19. Mai 2013

Hochfrequenzhandel

Amerikanische Börsenmanager mahnen Reformen an

Von Norbert Kuls, New York
19. Dezember 2012 Die amerikanischen Finanzmärkte sind zu komplex und undurchsichtig geworden und benötigen Reformen, um das angeschlagene Vertrauen von Investoren wiederherzustellen. Diese Ansicht vertraten Spitzenmanager amerikanischer Börsenkonzerne bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington.
Zentrale Themen in der Debatte über Reformen sind der schnelle Computerhandel, komplizierte Orderzusätze bei Aktienaufträgen und das Wachstum des außerbörslichen Handels in sogenannten „Dark Pools“. „Wir sorgen uns um die Beschaffenheit des gesamten Marktes und fürchten, dass die Qualität der Börsen weiter sinkt, wenn genug Handelsvolumen abfließt“, sagte Joseph Mecane, der das Aktiengeschäft beim Börsenkonzern NYSE Euronext verantwortet. In einem „Dark Pool“ ist der Preis für ein Wertpapier und die Identität von Käufern oder Verkäufern nicht öffentlich. Insgesamt gibt es in den Vereinigten Staaten mehr als 40 dieser Handelsplattformen.
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Fehltritte

Ausgelöst wurde die Debatte um die Reform der Marktstrukturen von mehreren schlagzeilenträchtigen Fehltritten. Begonnen hatte es vor zweieinhalb Jahren mit dem Blitzcrash an der New Yorker Börse. Der Dow-Jones-Index war damals innerhalb von Minuten ohne offensichtlichen Grund dramatisch abgesackt und hatte sich danach genauso rasch wieder erholt. In diesem Jahr sorgte das Debakel beim Börsengang des Internetunternehmens Facebook für Verunsicherung.
Der Börsengang ging schief, weil sich die geplante Eröffnung des Handels wegen technischer Schwierigkeiten um eine halbe Stunde verzögerte. Dann bekamen Händler und Anleger stundenlang keine Bestätigung ihrer Aufträge. An der Wall Street halten sich Gerüchte, dass der sogenannte Hochfrequenzhandel mit für diese Ausrutscher verantwortlich war. Der Börsenhandel wird seit geraumer Zeit von Wertpapierhäusern dominiert, die Aktien in Millisekunden handeln. Privatanleger ziehen sich angesichts der Kontroversen um den Computerhandel zunehmend aus dem Aktienmarkt zurück.

Vordrängeln mit komplexen Orderzusätzen

Der große Börsenmakler Knight hatte aufgrund eines Softwarefehlers in einem Handelsprogramm in diesem Jahr hohe Verluste gemacht und war in Schieflage geraten. Als die Computer von Knight verrückt spielten, führte das an der New Yorker Börse zu starken Kursturbulenzen und ungewöhnlich hohen Umsätzen. Betroffen waren fast 150 Aktien, darunter Börsengiganten wie der Autokonzern General Motors. Der Verwaltungsrat von Knight hat jetzt einem Verkauf der Gesellschaft an das auf Hochfrequenzhandel spezialisierte Wertpapierhaus Getco zugestimmt. Die Transaktion wird von Knight mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet.
Angesichts der Kontroversen prüft die amerikanische Börsenaufsicht SEC derzeit die Computersysteme, mit denen Wertpapierhäuser Aufträge an den Börsen ausführen. Die Behörde will unter anderem von Wertpapierhäusern wissen, auf welche Weise deren Handelscomputer im Notfall abgeschaltet werden können. Nach den Worten von Nyse-Manager Mecane stehen Börsen und Aufsichtsbehörden kurz vor einer Entscheidung über eine Art „Notschalter“ für die Märkte. „Wir hoffen, dass wir im ersten Quartal etwas zu berichten haben“, sagte Mecane dem Bankenausschuss.
Die SEC prüft auch, ob Börsenkonzerne den Hochfrequenzhändlern Vorteile gegenüber Privatanlegern einräumen. Kenner der Branche kritisieren, dass Computerhändler eine Reihe komplexer Orderzusätze nutzen, um sich Vorteile gegenüber anderen Anlegern zu verschaffen, sich etwa in der Reihe der Aktienaufträge vorzudrängeln. Die Börsenaufsicht hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche exotische Orderzusätze genehmigt, die von Hochfrequenzhändlern selbst entwickelt wurden. Mecane räumte ein, dass das starke Wachstum der Zahl von Orderzusätzen zu komplex gewordene Marktstrukturen verdeutlicht. Eric Noll, Manager des Börsenkonzerns Nasdaq OMX, warnte allerdings davor, Hochfrequenzhändler zu verteufeln. Er verwies auf Studien, die den Computerhandel als „positiv für die Märkte“ bezeichnen. Das Hauptargument der Befürworter ist die zusätzliche Liquidität, die diese Handelshäuser den Finanzmärkten bereitstellen.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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