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Strategie
Amerikanische Wirtschaft bleibt schwach
08. Februar 2010 Nachdem in den vergangenen Wochen die kritische Wirtschafts- und Finanzlage europäischer Staaten in den Brennpunkt Anleger geraten ist, wird es scheinbar zur Mode, auf der europäischen Wirtschaftsstruktur und dem Euro herumzuhacken. Jedes nur denkbare Argument wird nun negativ gedreht, nachdem man die Entwicklung in ihrer Entstehung notorisch ignorierte.
Gerade angelsächsische Analysten und Anleger glänzen vor Schadenfreude und nutzen jede Gelegenheit, um vor den eigenen Schwierigkeiten abzulenken. Dabei sind die Schwierigkeiten in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten noch größer als in Europa, da dort sowohl die Konsumenten als auch die Staaten und Gebietskörperschaften noch tiefer verschuldet sind als in Europa und da angesichts sehr schwacher Arbeitsmärkte eine rasche wirtschaftliche Erholung kaum zu erwarten ist.
Anhaltend schwacher amerikanischer Arbeitsmarkt
Die Anzahl der amerikanischen Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft liegt absolut betrachtet auf dem Niveau vor zehn Jahren, obwohl die Bevölkerung inzwischen weiter gewachsen ist. Noch problematischer ist die Tatsache, dass die Arbeitsplätze im Produktionssektor - dem Kernbereich jeder gesunden Volkswirtschaft - in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist. Ihre Zahl lag im Januar des Jahres 2010 knapp 41 Prozent unter dem einmal vor 30 Jahren erreichten Hoch. Dagegen hat die Zahl der Jobs im öffentlichen Bereich in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Das ist ein schlechtes Zeichen. Denn wie sollen diese - zum Teil massiv überdotierten - Arbeitsplätze in Zeiten massiv einbrechender Steuereinnahmen künftig finanziert werden (siehe: Kommunalobligationen - der nächste Krisenherd?)?
Die so genannte Labor Force Participation Rate, also der Anteil der Bevölkerung, der in Lohn und Brot steht, ist im Dezember des vergangenen Jahres mit 64,6 Prozent auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren gefallen. Rechnet man den hohen Anteil der Teilzeitbeschäftigten ein, wird es voraussichtlich selbst bei robustem Wachstum einige Jahre dauern, bis sich der Arbeitsmarkt davon erholt haben wird.
Tatsächlich zeigt der Blick auf die jüngsten Daten, dass der amerikanische Arbeitsmarkt trotz gewaltiger fiskalischer geld- und fiskalpolitischer Stimulierungsmaßnahmen so schwach ist wie in keiner der üblichen Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte. Auch das Wachstum ist und bleibt schwach. Die jüngsten Zahlen sahen optisch zwar eindrucksvoll aus. Allerdings waren sie im Wesentlichen auf kurzlebige Lagerbestandsveränderungen zurückzuführen.
... unterdurchschnittliches Wachstum
So stellt sich die Frage, ob die amerikanischen Konsumenten mit ihrer an sich notorischen Kauflust dazu beitragen können, dass sich die Weltwirtschaft wieder rasch und deutlich erholen wird. Der schwache Arbeitsmarkt, die strapazierten Bilanzen, die fragile Vermögenssituation, die schwache Entwicklung der Entgelte und chronisch unterfinanzierte Kranken- und Rentensysteme lassen daran Zweifel aufkommen.
Wo aber soll dann das amerikanische Wachstum herkommen? Immerhin war in den vergangenen Jahrzehnten der Konsum auf Pump für bis zu 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Tatsächlich zeigen die jüngsten Daten, dass sie mehr Sparen als in der Vergangenheit und dass die Nachfrage nach privaten Krediten schwach ist und bleibt.
Die Wachstumsbedenken lassen sich auch auf viele Schwellenländer übertragen. Sie hätten sich in den vergangenen Jahren von der wirtschaftlichen Entwicklung in den Industriestaaten abgekoppelt, heißt es gemeinhin. Diese These jedoch lässt sich hinterfragen. Immerhin besteht ihre Geschäftsmodell vielfach direkt oder indirekt aus der kostengünstigen Herstellung von Massengütern, die schließlich in die Industriestaaten exportiert werden. Was jedoch, wenn dort die Nachfrage zurückbleibt?
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: BEA/Gary Shilling, Clusterstock, FAZ.NET, FED/Gary Shilling, FRBSF, Gary Shilling, Steve Keen
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