20. Mai 2013

Dax-Prognose

2013 wird ein gutes Jahr

Von Wieland Staud
28. Dezember 2012 Prognosen sind mein Leben. Für mich ist nichts spannender, als der Zukunft immer wieder einen Teil ihres Geheimnisses zu entreißen. An vier von fünf Tagen freue ich mich auch noch heute unbändig darüber, dass ich Analyst sein kann. Aber gerade dann, wenn man sein Hobby zum Beruf machen durfte, wird es zur unabdingbaren Aufgabe, stets die systemischen Grenzen seiner Arbeit im Blick zu haben.
Gewissheit über die Zukunft zu erlangen wird immer unmöglich sein. An die Stelle des sicheren Wissens müssen Wahrscheinlichkeiten treten. Auch Zeitpunktprognosen, wie sie gerade zum Jahresende immer wieder von meiner Zunft erfragt werden, sind schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Bei welchem Punktestand der Dax das nächste Jahr beschließen wird, das kann heute niemand wissen, und das kann auch keiner mit einer Wahrscheinlichkeit jenseits von 50 Prozent ableiten.
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Menschenmöglich ist, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Grundausrichtung des Dax für eine gewisse Zeitspanne abzuleiten. Mehr nicht. Alles andere ist Kaffeesatzleserei und für den Fall, dass diese zum Ziel führen sollte, großes Glück. Genau das ist auch der Kontext, in dem meine an dieser Stelle veröffentlichte Dax-Prognose für das zurückliegende Jahr einzuordnen ist.

Eine vorzügliche Ausgangssituation

Das Jahr 2012 sollte ein gutes Aktienjahr werden und der Dax es im Idealfall im Bereich meines strategischen Kurszieles von 8.000 Punkten beschließen. Auch wenn der Dax sich ziemlich genau an diese Vorgabe hielt und diese Prognose der Realität sehr viel näher kam als die der weiten Mehrheit: Die Richtungskomponente dieser Prognose hatte bestimmt etwas mit Können und auch mit etwas Mut zu tun. Die Zielkomponente dürfte aber auch eine Portion Glück enthalten. Ich selbst wäre überrascht, wenn mir dies für das Jahr 2013 ähnlich gut gelingen würde.
Aber wie stehen denn nun die Zeichen für das kommende Aktienjahr 2013? Die kurze Antwort: Gut! Der Dax trifft auf eine vorzügliche Ausgangssituation: Die Erwartungen der allermeisten Anleger an das kommenden Jahr halten sich in Grenzen. Der Investitionsgrad gerade der institutionellen Anleger ist relativ gering. Die Anlagealternativen sind überschaubar, und die Trends des Dax wie auch die der meisten seiner 30 Werte zeigen nach oben.
Ich erwarte deshalb, dass der Dax sich im Jahr 2013 seinen bisherigen historischen Hochs bei rund 8.100 annähern, unter ihnen konsolidieren beziehungsweise korrigieren und sich danach zu neuen, niemals erreichten Höhen aufmachen wird. Im Idealfall erreicht er Werte um oder über 9.000 Punkte. Diese Einschätzung werde ich nach dem heutigen Stand der Analyse solange aufrechterhalten, wie der Dax nicht unter das analytische Stoploss von aktuell rund 6.200 Punkten, dem gegenwärtigen Niveau des eingezeichneten kurzen schwarzen Aufwärtstrends, zurückfällt.
Gemessen an den durchschnittlich erwarteten 8.080 Punkten für 2013 hört sich diese Prognose für viele mit Sicherheit nach einem viel zu großen Schluck aus der Pulle an. Aber gerade in diesen 8.080 Punkten liegt der Charme: Sie zeugen erfahrungsgemäß von einer sehr unentschlossenen und zurückhaltend gestimmten Analystengemeinde, die mit einer durchschnittlich erwarteten Steigerung von rund 7 bis 8 Prozent gemessen am Erhebungszeitpunkt, nur das erwartet, was sie immer erwartet und auch nur das erwartet, was man von ihr erwartet. Nicht zu unterschätzen sind auch die aufwärtsgerichteten langfristigen Trends. Im Regelfall braucht es urgewaltige Argumente für eine Trendwende. Diese existieren momentan einfach überhaupt nicht.
Von immer größerer analytischer Bedeutung ist im vergangenen Jahr das rot eingezeichnete „Dreieck“ geworden. Alle Angst, Freude und Hoffnung, die Dax-Anleger in den letzten 13 Jahren durchgemacht haben, waren wohl wenig mehr als eine Konsolidierungsphase. Mit dieser Erkenntnis sind zwei außerordentlich gute analytische Momente verbunden: Erstens neigt sich dieses nervenzerfetzendes Auf und Ab jetzt seinem Ende zu. Zweitens würde sich der Dax mit dem Schritt über 8.100 Punkte den Weg zu fünfstelligen Notierungen ebnen.
Übrigens wird wahrscheinlich auch das Jahr 2013 kein goldenes Jahr werden. Die Hinweise auf nachgebende Notierungen sind mittlerweile von beeindruckender Qualität. Das glatte Gegenteil gilt für den Euro. Fast alle Argumente einer langfristigen technischen Analyse sprechen derzeit für die Gemeinschaftswährung und gegen den Dollar. Ich gehe deshalb davon aus, dass Gold im kommenden Jahr bis zu 30 Prozent an Wert verlieren und der Euro 5 bis 10 Prozent gewinnen wird. Beide Entwicklungen gemeinsam würden den Wert der in Deutschland gehorteten Goldschätze von fast 400 Milliarden Euro erheblich schmelzen lassen.
Auch für Gold muss deshalb in meinen Augen gerade im kommenden Jahr wie für jeden anderen an den Finanzmarkt gehandelten Titel auch ein Stoploss ein- und umgesetzt werden. Irgendwann ist die Zeit aller Krisenmetalle vorbei – weil die Krise vorbei ist. Genau das wünsche ich Ihnen und mir für ein richtig gutes neues Jahr 2013!


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Wresch, Jonas

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