfalls ein Rekordtief.
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Es geht schneller abwärts

An den internationalen Aktienmärkten hat sich unterdessen die Korrektur beschleunigt. Wegweisend ist der amerikanische Aktienmarkt, der seit seinem Anfang Oktober erreichten Jahreshoch 8 Prozent verloren hat. Allein seit der Wiederwahl von Präsident Barack Obama am 6. November hat der Aktienindex Dow Jones 5 Prozent abgegeben. In der vergangenen Woche, der vierten Woche hintereinander mit Kursverlusten, ging es um 1,8 Prozent abwärts. Die amerikanischen Zinsen sind derweil auf das tiefste Niveau seit zehn Wochen gefallen.
Anders als für den Dax, der nach einem Wochenverlust von 1,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang September sank und den Freitag mit 6950 Punkten auf Tagestief beendete, klang die Woche an der Wall Street wenigstens freundlich aus. Den Zuwachs des Dow Jones von 0,4 Prozent am Freitag auf am Handelsende 12588 Punkte erklärten Marktteilnehmer damit, dass die Gespräche zwischen Demokraten und Republikanern über den Staatshaushalt (fiskalische Klippe) nach Aussage eines republikanischen Verhandlungsführers „konstruktiv“ begonnen hätten.
Der versöhnliche Wochenschluss an der Wall Street kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die am 13. September von der amerikanischen Notenbank Fed angekündigten unbegrenzten Anleihekäufe die Konjunktur nicht stabilisiert haben. Umso spannender ist zu beobachten, dass im vor vorgezogenen Parlamentswahlen stehenden Japan der aussichtsreichste Kandidat Shinzo Abe noch mehr Staatsanleihekäufe, ein auf 2 bis 3 Prozent heraufgesetztes Inflationsziel, Negativzinsen und höhere Staatsausgaben vorschlägt.
Damit beeinflusste Abe Devisen- und Aktienmarkt: Der oft in Phasen wie diesen mit erhöhter Risikoscheu aufwertende Yen fiel nun wegen der Aussicht auf mehr gedrucktes Geld auf den tiefsten Kurs zum Dollar seit sechs Monaten. Und im Gegensatz zu anderen Aktienbörsen stiegen in Tokio die Kurse kräftig. Der Aktienindex Nikkei legte in der vergangenen Woche 3 Prozent zu und überwand die Hürde von 9000 Punkten.

Die Geschäfte der Unternehmen laufen schlecht

Die von Amerika aus auf alle Börsenplätze außer Tokio abfärbende Risikoscheu der Anleger ist am ehesten mit Berichten der Unternehmen zu erklären. Von 476 amerikanischen Unternehmen aus dem Aktienindex S&P 500, die inzwischen ihre Gewinne und Umsätze im dritten Quartal vorgelegt haben, fielen 60 Prozent schlechter aus als von der Fachwelt erwartet. Nun senken die Analysten vor allem die Gewinnerwartungen an die Technologieunternehmen im Jahr 2013. Plötzlich erscheinen etliche als hoch bewertet. In der vergangenen Woche war Microsoft mit einem Kursverlust von 8 Prozent größter Verlierer im Dow.
In Deutschland verläuft die Berichtsaison der Unternehmen besser als in Amerika. Hierzulande enttäuschten etwa 20 Prozent der 30 Dax-Unternehmen, rund 30 Prozent dagegen übertrafen mit ihren Geschäftszahlen für das dritte Quartal die Erwartungen. Allerdings ist das Verhältnis beim Ausblick genau umgekehrt: Eon und Henkel sind nur zwei Beispiele für rund 30 Prozent der Unternehmen, die mit ihren neu gesteckten Zielen die Erwartungen enttäuschten.
Dass deutsche Unternehmen verhalten in die Zukunft schauen, verwundert kaum. Spanien hat sich, wenn auch zu recht hohen Zinsen von 6,3 Prozent für zwanzig Jahre, gerade insgesamt 5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt geliehen und hat damit bis Februar seinen Finanzbedarf gedeckt. Damit ist unwahrscheinlich, dass das Königreich bald einen Hilfsantrag stellt und sich neuen Reformen unterziehen muss. Spaniens Volkswirtschaft ist im dritten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft. Die viertgrößte europäische Volkswirtschaft ist ursächlich dafür, dass der Euroraum insgesamt um 0,1 Prozent schrumpfte. Auch das deutsche Wachstumstempo hat sich abgeschwächt, auf plus 0,2 Prozent. Gerade angelsächsische Beobachter sehen sich in ihrer Ansicht bestätigt, dass Deutschland „den Euro nicht allein retten“ kann.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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